Bürgermeisterkandidat Michael Kösters-Kraft
Vorfahrt für Bildung, Natur und sichere Wege

Greven/Reckenfeld -

Bei einer Fahrradtour durch Greven und Reckenfeld erläutert Michael Kösters-Kraft, was ihm an Greven gefällt und was weniger. Kein wunder, dass verkehrspolitische Fragen dabei eine wichtige Rolle Spielen.

Montag, 05.05.2014, 17:05 Uhr

Vorsicht, nicht täuschen lassen von der biederen Drei-Gang-Gazelle. Mit der ist der Kandidat so zügig unterwegs, dass der Reporter verstohlen nach einem Motor Ausschau hält. Doch der Grüne ist ohne elektrische Unterstützung unterwegs. Reine Muskelkraft hilft Dr. Michael Kösters-Kraft auf die Sprünge. Natur pur.

Michael Kösters-Kraft beim Grevener WN-Leserforum

Ein Stadtbummel mit dem grünen Kandidaten fürs Bürgermeisteramt sollte es werden, eine ausgewachsene Stadtrundfahrt wird es am Ende. Los geht es in der Fußgängerzone. „Eine Innenstadt lebt nicht allein von den Geschäften, sondern auch von einer attraktiven Gestaltung des Umfelds.“ Sagt er und meint damit zum Bespiel mehr Bäume und grüne Ruheinseln. Am Rathauskarree – das er grundsätzlich sehr begrüßt – sei dies bei der Planung vernachlässigt worden. Auch ansehnlichere Sitzgelegenheiten und mehr Spielpunkte in der City hält er für nötig. Für Familien mit Kindern gebe es wenig Gründe, gezielt die Innenstadt anzusteuern. „Wenn ich Bürgermeister würde, würde ich in manchen Dingen entschlossener handeln“, sagt er selbstbewusst. Und verweist etwa auf die nötige Umgestaltung der Rathausstraße, die die Fußgängerzone zerschneidet. Seit Jahren werde geredet, passiert sei noch nichts.

Die Fahrt führt am Schulzentrum Teichstraße entlang. Der Schulausschussvorsitzende lobt die Kooperation der dortigen Schulen und die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, etwa in Sachen Inklusion. „Das ist ein Schulzentrum, das lange funktionieren wird.“ Doch die Entwicklung sei noch nicht am Ende. Er macht sich weiter für eine Sekundarschule stark. „Das Thema kann damit nicht vom Tisch sein“, sagt er über das Umdenken von CDU und FDP, welches ihn „geärgert“ habe. Weil „man den Eltern die Chance genommen hat, sich aktiv an der Gestaltung der Schullandschaft zu beteiligen. Das ist undemokratisch.“ Die Zweigliedrigkeit sei die Zukunft in Greven, ist der grüne Ratsherr überzeugt. Sprich: Gymnasium plus integrierte Formen wie Gesamt- und Sekundarschule. Dass Letztere in der Lage sei, „mindestens genau so guten Unterricht anzubieten wie die Realschule“ steht für ihn fest. Die teils harten Auseinandersetzungen nimmt er professionell. Dass er auch persönlich angegriffen wurde, lässt ihn jedenfalls nicht schlecht schlafen. Man habe durchaus auch etwas vorzuweisen: „Nur weil wir Grünen gedrängt haben, wird jetzt in die Schulen investiert.“ Das vom SPD-Konkurrenten verkündete 18-Millionen-Euro-Paket für die Bildung sei zumindest in Teilen ein grünes Projekt.

Die Fahrt führt an einem Kösters-Kraft-Plakat vorbei. „Schon komisch" sei das, bekennt er. Aber eben auch nötig. Er will schließlich Bürgermeister werden. Und seine Chancen? „Ich will auf jeden Fall in die Stichwahl. Ganz klar.“ Gegen wen dann? „Dazu sage ich jetzt mal nichts“, schmunzelt er.

Der radelnde Doktor der Soziologie lotst den Berichterstatter über den Deich – und damit an den 09- und DJK-Sportanlagen vorbei. Die seien in bester Ordnung – auch weil sich die Vereine bei der Unterhaltung nicht auf die Stadt verlassen. 09 habe sogar selbst in einen Kunstrasenplatz investiert. „Der ist wichtiger als eine Soccerhalle“, sagt er und leitet damit über zum Ortsteil Reckenfeld – das nächste Ziel der Fahrt.

Steckbrief Michael Kösters-Kraft

Auf dem Weg dorthin darf es auch mal privat werden. Kösters-Kraft berichtet von fußballspielenden Söhnen (einer studiert nun in Siegen), von der Schlosser- und Maschinenbauer-Lehre bei Arnskötter, dem Studium der Soziologie in Bonn und dem „echten“ Beruf: Seit Studientagen betreibt er mit der Ehefrau ein Café in Münster. Als die Familie wuchs, zog es Kösters-Kraft nebst Frau zurück in die Stadt, in der er aufgewachsen ist: Greven. Dort wohnt die Familie in der Friedenstraße.

Von den Sportanlagen ist es nur ein Katzensprung bis zu den Bädern. „Wenn wir es schaffen, das zu erhalten, was wir jetzt haben, ist das schon großartig.“ Ein Ausspruch, der auf die Stadtbibliothek („ein Magnet“), aber eben auch auf die Bäder gemünzt ist. Man müsse weiter Kosten minimieren, ohne die Bäder zu gefährden. Gebe man das Springerbecken im Hallenbad auf, drohe genau dies.

In Reckenfeld angekommen, gerät Kösters-Kraft fast ins Schwärmen. „Ein schöner Marktplatz, große Grundstücke, viel Grün, tolle Ausstattung mit Einzelhandel.“ Doch natürlich gebe es auch „Baustellen“. Die Lkw-Belastung etwa. Da könnten mehrere Querungshilfen Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer schaffen und zugleich den Durchgangsverkehr ausbremsen. „Zu wissen, dass die Kinder sich sicher im Ort bewegen können – das ist doch auch Lebensqualität.“ Die Busverbindung hält er für wichtig, aber eben auch einen angemessen Takt. Drei Busse pro Stunde gingen am Bedarf vorbei. Und der Reckenfelder Haltepunkt? „Da ist eine Anhebung der Bahnsteige nötig – so wie in Greven. Da muss man am Ball bleiben“

Zurück geht es durch die Einflugschneise des FMO. Kösters-Kraft nennt ihn ein „Schuldenloch“. „Der FMO bedroht unseren Grevener Haushalt – und zwar substanziell.“ Ein sofortiger Ausstieg aus dem Planfeststellungsverfahren für die Startbahnverlängerung könne verlorene Millionen nicht zurückbringen, aber neue Schulden vermeiden. „Wir müssen uns davon verabschieden, so groß zu denken wie bisher.“ Die Option auf eine Startbahnverlängerung brauche man nicht, der FMO habe auf eigenem Gelände Platz für eine 2500-Meter-Bahn. Das reiche für moderne Maschinen aus. „Von Greven aus nach New York oder Singapur – wer braucht das?“ Der FMO müsse Drehkreuze und rentable Europa-Ziele ansteuern. Auch über „Kooperationen im westfälischen Raum“ müsse man sprechen. Heißt: Mit Paderborn und Dortmund abstimmen, wer welche Verbindung anbiete.

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