Bürgermeisterkandidat Joseph Panhoff
Ein Grevener, der sich einmischen will

Greven -

„Joseph, es gibt auch einen Punkt.“ Ein Redakteur gab diesen Hinweis dem jungen freien Mitarbeiter Joseph Panhoff einst mit auf den Weg. Geholfen hat‘s wenig, denn wenn der Bürgermeisterkandidat der CDU erst einmal in Fahr gerät, geht‘s schnell, sehr schnell, manchmal auch ohne Punkt und Komma. „Okay“, sagt der Kandidat, als der Autor dieser Zeilen den 48-Jährigen mit Block und Kuli zu bremsen sucht. „Sie haben ja Recht.“

Freitag, 16.05.2014, 12:05 Uhr

Hier ist Joseph Panhoff zu Hause:  Im historischen Familienbesitz an der Bergstraße, den er selbst als das „dörfliche Greven“ charakterisiert.
Hier ist Joseph Panhoff zu Hause:  Im historischen Familienbesitz an der Bergstraße, den er selbst als das „dörfliche Greven“ charakterisiert. Foto: res

Der verabredete Rundgang beginnt auf des Kandidaten eigener Scholle, dem Gebäudekomplex der Panhoffs im Eckbereich von Bergstraße und Martinistraße. Ob der Bürgermeisterkandidat ein guter Vermieter sei, fragen wir Eisdielen-Mann Gianni Gregori. „Ja, schon“, pariert der Italiener, „aber er hat ja auch den besten Mieter.“ Ein lockerer Plausch.

Joseph Panhoff beim Grevener WN-Leserforum

Locker ist der Kandidat zunächst noch nicht. Eher konzentriert, ein bisschen förmlich, durch und durch konservativ. Kandidat und Redakteur beschnuppern sich. Doch mitten im Hof des Gebäudekomplexes, der aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert stammt, verliert Joseph Panhoff diese Zurückhaltung.

Hier ist er zu Hause, erzählt von der ältesten Ansiedlung in Greven, die sich noch in Privatbesitz befindet, erinnert an den Vorzeige-Panhoff, Großvater Joseph, der einen Lebensmittel-Großhandel aufbaute, lenkt den Blick auf Vater Joseph, der die Geschäfte in einer Grevener Handelsgesellschaft weiterführte, die selbst für die vormächtigen münsterischen Kollegen zur „harten Nuss“ wurde. Der Tradition verpflichtet waren die Panhoffs immer. Der alte, deutsche Vorname Joseph – „aber bitte mit h“ – macht‘s deutlich. Dass diese Tradition allerdings beim eigenen vierjährigen Sohn endete, ist Ehefrau Kerstin zu verdanken. „Liberal, protestantisch und mit Migrationshintergrund“, charakterisiert Joseph Panhoff schmunzelnd seine Ehefrau. Der Joseph jedenfalls musste zurück ins zweite Glied. „Theodor“ heißt der Panhoff-Sprössling. Eine Niederlage, die der Vater locker weggesteckt hat. Apropos Migrationshintergrund: Kerstin Panhoffs Vater ist ein Niedersachse. Joseph Panhoff hat Humor.

Spät gefreit: Dass Joseph Panhoff erst mit 44 Jahren Vater wurde, liegt wohl auch in den Familiengenen. „Das war bei Vater und Großvater genauso.“ Die Greven-Karte kann Joseph Panhoff in jedem Fall als Trumpf einsetzen.

Von der Eisdiele an der Martinistraße fällt der Blick auf den neuen Ahlert-Rundbau: „Bis vor vier Wochen war alles gut,“ beantwortet Panhoff die Frage nach der Nachbarbebauung. „Aber jetzt, schauen Sie doch selbst.“ Höher als die Nachbarbebauung ragt das Staffelgeschoss gen Himmel. Nein, er werde das als Bürgermeisterkandidat jetzt nicht monieren. Es fällt ihm sichtlich schwer.

Interessenskollisionen zwischen dem bürgermeisterlichen Amt und seinen privaten Innenstadtinteressen sieht Panhoff auch künftig nicht. „In einem solchen Fall würde ich nicht als Bügermeister, sondern als Privatmann handeln.“

An der Stadtentwicklung hat Panhoff wenig zu mäkeln. Der Niederort: „Eine wirklich gelungene Platzsituation“. Den Entwurf von Hillebrand und Welp habe er schon im Wifo favorisiert.

Geradezu überfällig ist für ihn die Entwicklung der Rathaus-Passage. „Greven hat schließlich Zentrumscharakter.“ Die Situation ohne einen Nahversorger in der Innenstadt sieht er „als historisch einmalig“. Abhilfe sei daher dringend.

Planungsmängel hat er jedoch an der Martinistraße entdeckt, wo durch Gebäudevorsprünge des neuen Komplexes und die Winninghoff-Treppe ein gefährlicher Engpass entstehe. Zudem kritisiert er, dass die Parkplätze (ehemals vor Schröder) wegfallen.

Steckbrief Joseph Panhoff

Die ersten Wochen seiner Kandidatur haben eins schon gezeigt: Der Mann liebt klare Worte. Als „Karl-Marx-Gedächtnisplatz“ charakterisiert er den Rathausplatz. Mit der Einstufung dieser Beton- und Asphaltwüste als „städtebauliche Katastrophe ersten Ranges“ findet er sich übrigens in Einklang mit dem russischen Literaten Lew Kopelew. Als „furchtbar“ hatte der dieses Greven-Entree bei seinem Besuch Ende der 80er Jahre in Greven bezeichnet. Eine Randbebauung, um solcherlei Schrecklichkeiten zu kaschieren, schlägt der CDU-Kandidat vor.

Und auch für die Verbindung zwischen Oberer Marktstraße und M­artinistraße hat er eine Idee: Man nehme den Wilhelmsplatz, bebaue ihn mit einem Wohn- und Geschäftskomplex. . .  Dahinter gebe es ausreichend Platz für die Schule und auch einen Bürgerpark. Ein Kandidat mit Ideen.

Joseph Panhoff will sich einmischen. So geriet er auch in den Fokus der CDU. Jürgen Diesfeld habe er weit vor seiner Nominierung angerufen. Warum die CDU ohne Not das dreigliedrige Schulsystem aufgeben wolle, hatte er wissen wollen. Dass die CDU mit ihm als Kandidaten die Sekundarschule von der Agenda genommen hat, erfülle ihn mit Zufriedenheit, räumt er ein. „Die Elternbefragung ist undemokratisch“. 150 Ja-Stimmen für eine Sekundarschule hätten der Anne-Frank-Realschule den Garaus bereitet.

Familie, Schule, Elternhaus, Wahlkampf – Joseph Panhoffs Leben hat Fahrt aufgenommen. Elf Korrekturen nimmt der Wirtschaftslehrer in diesem Schuljahr mit nach Hause. Nicht nur Lehrer wissen, was das bedeutet. „Nachtarbeit“, sagt Panhoff trocken. Auch das nimmt man ihm ab.

Heimliche Leidenschaften? Sein Klavier und die Work-Station, eine musikalische Fortentwicklung des Synthesizers, müssen warten. Wer allerdings den musikalischen Panhoff mit seinem selbst kreierten Alpha-Pop-Sound hören möchte – die Plattform „My Space“ präsentiert den Musiker Panhoff. Ganz locker.

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