Bürgermeisterkandidat Peter Vennemeyer
Von großen Textilern und kleinen Leuten

Greven -

Man kann es ihm ansehen: Er ist stolz auf das, was er sieht, auf den Ort, den er zum Startpunkt des kleinen Rundgangs durch die Stadt ausgewählt hat. „Auf den neuen Niederort kann man auch stolz sein, die Mühe und die Arbeit haben sich gelohnt“, sagt Peter Vennemeyer, Bürgermeister, der zur Wiederwahl antritt. Fast väterlich fällt sein Blick auf die mit dem Wasser spielenden Kinder. „Hier ist jetzt das Leben, hier hat die Abstimmung mit den Füßen stattgefunden.“

Freitag, 16.05.2014, 12:05 Uhr

Peter Vennemeyer und der Niederort: „Hier hat die Abstimmung mit den Füßen stattgefunden.“
Peter Vennemeyer und der Niederort: „Hier hat die Abstimmung mit den Füßen stattgefunden.“ Foto: Peter Beckmann

Viele hätten ihm damals gesagt, da brauche er gar nicht losgehen, sich um Landesmittel zu bewerben. „Da war schon eine ziemliche Portion Optimismus von Nöten.“

Um dann beim Passieren des Kuhtroges direkt die Hände abwehrend von sich zu strecken. „Dazu sage ich zur Zeit nichts“, antwortet er auf die Frage nach dem weiteren Ausbau des alten Weges. Ein Weg, der entlang des Grundstücks seines Konkurrenten Joseph Panhoff führt. „Persönlich,“ so viel räumt er ein, „wäre ich dafür, dass der Kuhtrog bis zur Bergstraße geöffnet wird“.

Peter Vennemeyer beim WN-Leserforum

Der Weg führt vorbei an der Martin-Luther-Grundschule direkt auf das Areal zu, auf dem einst ein Supermarkt gebaut werden sollte. „Ich wünsche mir hier einen großen Textiler, mit Eingang zur Marktstraße, der dort für eine Belebung sorgt.“

Linker Hand die Christuskirche. Vennemeyer ist seit Jahren in der evangelischen Gemeinde engagiert, ist dort sogar Presbyter. Reicht die Zeit dafür eigentlich noch? „Es ist schwer, beides voreinander zu bringen“, gibt Vennemeyer zu.

Überhaupt habe er damals vor sieben Jahren den zeitlichen Aufwand, den das Bürgermeisteramt mit sich bringe, unterschätzt. „Der Privatmensch Peter Vennemeyer ist weg, sobald ich die Haustür verlassen habe. Da gehen viele Dinge, die früher gingen, heute einfach nicht mehr.“ Aber daran habe er sich längst gewöhnt. Von einer Fünf-Tage-Woche mit 40 Stunden Arbeitszeit müsse man sich in dem Job einfach verabschieden. Eine Sechs-Tage-Woche mit bis zu 70 Stunden Arbeitszeit in der Woche seien die Regel. „Aber der Job macht mir Spaß, sonst würde das auch zu stressig.“

Dann kommt er wieder auf die Marktstraße zu sprechen, spricht von dem Frequenzbringer, der hoffentlich die Situation verbessere. Aber er teilt auch in Richtung der Immobilienbesitzer aus. „Die Ladenflächen, die hier angeboten werden, sind einfach zu klein. Da ist eine engere Zusammenarbeit der Eigentümer und ein bisschen mehr Engagement notwendig.“

Die Innenstadt wirkt beim Spaziergang am Nachmittag eher leer. Haben da diejenigen Recht, die sagen, dass in Greven nichts los ist? „Klar gibt es defizitäre Bereiche, vor allem für Jugendliche ist es ein bisschen schwieriger, aber insgesamt gibt es sehr viele Angebote in Greven.“ Und, da findet Vennemeyer klare Worte: Sicher gebe es auch einige Menschen, die einfach mit nichts zufrieden seien.

Wir passieren die Villa Biederlack. „Das wäre noch ein Traum, dass der Garten der Villa als öffentlicher Park genutzt werden kann, so etwas fehlt dringend in der Innenstadt.“ Daran arbeite man zur Zeit, da müssten die Nachbarn in die Planungen involviert werden.

Steckbrief Peter Vennemeyer

Der Weg führt zur Rathausstraße, passend fährt ein Lkw nach dem anderen durch die Straße. „Ein großes Ärgernis, das die Stadt in zwei Teile trennt“, wird Vennemeyer deutlich und erzählt, dass man momentan ernsthaft überlege, die Straße herunterstufen zu lassen

Kostet aber Geld. „Klar“, gibt Vennemeyer zu. „Das würde eine fünfstellige Summe und natürlich den Unterhalt kosten.“ Aber städtebaulich müsse man den Bewohnern und den potenziellen Neubürgern ein attraktives Einkaufserlebnis und eine attraktive Infrastruktur bieten. „Und deshalb sind wir gerade dabei, die Sache durchzurechnen.“ Dann müsse die Politik entscheiden, ob ihr es das wert sei.

Der Blick fällt aufs Rathaus. „Mit diesem Thema kann man mit Sicherheit keinen Blumentopf gewinnen, aber hier muss dringend etwas passieren“, erzählt Vennemeyer. Er selber favorisiere die Sanierung mit Flächenoptimierung.

Hinter dem Rathaus der Busbahnhof mit den vielen, häufig nicht genutzten Parkplätzen, der hintere neue Teil steht komplett leer. Trotz allem: Waren die Parkgebühren der richtige Weg? „Auf diese Einnahmen kann die Stadt nicht mehr verzichten“, betont Vennemeyer. Klar: Die Parkgebühren könnten in wenigen Einzelfällen dem Einzelhandel schaden. „Aber die Gebühren sind maßvoll und die Bürger haben sich inzwischen daran gewöhnt.“

Und welche Visionen hat der Bürgermeister? Da bleibt er zunächst ganz bodenständig. „Ein Wertstoffhof als reiner Integrationsbetrieb wäre so eine Vision“, erzählt er. Außerdem müsse man die Struktur in Reckenfeld weiter ausbauen. „Wir müssen bezahlbaren Wohnraum in der Ortsmitte in Reckenfeld schaffen.“ Er könne den Wunsch der Reckenfelder nach einem soziokulturellen Zentrum gut nachvollziehen. „Aber das wird von heute auf morgen nicht umsetzbar sein.“

Und dann rückt Vennemeyer doch noch mit einer Zukunftsvision heraus. „Ich würde gerne aus Rathausstraße und Kardinal-von-Galen-Straße Einbahnstraßen machen, so dass der Verkehr im Kreis geführt wird“, erzählt er. Das würde der Stadt richtig gut tun.

Der Rundgang durch die Stadt schließt sich. Der Niederort ist wieder erreicht. Alle Bänke sind besetzt, bis auf zwei, die gleich angesteuert werden.

Doch zum Sitzen laden die nicht gerade ein, die Hinterlassenschaften der Tauben auf den nagelneuen Bänken sind schon eklig. „Das passiert immer nur bei diesen beiden Bänken“, weiß Vennemeyer genau Bescheid. Man habe schon überlegt, die Bänke zu versetzen, das gehe aber nicht. „Die müssen eben täglich gereinigt werden.“ Auch auf die kleinen Dinge des Lebens hat der Bürgermeister anscheinend ein Auge.

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