Emsdeich-Skulpturen
„Können Sie Fisch auch in drei Meter?“

Greven/Havixbeck -

Beim Emsdeich-Skulpturen-Projekt wird es Künstlerisches nicht nur am, sondern auch im Wasser geben: Anne Huster modelliert drei Riesenfische aus Stein und Keramik. Ein Atelierbesuch.

Samstag, 04.02.2017, 13:02 Uhr

„Fliegende“ Fische in vielen Variationen sind in Anne Husters Garten zu sehen. Die Havixbecker Künstlerin ist am Skulpturenprojekt Emsdeich beteiligt.
„Fliegende“ Fische in vielen Variationen sind in Anne Husters Garten zu sehen. Die Havixbecker Künstlerin ist am Skulpturenprojekt Emsdeich beteiligt. Foto: Monika Gerharz

Was ist das Gegenteil eines Bildhauers und macht trotzdem Skulpturen? Nun, es ist zierlich, temperamentvoll, hat ein hinreißendes Lachen und den Garten voller fliegender Fische . „Man tut nach meinem Gefühl den Steinen ein Leid an, wenn man was weghaut“, sagt Anne Huster und streicht mit den Fingerspitzen über einen Quarzbrocken in zarten weißen, rosa und grauen Tönen. „Ich sehe die Figur, zu der der Stein werden kann. So, wie andere Menschen Figuren in den Wolken sehen.“ Darum baut sie anstatt wegzuhauen – der Schnabel aus Keramik macht den Basalt zum Vogel, die Beine aus Ton verwandeln den unförmigen Brocken in eine verführerische Liegende, ein modellierter Schwanz macht aus einem Stück Fels einen Fisch, so groß, dass ein Erwachsener, der einigermaßen kräftig ist, ihn noch tragen kann.

Vor einigen Monaten nun bekam Anne Huster einen Anruf – einen seltsamen Anruf. „Können Sie Fisch auch in drei Meter?“, wollte jemand wissen. Verblüfftes Schweigen bei der Künstlerin – nahm sie da jemand auf dem Arm? Aber dann erklärte der Grevener Hans-Dampf-in-allen-Gassen, Pons Beuning, der am Apparat war, dass er ihre Figuren gesehen habe, sie ihm gefallen und dass er sie gerne für sein Skulpturenprojekt am Deich wolle – allerdings eben richtig groß. Er schwärmte davon, wie gut sich eine Gruppe von Stein-Keramik-Fischen im Fluss doch ausnähmen – und entzündete den Funken der Begeisterung bei der Havixbeckerin, auch wenn die erst mal einen Berg an Arbeit auf sich zukommen sieht. „Das gibt noch eine Suche“, seufzt Anne Huster. Sie wird nach passenden Eisenschiefer-Brocken im Sauerland schauen. Eine Arbeit, die Spaß macht. „Der Reiz ist, dass man sich von der Natur inspirieren lässt“, weiß sie heute noch nicht genau, wie ihr Fischschwarm wirklich aussehen wird. So viel jedenfalls steht fest: Die drei Fische sollen im Fluss stehen, der größte wird etwa 2,50 Meter lang sein. „Um die Gruppe zu machen, werde ich mich bei einem Steinmetz einmieten“, ist Husters eigenes Atelier in den Baumbergen für die Ausmaße zu klein.

Beim Skulpturenprojekt wird sie übrigens einen alten Bekannten wiedertreffen: Peer Christian Stuwe , der ebenfalls am Deich-Projekt beteiligt ist, bei dessen Vater Anne Huster, damals fünf Jahre jung, ihren ersten Malunterricht bekommen hat. „Kunst war immer meins“, sagt sie. Dennoch wollte sie nicht an die Kunstakademie. „Ich bin eine Ästhetin“, erzählt sie. „Und vor 30 Jahren durfte Kunst auf keinen Fall ästhetisch sein.“ Darum hat sie Produktdesign studiert, danach hat sie zwölf Jahre lang für Miele Küchen geplant „Aber irgendwann war das nur noch Computerarbeit“, wurde ihr der Job zu langweilig. Sie sprang ins kalte Wasser, machte das Hobby zum Beruf, verkauft nun ihre Arbeiten recht gut, gibt außerdem Kunst-Kurse. Seit zehn Jahren experimentiert sie mit Stein und Keramik – eine Technik, die sehr viel Erfahrung fordert. „Die Keramik schrumpft beim Brennen um 30 Prozent“, erklärt Huster das Verfahren. Trotzdem muss die Erweiterung des Steins anschließend exakt passen. „Die meisten denken, Keramik und Stein würden gemeinsam gebrannt“, schmunzelt Huster. „Aber diese Temperaturen würde kein Stein aushalten, er würde platzen.“

Mittlerweile hat es Künstlerin im Gefühl, wie groß der Keramikteil an ihren Skulpturen werden muss, damit sich hinterher Stein und Ton eng zusammenschmiegen. Denn weghauen, wegschleifen, weghobeln, das kommt für Anne Huster auch in diesem Stadium nicht in Frage. „Das ist für mich eine Lebensphilosophie: Man lässt, was ist.“

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