WN-Sommerkrimi Teil 13
Die merkwürdige Koalition der Golfspieler

Was bisher geschah: In der Grevener Verbrechensserie taucht ein neuer Toter auf – und eine Familie plant eine Beerdigung.

Donnerstag, 04.09.2014, 17:09 Uhr

Bienenfleiß’ Verdacht hatte sich bestätigt: Der Mann, der bewusstlos am Fensterkreuz hing, war Zenke, ihr Chef. Mochte sein Gürtel auch manchmal versagen, wenn es galt, die Hose wirklich in der Taille zu halten – er hatte jedenfalls geholfen, den Kopf des Lokalchefs über der braunen Dreckflut zu halten.

Aber wie war Zenke in die missliche Lage geraten? Er lag bewusstlos auf der Intensivstation, übrigens im gleichen Zimmer wie Brüderle, der ebenfalls noch im Koma war. Das Black-Angels-Haus stand seit Langem leer, seit dem Prozess vor einigen Jahren, als ein Gutteil der Clubmitglieder gezwungenermaßen auf Staatskosten leben musste. Spuren hatten Eduschos Leute im Keller keine gefunden – die Flut hatte alles vernichtet.

Jetzt saß Olaf Rappe im Krankenhaus und wartete, Eduscho neben sich, darauf, dass Zenke wieder zu sich kam und brachte sich erst mal auf den neuesten Stand.

„Der Mann im Beton – das war wirklich Ralf König ?“ Er konnte es kaum glauben, dass der pensionierte Baudezernent, der immer würdig und staatstragend aufgetreten war, in eine solche Räuberpistole verwickelt sein sollte.

Eduscho nickte. „Jawohl – und der Pfeiler, in dem er steckte, ist erwiesenermaßen nachträglich errichtet worden. Da hat sich einer richtig Mühe gemacht.“

„Sieht ganz nach Hass aus. Wie ist er ums Leben gekommen?“

„Meine Leute vermuten, dass er mit dem gleichen Werkzeug getötet wurde wie Allesbauer.“

„Und das wäre?“

Eduscho griff nach seinen Zigarillos, steckte sie aber wieder weg, als ihm einfiel, wo er war. Er schüttelte den Kopf.

„Mein lieber Rappe, ich bin sehr offen zu Ihnen, aber nicht, wenn ich damit meine Ermittlungen gefährde.“

Rappe wusste, wann Nachbohren zwecklos war. „Haben Sie aber vielleicht eine Idee, wie die Morde und der Anschlag auf Brüderle zusammenhängen?“

Eduscho zucke die Schultern. „Nun, zwei Leute aus dem Bausektor sind tot. Beide galten als ausgebuffte Füchse mit Kontakten überallhin. Beide waren nicht mehr im aktiven Geschäft, zogen aber noch immer gern die Strippen. Denkbar, dass ihnen jemand etwas gesteckt hat, was nicht gut war für ihre Gesundheit . . .“

„Und beide im Golfclub.“ Rappe hatte die Bemerkung wie nebenbei gemacht, aber sie elektrisierte ihn selbst. Es war kein Geheimnis, dass in der Aldruper Heide größere Geschäfte abgeschlossen wurden als in den meisten Grevener Büros zusammen. Vor allem im Bausektor – nicht nur Grevener Unternehmer spielten dort. Angeblich war auch Roland Koch dort schon gesehen worden. Marcelino Fernández Verdes von Hochtief sollte angeblich sogar Stammgast sein, wenn auch inkognito.

„Stimmt.“ Auch Eduscho gab Rappes Bemerkung Stoff zum Nachdenken. „Verdammt“, sagte er. „Die Sache zieht Kreise.“ Das Handy des Ermittlers klingelte. „Was? Ja. Bin sofort da.“ Er nickte Rappe kurz zu, dann war er verschwunden, ehe der Redakteur auch nur eine Frage stellen konnte.

Eduscho war vom Krankenhaus direkt an die Werse gefahren. Sein Stellvertreter Markus Schnellschuss hatte ihn kurz ins Bild gesetzt.

„Aus Brüderles Büro sind vertrauliche Unterlagen zum Rathaus-Neubau verschwunden. Angeblich war Allesbauer zuletzt mit ihnen befasst, als betroffener Anlieger durfte er sie anscheinend einsehen, keine Ahnung. Nicht unmöglich, dass das alles mit den Morden zu tun hat. Jedenfalls haben wir einen Durchsuchungsbefehl für das Haus hier.“

Aloysia Allesbauer gab sich ganz als die Grande Dame, als die sie sich gerne inszenierte – auch wenn sie Eduscho schon als Dreikäsehoch gekannt hatte, als er mit ihrer Ältesten im Sandkasten spielte.

Der Kommissar grinste und ging auf das Spiel ein. „Gnädige Frau, entschuldigen Sie die Störung.“ Er schilderte ihr, was sie suchten, schickte seine Leute in die verschiedenen Zimmer und fluchte, als ihm ein Schäferhund zwischen die Beine geriet. „Warum habt ihr eigentlich die Köter dabei?“, zischte er. Der Kollege grinste. „Waren mit ihnen grade in der Nachbarschaft, Suche nach Koks. Wir wollten sie nicht im Wagen lassen.“ Er stieß seinen Chef in die Rippen. „Sieht mir hier doch ganz so aus, als könnten wir auch hier fündig werden. Bisschen Koks oder Speed passt doch ins Milieu.“

wird fortgesetzt

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