Tom Dooly
Der Papiertransporteur mit eigener GmbH

„Tom Dooly“, der mit bürgerlichem Namen Werner Wzientek hieß, sagte Volkes Stimme nach, er sei von Beruf ein recht erfolgreicher Altwarenhändler gewesen.

Mittwoch, 16.01.2019, 17:44 Uhr

Von Hans-Dieter Bez

GREVEN. Auf der Visitenkarte aus seiner Rentnerzeit, die ein Geschäftsmann der Marktstraße aufbewahrt hat, steht bei ihm als Berufsangabe jedoch einfach nur “Altapier“. Wie er an seinen Spitznamen kam, weiß niemand mehr.

Er wohnte mit seiner Familie in dem alten Reckenfelderbäumer- Haus hinter dem Fachwerkhaus an der Bergstraße, dem früheren „Armenhaus“ des Dorfes, zur Miete. Dort soll er Wohnrecht auf Lebenszeit gehabt haben. Bei allen, die ihn kannten, galt er als herzensgut, hilfsbereit, und er war immer gut gelaunt. Auffallend war allerdings, dass er auch außerhalb des Hauses Pantoffeln trug und ein leidenschaftlicher Raucher war. Nachdem er Rentner geworden war, zog er mit einer großen Handkarre durch die Innenstadt und sammelte Altpapier und Pappe bei den Geschäftsleuten, insbesondere auf der Marktstraße, und sorgte für die Entsorgung des Gesammelten.

Das heißt, er brachte es zum nächsten Papiercontainer. Die Geschäftsleute ihrerseits waren froh, dass er ihnen die Entsorgung abnahm, und entlohnten ihn mit einem Trinkgeld. Bei manchen Gelegenheiten spannte er die Karre hinter sein Moped. Entweder wenn er keine Lust hatte, die Karre selbst zu ziehen, oder wenn er für jemanden etwas zu transportieren hatte. Natürlich nutzte er dieses Gespann auch mal dafür, seinen Sohn, im Anhänger sitzend, zu dessen Arbeitsstätte nach Emsdetten zu transportieren. Lange Zeit half ihm sein Sohn Lothar ab und zu in seiner Freizeit dabei, Papier und Pappe einzusammeln und zum Papiercontainer zu bringen.

Deshalb stellte man gesprächsweise „im Dorf“ fest, Tom Dooly habe sein Geschäft personell durch einen Angestellten erweitert, er habe sogar, wirtschaftlich gesehen, eine GmbH gegründet. Er selbst sei der Chef, denn er beaufsichtigte die Verladung, den Transport und die korrekte Entsorgung des Papiers. Und er ging auch tatsächlich gemessenen Schrittes neben oder hinter der Karre her, die sein Sohn zur nächsten Verladestelle oder zum Container zog.

Tom Dooly stellte sogar ab und zu Quittungen über das erhaltene Trinkgeld aus, obwohl er ja gar kein Gewerbe angemeldet hatte. Als Tom Dooly gestorben war, übernahm sein Sohn das „Geschäft“. Und er fand auch bald jemanden aus seinem Bekanntenkreis, der aushalf, wenn er keine Zeit hatte.

Aber, das wurde schon bald deutlich, da jetzt die väterliche Aufsicht fehlte, begann man schon nach kurzer Zeit, die „Arbeitszeit“ zu verkürzen. Dann sah man auch manchmal die Karre unbeaufsichtigt und halb beladen irgendwo auf der Marktstraße stehen. Das „Papier-Geschäft“ war jedenfalls schon bald wegen fehlender Aktivität des neuen Inhabers und seines neuen Geschäftspartners beendet.

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