Stellungnahme zur geplanten Maßregelvollzugsklinik in Hörstel-Dreierwalde
„Wird der Ort das verkraften?"

Hörstel - „Sie wissen sicher, warum ich anrufe?“ „Nein, weiß ich nicht.“ Dies waren die ersten beiden Sätze eines denkwürdigen Gesprächs zur späten Montagabendstunde zwischen Ministerin Steffens und Hörstels Bürgermeister Heinz Hüppe. „Völlig überrascht“ sei er von der Mitteilung, dass eine Maßregelvollzugsklinik in Hörstel-Dreierwalde auf dem ehemaligen Militärflughafen gebaut werden soll. Dass an der Entscheidung auf keinen Fall zu rütteln sei, machte Steffens dem Bürgermeister unmissverständlich deutlich: „Es gibt dazu keine Diskussion, die Forensik kommt da hin. Die Entscheidung ist gefallen“, gab Hüppe gestern die Worte der Ministerin wieder. 

Dienstag, 23.10.2012, 16:10 Uhr

Stellungnahme zur geplanten Maßregelvollzugsklinik in Hörstel-Dreierwalde  : „Wird der Ort das verkraften?"
Symbolfoto Foto: dpa

Die Nacht habe er nicht gut geschlafen, gibt Hüppe zu. Am anderen Morgen informiert er die Fraktionsvorsitzenden im Rat der Stadt Hörstel . Hier erlebte er eine zweite Überraschung: „Ich habe absolute Protesthaltung erwartet. Aber die kam nicht.“ Eine Strategie, mit der neuen Situation umzugehen, gebe es natürlich noch nicht. Entscheidend sei, die Bevölkerung im weiteren Prozess mit ins Boot zu nehmen. „Wenn die Entscheidung unumstößlich ist, müssen wir versuchen, das Beste daraus zu machen.“ Seine persönliche Gefühlslage bezeichnet der Bürgermeister als „ambivalent“, denn: „Die einen beschließen, die anderen baden es aus.“

Sicherheit

Beim Bau einer forensischen Klinik gibt es zahlreiche Sicherheitsstandards. So müssen die Mauern oder Zäune mindestens 5,50 Meter hoch sein. Der Zugang ist nur durch eine gesicherte Pforte möglich, eine umfangreiche Videoüberwachung insbesondere des Außengeländes ist ebenso Pflicht. Ausbruchsversuche sollen unter anderem mit Sicherheitsschleusen verhindert werden. Laut dem NRW-Gesundheitsministerium konnten in den vergangenen zehn Jahren bislang keine Patientin und kein Patient aus neu errichteten forensischen Kliniken flüchten.

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Auch der Ortsvorsteher des nächstgelegenen Dorfs, Dreierwalde , ist völlig überrascht: „Mit so etwas habe ich nicht gerechnet.“ Eine feste Haltung will er noch nicht formulieren, doch stellen sich ihm viele Fragen: „Wird der Ort das verkraften? Das liegt auch daran, welche Menschen hierherkommen, wie die Sicherheitslage ist und ob es Freigänger geben wird.“ Positiv sei aus seiner Sicht, dass aus der Übergangsforensik im benachbarten Rheine noch kein Zwischenfall bekannt wurde. Ein direkter Nachbar des zwischen Dreierwalde und Hörstel gelegenen ehemaligen Flugplatzgeländes formulierte es pragmatisch-westfälisch: „Ich werde mich darüber nicht aufregen. Wenn auf diese Leute da gut aufgepasst wird, ist mir das lieber, als wenn die frei rumlaufen.“

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