100 Jahre Mittellandkanal
Der Kaiser verlor die Lust am Feiern

Tecklenburger Land -

Nur wenige von Menschenhand erschaffene Bauwerke prägen das nördliche Tecklenburger Land so sehr wie der Mittellandkanal. Die ersten von insgesamt 325,3 Kilometern führen durch Hörstel, Ibbenbüren, Recke, Mettingen und Westerkappeln und von dort aus in den Landkreis Osnabrück. Vor 100 Jahren fand fast unbemerkt von der Bevölkerung am 16. Februar 1915, mitten im Ersten Weltkrieg, eine stille Eröffnung statt.

Dienstag, 31.03.2015, 11:03 Uhr

Diese Aufnahme stammt aus der Zeit, als die Kaiser-Wilhelm-Brücke in Riesenbeck den ersten Abschnitt des Mittellandkanals noch prägte. Sie zeigt den 1913 für die damalige Königliche Kanalbaudirektion in Essen/Ruhr gebauten Monopolschlepper „H 101“. Der Schlepper fährt Richtung Nasses Dreieck. Er zieht zwei leere Kähne. Im Hintergrund links ist das Sperrtor zu erkennen. Die Aufnahme haben wir dem soeben erschienen Bildband „Schifffahrt auf dem Mittellandkanal“ von Jürgen Schirsching entnommen, den wir noch näher vorstellen werden.
Diese Aufnahme stammt aus der Zeit, als die Kaiser-Wilhelm-Brücke in Riesenbeck den ersten Abschnitt des Mittellandkanals noch prägte. Sie zeigt den 1913 für die damalige Königliche Kanalbaudirektion in Essen/Ruhr gebauten Monopolschlepper „H 101“. Der Schlepper fährt Richtung Nasses Dreieck. Er zieht zwei leere Kähne. Im Hintergrund links ist das Sperrtor zu erkennen. Die Aufnahme haben wir dem soeben erschienen Bildband „Schifffahrt auf dem Mittellandkanal“ von Jürgen Schirsching entnommen, den wir noch näher vorstellen werden. Foto: Repro

Nur wenige von Menschenhand erschaffene Bauwerke prägen das nördliche Tecklenburger Land so sehr wie der Mittellandkanal . Wie ein breites Band zieht sich die viel befahrene Wasserstraße von Bergeshövede ab dem Dortmund-Ems-Kanal und dem sogenannten Nassen Dreieck in Richtung Osten. Die ersten von insgesamt 325,3 Kilometern führen durch Hörstel , Ibbenbüren, Recke , Mettingen und Westerkappeln und von dort aus in den Landkreis Osnabrück . Vor genau 100 Jahren fand fast unbemerkt von der Bevölkerung am 16. Februar 1915, mitten im Ersten Weltkrieg , eine stille Eröffnung statt.

Zu großen Feierlichkeiten war das Deutsche Reich mit seinem damaligen Kaiser nicht aufgelegt. Ursprünglich sollte Kaiser Wilhelm II. den ersten Kanalabschnitt persönlich einweihen – ebenso die erste Brücke über die damals noch Ems-Weser-Kanal genannte Wasserstraße. Sie sollte den Namen Kaiser-Wilhelm-Brücke tragen. Genannt wurde sie in Riesenbeck und Hörstel aber ganz anders, nämlich „Millionenbrücke“, weil sie den damals unvorstellbaren Betrag von einer Million Reichsmark gekostet haben soll. Die imposante Brücke mit den markanten Toren auf beiden Seiten war aus Bruchsteinen aus dem Riesenbecker Berg gebaut worden. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg gesprengt.

In einem Bericht der Ibbenbürener Volkszeitung vom 18. Februar 1915 wird die Inbetriebnahme des ersten fertigen Abschnitts, der von Bergeshövede bis Minden reichte, so berichtet:„Einen denkwürdigen Tag in der Entstehungsgeschichte des Mittellandkanals wird der 16. Februar 1915 bilden, an dem eins seiner wichtigsten Teilstücke, der Ems-Weser-Kanal, nunmehr endgültig dem allgemeinen Verkehr übergeben ist. Mit bewundernswerter Tatkraft hat der preußische Staat unter den Hemmnissen des Weltkrieges diese wichtige Wasserstraße ins Herz des rheinisch-westfälischen Industriegebiets fertiggestellt. Die Verbindung über den Weserstrom bis zur Nordsee ist so geschaffen und sogar noch weiter, bis nach Hannover, geht der zweite Teil, dessen Inbetriebnahme nur eine Frage der Zeit ist.

Am Dienstag-Vormittag, Punkt 10½Uhr, begann die Arbeit des Schleusenwerks, das einen großen Weserkahn, den kleinen Bremer Schlepper ,Biene‘ und den Regierungsdampfer ,Minden‘ mit dem ersten Bürgermeister, Dr. Becker-Minden, und dem Vorstand des Wasserbauamts II (früheres Kanalbauamt), Regierungsbaumeister Dinkgreve-Minden, in die Höhe hob. Dann senkte sich das große Klapptor und hierüber hinweg fuhren die Fahrzeuge in den großen Vorhafen. Ein zweiter, leerer Weserbock lag schon hier, der sich mit dem durchschleusten zu einem Schleppzug verband. Der kleine Schlepper warf seine Trossen fest und in langsamer Fahrt ging es aus dem Vorhafen in die offene Kanalstrecke, nach Westen, wo bei Bergeshövede ein gefüllter Kohlenkahn zurückgeholt wurde. Somit ist der Weser-Ems-Kanal seiner Bestimmung übergeben.“

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