100 Jahre Mittellandkanal (Teil 2)
Landwirte hatten manche Bedenken

Tecklenburger Land -

In Bergeshövede beginnt die heute längste künstliche Wasserstraße Deutschlands: Genau hundert Jahre nach der Eröffnung des ersten Abschnitts am 16. Februar 1915 gilt der Mittellandkanal als zentrales Wasserstraßensystem von West- und Osteuropa. Die Planung und Umsetzung des Neubaus wurde von der Bevölkerung durchaus kritisch begleitet.

Mittwoch, 01.04.2015, 10:04 Uhr

Der Dortmund-Ems-Kanal und der wenige Jahre später gebaute Mittellandkanal sind aus dem Hörsteler Stadtbild gar nicht mehr wegzudenken. In Bergeshövede beginnt die heute längste künstliche Wasserstraße Deutschlands: Genau hundert Jahre nach der Eröffnung des ersten Abschnitts am 16. Februar 1915 gilt der Mittellandkanal als zentrales Wasserstraßensystem von West- und Osteuropa.

Die Planung und Umsetzung des Neubaus wurde von der Bevölkerung durchaus kritisch begleitet. Insbesondere die anliegenden Landwirte waren sensibilisiert: Bereits der Neubau des Dortmund-Ems-Kanals Ende des 19. Jahrhunderts hatte bei dem einen oder anderen zu Unzufriedenheit und Nachteilen geführt, unter anderem wegen veränderter Grundwasserstände. Der Mittellandkanal nahm seinen Beginn auf der Höhe des damaligen Hafens Bergeshövede und führte durch die Gravenhorster Schlucht. Die öffentliche Auslegung der Pläne erfolgte vom 12. bis 16. Oktober 1908. Im Hörsteler Heimatbuch ist dem ein besonderes Kapitel gewidmet. Daraus geht hervor, dass vor allem seitens Gravenhorster Bürger und der Gemeinde Hörstel Einsprüche eingingen. In dem Kapitel „Der Mittellandkanal - ein Jahrhundertbauwerk“ heißt es dazu: „Bei den Einsprüchen ging es in erster Linie um die Steigung der Auffahrtrampen der Kanalbrücken, um die Tragfähigkeit der Brücken, um die Verbreiterung oder Verlegung von Wegen sowie um die Regelung des Zugangs zu einigen Grundstücken.“

Diese Karte aus dem Jahr 1912, die uns Klaus Offenberg zur Verfügung stellte, skizziert den geplanten Neubau des Mittellandkanals. Der nach unten führende Abzweig erfolgte auf Höhe des Hafens Bergeshövede in Richtung „Gravenhorster Schlucht“.

Diese Karte aus dem Jahr 1912, die uns Klaus Offenberg zur Verfügung stellte, skizziert den geplanten Neubau des Mittellandkanals. Der nach unten führende Abzweig erfolgte auf Höhe des Hafens Bergeshövede in Richtung „Gravenhorster Schlucht“.

Im Jahr darauf wurden am 4. Oktober 1909 in der Gaststätte Wulf, der späteren Gaststätte Droste, die erhobenen Einsprüche öffentlich erörtert und im Monat darauf der geänderte Plan erneut erläutert. Es ist davon auszugehen, dass nicht alle Einwände aus der Welt geräumt werden konnten. In stillem Protest machten Betroffene deutlich, dass ihnen das Kanal-Projekt gegen den Strich ging.

Am 1. Juni 1909 wies der damalige Landrat von Tecklenburg den Riesenbecker Amtmann an, er solle dafür sorgen, dass der Kanalbau nicht behindert werde. Mehrfach nämlich wurden von Unbekannten Vermessungspfähle mutwillig beschädigt.

Um mögliche Schäden durch veränderte Grundwasserstände besser festzuhalten, wurden bereits seit 1907 beiderseits des geplanten Kanalbetts Messungen durchgeführt. So konnten eventuell auftretende Schäden auf benachbarten Grundstücken festgestellt werden. Diese Untersuchungen erfolgten laut Aktenlage sogar noch 20 Jahre später.

Für den Kanalbau waren trotz zunehmender Mechanisierung viele Arbeitskräfte erforderlich.

Der Neubau brachte auch Einheimischen Arbeit und Verdienst. Auch der Bahnhof Hörstel profitierte vom erhöhten Verkehrsaufkommen. Heinrich Schlüter hatte in seiner legendären „Pättkerii düör Hüössel“ seine Kindheits- und Jugenderinnerungen aufgeschrieben. Vor 30 Jahren notierte er in der Ibbenbürener Volkszeitung: „Ein schönes Stück Erinnerung ist auch noch das Schlittschuhlaufen auf der Sohle des Mittellandkanals zwischen Bergeshövede und Gravenhorst. Besonders im Winter 1913/14 war dort das stehende Grundwasser gefroren. So hatten wir eine lange schöne Eisbahn.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3169881?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F170%2F4849355%2F4849357%2F
Nachrichten-Ticker