Poststreik
Aushilfen leben in Containerdorf

Tecklenburger Land -

80 Prozent der Pakete und Briefe kommen trotz Streiks pünktlich an, sagt die Deutsche Post. Wer wissen will, wie dem Unternehmen das gelingt, der muss nach Hörstel ins Tecklenburger Land fahren: Hier leben ausländische Aushilfen der Post in einer Containersiedlung.

Dienstag, 30.06.2015, 12:06 Uhr

•In den Unternehmensfarben die Container, in denen die Post-Aushilfen in Hörstel leben.
•In den Unternehmensfarben die Container, in denen die Post-Aushilfen in Hörstel leben. Foto: Dirk Fisser

Das strahlende Postgelb hebt sich vom Schotter ab. Fein säuberlich durchnummeriert stehen die Container im Hinterhof einer Gärtnerei aufgereiht. In den meisten stehen vier Betten. Nicht viel Platz für vier erwachsene Menschen. In anderen sind Toiletten und Duschen, eine Art Gruppenraum mit Fernseher gibt es auch. „Geschlossene Gesellschaft“, hat jemand auf einen Zettel geschrieben. Die Bewohner dieser Siedlung waren es wohl nicht. Sie sprechen kein Deutsch.

Etwa 60 Arbeiter aus der Slowakei leben hier im Hinterhof einer Gärtnerei. Schmucklos. Vielleicht trostlos. Aber nicht verwahrlost. Ihr Geld verdienen sie im gut 25 Kilometer entfernten Paketzentrum Greven . Inklusive aller Zuschläge sollen es 13 Euro in der Stunde sein, sagt die Post. Arbeiter und Gewerkschaft Verdi bestätigen das. Die Post spricht auf Nachfrage von „saisonalen Aushilfskräften, die wir bereits seit April in Greven beschäftigen“. Verdi gefällt das gar nicht. Vor dem Arbeitsgericht in Rheine hat die Gewerkschaft geklagt, weil der Post-Betriebsrat der Einstellung der Slowaken nicht zugestimmt hatte, sie aber trotzdem im Paketzentrum die Arbeit aufnahmen.

Gewerkschafter Jürgen Rohloff vermutet, die Aushilfen wurden gezielt angestellt, um den Streik zu unterlaufen. Die Post weist das zurück. „Die Bewerberzahlen in der Region sind so gering, dass sie den Bedarf der Niederlassung nicht decken“, heißt es. Fakt ist: Am 1. April kam es im Tarifkonflikt zu den ersten Warnstreiks. Seit April beschäftigt die Post die Slowaken.

Rohoff wirft der Post vor, die soziale Notlage der Menschen in ihren Heimatländern auszunutzen: „Solche ausbeuterischen Methoden kannte man bislang vielleicht aus der Schlachtbranche. Von der Post hätten wir so etwas allerdings nicht erwartet.“ Die Arbeiter hätten ihm erzählt, sie müssten zehn Euro pro Tag für die Unterbringung im Containerdorf zahlen. Die Post weist das zurück. „Die Kosten für die Unterbringung werden zu hundert Prozent von der Niederlassung bezahlt“, teilt die Pressestelle mit. Aussage gegen Aussage.

Auch der Chef des Gärtnerei- und Blumenversandbetriebes, auf dessen Hof die Container stehen, weiß es nicht. An ihn würden sie jedenfalls nicht bezahlen. Allerdings bestätigt er, dass er die Container geordert und aufgestellt habe. Er setze regelmäßig Saisonarbeitskräfte ein, sagt der Unternehmer. Das Geschäft mit Blumen sei eben sehr schwankend.

Der Streik bei der Post gefährde sein Geschäftsmodell: „Die Pflanzen und Blumen müssen schnell zum Kunden. Damit unsere Ware schnell ankommt, haben wir der Post Unterstützung zugesagt.“ Wer aber zuerst auf die Idee kam, die Slowaken ins Paketzentrum zu schicken, bleibt offen. „Wir sind einer der größten Kunden der DHL und deshalb regelmäßig in Kontakt. Wir erarbeiten ständig gemeinsam Lösungen, wie wir die Performance des DHL-Netzes verbessern können“, teilt er mit. Die Post möchte sich nicht weiter zu ihren „Kundenbeziehungen“ äußern, heißt es aus der Pressestelle.

Auch die Frage, wie lange die Saisonkräfte noch bei der Post arbeiten, bleibt unbeantwortet. Gewerkschafter Rohoff sagt, sie hätten lediglich Verträge für einen Monat. Auch dazu hält sich die Post bedeckt. Der Blumenhändler aus Hörstel geht jedenfalls davon aus, dass die Arbeiter mit Beendigung des Streiks sein Gelände wieder verlassen.

Unterdessen verkündete Verdi, dass allein in Nordrhein-Westfalen mittlerweile 7500 Post-Mitarbeiter streiken würden. Der Poststreik läuft mittlerweile in der dritten Woche. Es geht um die Arbeitsbedingungen von 140 000 Beschäftigten. Vor allem wird über die Ausgründung von 49 Regionalgesellschaften für die Paketzustellung gestritten. Verdi sieht darin einen Bruch bestehender Vereinbarungen mit dem Management.

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