Dr. Artur Wilkens über Notunterkünfte für Flüchtlinge
„Große Hallen sind nicht gerade ideal“

Tecklenburger Land -

Dr. Artur Wilkens, ehemaliger Präsident des DRK-Kreisverbands Tecklenburger Land, ist seit mehreren Jahren in der medizinischen Betreuung von Flüchtlingen tätig und hat von teils schrecklichen Einzelschicksalen erfahren. Riesige Hallen als Notunterkünfte wie auf dem ehemaligen Flugplatz Dreierwalde seien „nicht gerade ideal“.

Samstag, 09.04.2016, 16:04 Uhr

Dr. Artur Wilkens berichtete über die Notaufnahmelager.
Dr. Artur Wilkens berichtete über die Notaufnahmelager.

Wenn von Flüchtlingen derzeit die Rede ist, dann geht es in erster Linie um Zahlen. Doch hinter jeder Zahl stehen ein Mensch und sein besonderes Schicksal. Dies führte Dr. Artur Wilkens während eines Kurzvortrags in Hopsten eindrucksvoll vor Augen.

Der ehemalige Präsident des DRK-Kreisverbands Tecklenburger Land ist seit mehreren Jahren in der medizinischen Betreuung von Flüchtlingen in Ibbenbüren, Lengerich und Hörstel tätig und hat von teils schrecklichen Einzelschicksalen erfahren. Er berichtete unter anderem über die aktuelle Situation in der Notunterkunft auf dem ehemaligen Flugplatz Dreierwalde , die für 700 Menschen angelegt ist. Aktuell werden dort rund 50 Menschen versorgt.

Nicht alles finde bei ihm Gefallen, machte Wilkens deutlich. Das Konzept der riesigen Hallen sei „nicht gerade ideal“, weil so etwas wie Privatsphäre kaum möglich sei. Dies gelte insbesondere für den medizinischen Bereich, in dem er tätig ist. Die Kabinen seien nicht durch Türen, sondern nur durch Vorhänge unterteilt. „Wie kleine Ställe“, so der erfahrene Arzt. Weiter stellt er kritisch fest: „Ein Riesenventilator pustet die Luft quer durch den Raum.“ Das sei nicht nur extrem laut, sondern aus medizinischer Sicht nicht akzeptabel.

Statt von einer Isolierstation müsse man von einer Generalisierstation sprechen. Wenn nur einer Windpocken habe, werde die Krankheit durch das Gebläse garantiert auf alle anderen verteilt. In jedem Schweinestall werde die Luftfilterung besser geregelt. Hier habe ein Vertreter der Bezirksregierung Abhilfe versprochen, fügte Wilkens hinzu.

Im Vergleich zu den großen Notaufnahmen sei die kleinere Version in Hörstel-Ostenwalde, die im März auslief, eher besser gewesen. 350 Menschen hat er dort medizinisch betreut und er hat dabei erfahren: „Diese Flüchtlinge haben wirklich Not gelitten, darunter viele Kinder.“ Für sie sei der ehemalige Kindergarten der beste Ort gewesen.

Voll des Lobes war Dr. Wilkens für die Helfer in den Notunterkünften: „Die Mitarbeiter zeigen Menschlichkeit, die die Leute spüren.“ Speziell in Ostenwalde habe sich die Nachbarschaft vorbildlich und aufopferungsvoll gezeigt.

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