Naturschutzbeirat des Kreises Steinfurt informiert sich auf ehemaligem Militärflugplatz
Über allem jubiliert die Feldlerche

Hörstel -

Wenn Opa oder Oma ihrem Enkelkind einmal vorführen möchten, wie sich in ihrer Kindheit der Frühling auf dem offenen Feld anhörte, dann könnten sie dies auf dem ehemaligen Flugplatz Dreierwalde tun. „Sprechen Sie einmal einige Herzschläge lang nicht und hören Sie nur zu“, bittet Bundesförster Rainer Schmidt die Mitglieder des Naturschutzbeirats des Kreises Steinfurt. Gemeinsam lauschen sie und hören ein Vogelkonzert wie es nicht schöner sein kann.

Montag, 16.04.2018, 00:04 Uhr

Bundesförster Rainer Schmidt (links) und Dr. Jörg Tillmann von der Deutschen Stiftung Umwelt (DBU) stellten an der Schautafel die bereits umgesetzten Ausgleichsmaßnahmen auf dem Flugplatz vor.
Bundesförster Rainer Schmidt (links) und Dr. Jörg Tillmann von der Deutschen Stiftung Umwelt (DBU) stellten an der Schautafel die bereits umgesetzten Ausgleichsmaßnahmen auf dem Flugplatz vor. Foto: Stephan Beermann

Vor allem das Trillern der Feldlerche, die vor den weißen Wolken im Stand zu flattern scheint, erfüllt die Weite dieses in unserer Region einmaligen Naturerbes. Im Hintergrund ist der Balzruf des Großen Brachvogels zu vernehmen.

Innerhalb weniger Minuten sehen die Beiratsmitglieder Vogelarten, die es in freier Wildbahn in unserer Region kaum noch gibt. Wie zur Begrüßung schraubt sich hinter dem Eingangstor Uthuiser Straße ein Exemplar der streng geschützten Feldlerche in Spiralen in die Höhe. Kurz darauf sieht der Beirat durchs Busfenster eine weibliche Wiesenweihe gemächlich durchs Gras stapfen. Für die Teilnehmer dieser Exkursion war es ein großartiges Erlebnis, und sie gewannen so den besten Eindruck über die Bemühungen des Bundesforstes, diese Perle der Natur im Auftrag der Deutschen Stiftung Umwelt (DBU ) zu erhalten.

„Aktuell wird eine Brutvogelkartierung erstellt, um den optimalen Maßnahmekatalog auf die Fläche zu projizieren“, informierte Dr. Jörg Tillmann, der bei der DBU für das Offenlandmanagement und somit für den Flugplatz in Dreierwalde zuständig ist. Das weit mehr als hundert Hektar umfassende Gelände dient vor allem als Offenland, dessen Pflege im Vordergrund steht. Weil dort seit mehr als 60 Jahren nicht mehr gedüngt wurde, konnte sich eine Pflanzenvielfalt und in dessen Folge auch Insekten- und Vogelvielfalt entwickeln. Nach Entfernung der Landebahn im nördlichen Teil ist an dessen Stelle eine trogförmige Sandfläche getreten, an dessen tiefsten Stellen fünf Tümpel angelegt sind. „Der Brachvogel balzt fleißig und der Flussregenpfeifer hat sich auf der Sandfläche angesiedelt“, so Tillmann.

Wo ehemals Kampfjets abhoben, gehen heute Mitglieder des Naturschutzbeirats auf der angelegten Sandfläche in die Knie, um die Pflanzen zu betrachten.

Wo ehemals Kampfjets abhoben, gehen heute Mitglieder des Naturschutzbeirats auf der angelegten Sandfläche in die Knie, um die Pflanzen zu betrachten. Foto: Stephan Beermann

Eine regelmäßige Beweidung wird erforderlich sein, um das Gras niedrig zu halten und um Verbuschung zu verhindern, sagt Tillmann über das Bewirtschaftungskonzept. Die auf dem gesamten Gelände verteilten Bunker werden wohl kaum zu entfernen sein. Sie sollen als Fledermausunterkünfte gestaltet werden oder als Nistgelegenheit dienen.

„Rückgebaut wird, was gefährlich werden könnte. Das dauert aber länger. Wir haben hier vom Schuppen bis zum Atombunker 160 Gebäude“, berichtete Forstoberrat Christian Techtmann . Die Umzäunung werde vorerst bleiben.

Weiter teilte er mit, dass an einer Stelle Kerosin gefunden wurde. Daraufhin mussten 1000 Kubikmeter belastetes Erdreich entfernt werden. Bodenbelastungen an weiteren Stellen seien nicht auszuschließen.

Natürlich kam auch die Nutzung des Südteils des Flugplatzes zur Sprache, wo das Land eine Forensik bauen will. Daneben steht die Stadt Hörstel mit dem Bund als Eigentümer in Verhandlung. Möglicherweise könnten im Sommer konkrete Zahlen auf dem Tisch liegen, über die der Hörsteler Rat dann zu entscheiden hat, sagte gestern Marc Hettwer (Bauverwaltung Hörstel) auf Anfrage. Auf die Frage des Beirats, wie das Land NRW den Bau der geplanten Forensik ganz im Süden des Flugplatzes kompensieren wolle, sagte Techtmann: „Vertreter sind an uns herangetreten. Aber auch für uns wird die Fläche knapp. Auf dem Nordteil ist dies nicht möglich. Es kann sein, dass dafür landwirtschaftliche Fläche erforderlich sein wird.“

Förster Schmidt sagte, die Grassteppe mit ihren Bewohnern mache an der Südgrenze des DBU-Geländes nicht halt, sondern setze sich in den Süden fort, wo die Stadt auf einem Teil ein Gewerbegebiet und einen Energie-Innovationspark plant – sofern sie einig wird mit dem Bund als Eigentümer. In der anschließenden Beiratssitzung sagte Elke Berg (NABU): „Zwischen dem Nord- und Südteil gibt es keinen Unterschied. Die vielen Feldlerchen haben wir alle gehört. Es ist wichtig, auch im Süden das ökologische Potenzial zu entwickeln. Es wäre nicht sinnvoll, etwas zu zerstören, was schon vorhanden ist.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5664638?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F170%2F
Nachrichten-Ticker