Satire-„Preis“ für die Stadt Hörstel
Gärten des Grauens

Hörstel -

Eine zweifelhafte Ehre wird jetzt der Stadt Hörstel zuteil. Sie erhält den bundesweit beachteten und belächelten „Terror-Gardening-Award“. Vergeben wird die Negativ-“Auszeichnung“ von einer in Berlin betreuten Seite im sozialen Netzwerk Facebook, die in ganz Deutschland rund 28 000 Abonnenten hat und durch überregionale Medien in Presse, Funk und Fernsehen zunehmend einem breiten Publikum bekannt wird.

Montag, 21.01.2019, 12:24 Uhr
Steinlandschaften breiten sich zunehmend in den Gärten unserer Siedlungen aus. Das gefällt nicht jedem.
Steinlandschaften breiten sich zunehmend in den Gärten unserer Siedlungen aus. Das gefällt nicht jedem. Foto: Colourbox

Das öffentliche Interesse daran ist auch deshalb so groß, weil sich in ganz Deutschland der Trend verbreitet, den eigenen Vorgarten in Steinlandschaften und Schotterpisten zu verwandeln, die selbst dem Hauch eines Grüns keine Chance auf Leben geben.

Hinter der Facebook-Seite „Gärten des Grauens“ steht der in Berlin lebende Biologe Ulf Soltau . Der gebürtige Schleswig-Holsteiner hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit Humor auf ein ernsthaftes Problem aufmerksam zu machen: auf die „Unkultur der Vorgärten“.

„Die Seite Gärten des Grauens lebt von Fotobeiträgen der Leser“, erläutert Soltau, „wir dokumentieren das Grauen und haben eine Riesendatensammlung mit Bildern inzwischen.“ Aber warum bekommt gerade Hörstel diesen Award? Auch in anderen Kommunen gibt es Kies-Vorgärten. Dazu Soltau: „Es erreichen uns hin und wieder gehäuft Bilder aus bestimmten Kommunen. Ich habe von Hörstel über 20 Bilder bekommen, und das war in der Summe so grauenhaft, dass wir uns überlegt haben: Hörstel ist der nächste Gewinner.“ Das sei alles scherzhaft gemeint, habe aber einen ernsthaften Hintergrund.

Auch andere Städte wurden in den vergangenen Jahren „geehrt“, berichtet Soltau. Xanten zum Beispiel. Und das hatte seinen Angaben zufolge Konsequenzen: „In Xanten sind sie dann wirklich Schritte gegangen, die haben ihre Bauordnung angepasst, dass Schottergärten jetzt verboten sind. Genau das ist ja das Ziel von Gärten des Grauens. Die Preisvergabe hat die Diskussion in Gang gebracht in Xanten. Das ist genau das, wofür ich angetreten bin.“

Die Begründung der Jury

Warum hat die Stadt Hörstel den Negativ-Preis gewonnen? In der Begründung wird die Jury von „Garten des Grauens“ so zitiert:„1991 noch Gewinner der Goldmedaillen im Bundeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ beweist Hörstel mit viel Engagement und Gestaltungswillen, wie man seine Auszeichnung würdigt und verteidigt. Einladend saubere Leerflächen motivieren heute zum Verweilen und zum sozialen Austausch mit Einheimischen (die man unkompliziert mit einem Büschel Unkraut aus ihren Häusern lockt). Störender Igelkot, nervtötendes Grillengezirpe und Vogelgezwitscher sind dabei glücklicherweise auf ein Minimum reduziert.“

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Auch in Papenburg hat der Preis eine breite Diskussion in der Politik und Öffentlichkeit ausgelöst. Es sei aber nicht so, dass gezielt Gemeinden herausgepickt werden, unterstreicht der Biologe. Entscheidend sei die dokumentarische Sachlage und die Anzahl der Fotos bzw. die der grauenhaften Gärten. Dazu Soltau: „Es geht nicht darum, spezielle Gemeinden anzukreiden. Sondern es geht allgemein darum, in Deutschland ein neues Nachdenken über diese Art der Gartenunkultur, die ja eine Gartenvernichtung ist, zu provozieren. Ob es jetzt Hörstel oder irgendeine andere Gemeinde wird, ist mir persönlich ganz egal.“

Er führe zwar keine Statistiken, aber es gebe Landesteile in Deutschland, die schwer betroffen seien vom Kult um Kies und Stein. Dazu gehöre das Saarland, aber auch Nordrhein-Westfalen und der Norden von Rheinland-Pfalz: „Neubaugebiete sehen dort alle mehr oder weniger gleich aus.

Die Vorgärten sind alle schwer geschottert, aber für Igel, Vögel oder Insekten gibt es keinen Lebensraum.“ Dass dies so hingenommen wird, ist für Soltau unbegreiflich: „Wir haben in der Republik eine wahnsinnige Insektenvernichtung, wir haben 80 Prozent Biomasseverlust. Was das für die Vogel- und Tierwelt bedeutet, ist vielen gar nicht klar.“ Es gehe jetzt darum, Lebensräume zurückzugewinnen.

Wenn schon Flächen bebaut werden, und das sei ja auch enorm, sollte man zumindest in diesen Bereich auch artenreiche Biotope schaffen, damit sich Kulturfolger ansiedeln können. Das Bedürfnis, dass alles „schön sauber“ ist, werde von den Baumärkten optimal bedient mit dieser Form von Schottergärten, kritisiert Ulf Soltau.

Von einer Kommune aber verlange er, dass sie ihre Landbauordnung durchsetze. Per se sei es verboten, Gärten mit Folien wasserundurchlässig zu gestalten. Diese Form der Gartenkultur sei illegal, und das müsse durchgesetzt werden.

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