Horstmar
Stück Geschichte zum Anfassen

Montag, 02.06.2008, 16:06 Uhr

-fn- Horstmar-Leer. Volksfeststimmung herrschte am Wochenende in der Leerer Bauerschaft Ostendorf und das hatte seinen Grund: Die renovierte Kutsche wurde der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Gefährt ist 50 Jahre alt und wurde jetzt von Grund auf erneuert.

Stolz sind die Verantwortlichen darauf, keinen billigen Nachbau vorgenommen, sondern sich für eine originalgetreue Version entschieden zu haben. „Sie ist jetzt wieder in dem exklusiven Luxuszustand wie im Jahr 1870, als die Kutsche in Mülheim gebaut wurde“, erklärte Restaurator Reinhard Scholz aus Handrup. „Dass ein Verein so an der Kutsche hängt und sogar einen Bus gechartert hat, um sie mir zur Überholung zu bringen, habe ich in meinem langen Berufsleben noch nie erlebt,“ freute er sich.

Geschickt inszeniert war Zeremonie um die Einführung der Kutsche. Christian Löbbering hatte die Junggesellen des Ostendörfer Vereines am Vereinslokal antreten lassen. Mit der Kutsche voraus ging es mit Marschmusik in Richtung Ostendorf. Heinz Artmann hatte den Trecker des Typs „Fahr“ aufgemöbelt, der die Kutsche vor 50 Jahren von Burgsteinfurt nach Leer gezogen hatte.

Erinnerungen wurden wach bei Franz Hinkers, der vor 50 Jahren beim Kauf der Kutsche anwesend war. Das Geschäft wurde an der Theke der Gaststätte Horstmann mit dem Tabakfabrikanten Rottmann gemacht. 50 Mark sollte die Kutsche kosten, dafür musste man insgesamt drei renovierungsbedürfte Exemplare abnehmen. Man lieh sich das Geld bei Vereinswirtin Maria Horstmann aus.

„Mit unserer Kutsche haben wir ein Stück Geschichte zum Anfassen. Unsere Kutsche ist das, was der Bugatti unter den Sportwagen ist; ein Einzelstück, das es in dieser Form nicht noch einmal zu finden ist“, schwärmte Klaus Toepper. Der Drehkranz und die Radlagerungen stellten höchste Ansprüche an den Kutschenbauer. Das Schmieren der Räder erfolgt durch ein in sich geschlossenes, mit Öl gefülltes System, das bis heute einwandfrei funktioniere. „Ich bin mir sicher, dass beim traditionellen Kutsche schmieren vor dem Schützenfest noch nie einer das Öl überprüft hat“, gab Klaus Toepper zu bedenken.

Die neue Kutsche wurde ausgiebig am Autohaus Raus begossen. Mitglieder des Schützenvereines Alst übernahmen den Service. Das Geburtstagskind Zissi Raus, gerade 82 Jahre alt geworden, durfte die erste Rundfahrt machen.

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