Friseursalon im St.-Gertrudis-Haus in Horstmar gut besucht
Dauerwellen bevorzugt

Horstmar -

Auch die Bewohner des Altenwohnheims fühlen sich wohler, wenn ihre Frisur gut sitzt. Dafür sorgen die beiden Mitarbeiterinnen des Lädchens, die jeden Mittwoch ins Haus kommen, um sich um die Köpfe der Frauen und Männer zu kümmern. Die Kunden genießen die entspannte Stimmung und den Austausch.

Samstag, 15.02.2014, 11:02 Uhr

Dauerwellen sind längst nicht out, zumindest nicht bei älteren Damen. „Das liegt an den Haaren, die im Alter oft dünner werden“, weiß Elisabeth Blodkamp aus Erfahrung. Die 57-jährige Friseurin kennt sich mit den Köpfen von Senioren gut aus. Schließlich kommt die Angestellte des örtlichen Geschäfts Ewering jeden Mittwoch ins St.-Gertrudis-Haus. Im dortigen Salon frisiert die Fachfrau die Köpfe der Bewohner. Dabei handelt es sich nicht nur um Frauen. „Es kommen auch Männer“, berichtet die gebürtige Emsländerin, dass nicht nur das weibliche Geschlecht auch im hohen Alter viel Wert auf sein Äußeres legt.

„Meine älteste Kundin wird bald 100 Jahre alt“, freut sich die Friseurin auf den Besuch von Mathilde Reich, die an diesem Vormittag einen Termin zum Waschen und Legen hat. „Zum 100. Geburtstag am 19. April gibt es dann eine Dauerwelle für die noch 99-Jährige. Eine solche bekommt an diesem Mittwoch auch Margret Pauly, die zurzeit in der Kurzzeitpflege ist.

„Nach vorne ein bisschen schräg und im Nacken leicht angestuft“, empfiehlt Elisabeth Blodkamp ihrer Besucherin, die sich auch beim Schnitt voll und ganz auf den Rat der Expertin verlässt. „Du machst das schon“, lächelt die Seniorin „ Lisbeth “ an.

Das vertraute Du ist im Lädchen fast gang und gäbe. Schließlich kennen die meisten Kunden Elisabeth Blodkamp und ihre Kollegin Irmgard Hunke schon seit vielen Jahren.

Da ist es kein Wunder, dass man sich gegenseitig vertraut und einiges erzählt. „Was mache Sie denn für Sachen?“, spricht Lisbeth Margret auf ihren Sturz an, von dem ihr andere Kunden erzählt haben. Die Atmosphäre ist freundlich und entspannt. Immer wieder schauen Pflegerinnen und andere Mitarbeiter des Hauses durch die am Mittwoch stets geöffnete Tür. So wirft auch Hausmeister Paul Jungfermann einen Blick in den Salon. Wenn es drängt, lässt er sich dort – ebenso wie Heimleiterin Josef Huesmann – schon mal die Haare schneiden.

Zwei Plätze bietet der in einem hellen Gelb gestrichene Laden, der ein Fenster mit Blick ins Grüne hat. Der Raum ist nicht riesig, aber für zwei Rollstuhlfahrer und Rollatoren reicht er. Zudem stehen an der Wand noch zwei Stühle für jene, die warten müssen. Vorherige Termine gibt es keine, denn die werden schnell vergessen. Stattdessen fragen schon mal die Pflegekräfte nach, ob der eine oder andere Schützling gleich vorbeikommen kann.

„Letzte Woche hatten wir 22 Kunden“, erinnert sich Blodkamp an den regen Betrieb, der mitunter im kleinen Salon herrscht. Dort sitzt an diesem Vormittag auch Maria Hummert, die eine Wasserwelle bekommt. „Es ist einmalig hier“, schwärmt die Mutter des stellvertretenden Bürgermeisters Ludger Hummert, die mit ihrem Lob nicht nur den hauseigenen Salon, sondern die gesamte Einrichtung meint. Nach Operationen an beiden Hüften habe sie im Altenwohnheim in Schöppingen keinen Platz bekommen, erzählt die 94-Jährige, warum sie im Horstmarer Altenwohnheim gelandet ist. „Dass ich hier Gott so nah bin, ist meine größte Freude“, erzählt die Seniorin von den regelmäßigen Gottesdiensten in der Hauskapelle.

Zufrieden ist die Seniorin auch mit ihrer Frisur. Für die gelungene Wasserwelle gibt es natürlich auch ein Trinkgeld. „Die Preise hier sind ein bisschen günstiger“, erklärt Blodkamp, die sogar während ihres Urlaubs den wöchentlichen Termin im St.-Gertrudis-Haus nicht ausfallen lässt. „Ich bin einfach gerne hier, denn die Senioren liegen mir sehr am Herzen“, meint die 57-Jährige zu ihrem besonderen Arbeitsplatz, den sie solange es geht, nicht aufgeben möchte.

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