Eigenwilliges Projekt von Jan-Philip Scheibe und Swaantje Güntzel
Kunst ist es trotzdem

Horstmar -

Ein Schweißtropfen sucht sich den Weg die Nase herunter und – plumps – tropft in den Trichter. Dort rascheln leicht angetrocknete Bucheckern über dem Mahlwerk der kleinen Handmühle. Jan-Philip müht sich redlich an der kleinen Handkurbel, muss aber immer wieder innehalten, um die Flamme unter der Mühle anzuzünden. Obwohl ihm die Anstrengung ins Gesicht geschrieben steht, der Künstler muss lachen. Was passt jetzt besser als das Karl-Valentin-Zitat: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“

Sonntag, 28.09.2014, 13:09 Uhr

Arbeit, die mitunter keiner sieht. Wie im Fall von Jan-Philip Scheibe und seiner Kollegin Swaantje Güntzel . Den ganzen Tag über waren sie im Buchenwald am Schöppinger Berg und haben Bucheckern gesammelt, die gerade in der Mühle zu Öl gepresst werden. Wenn es dunkel ist, werden sie damit zwei Lampen befüllen und so als „Irrlichter“ durch das angrenzende Gewerbegebiet streifen.

Was das alles ist, wird sich der eher nüchterne Westfale jetzt fragen. Antwort: Kunst. Eine Performance, um es genauer zu sagen. Das Duo Scheibe und Güntzel ist in dieser Mission schon seit ein paar Tagen im Münsterland unterwegs. Am Kloster/Schloss Bentlage hat Jan-Philip Scheibe seine Partnerin mit Holunderbeeren betupft und dabei auf ihrem weißen Kleid dunkelrote Flecken hinterlassen. Am Aasee in Münster entzündeten beide Kartoffelfeuer und auf einem Acker in Havixbeck kochten sie eine Hühnersuppe.

Der scharfe Beobachter wird es gemerkt haben: Immer spielen bei diesen Kunstaktionen Nahrungsmittel aus dem hiesigen Raum eine Rolle. Und immer bringen die beiden Performance-Künstler sie in Verbindung mit alten Traditionen und Zubereitungsarten. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, wie viel von der kulturellen Identität dieser Region schon verloren gegangen ist“, erläutert Swaantje Güntzel eine Zielrichtung ihrer Aktionen.

Beispiel Bucheckern. In früheren Zeiten wurden sie zu Öl gepresst, das sowohl in der Küche als auch als Lampen-Treibstoff Verwendung fand. „Immer wieder sind wir von Menschen angesprochen worden“, erzählt Kollege Scheibe. Viele kannten das Bucheckernsammeln noch von ihrer Oma.

In Horstmar agiert das Duo quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Im Buchenwald sowieso, aber auch auf dem zugigen Lidl-Parkplatz nimmt kaum ein Horstmarer von der Performance Notiz. Was den Künstlern fast egal ist. „Kunst ist es trotzdem.“ Aber natürlich sollen beim Betrachter „starke Bilder“ in Erinnerung bleiben. Anders als bei einem Ölgemälde oder einer Skulptur bleibt von dieser Art vergänglicher Kunst nichts. Bis auf die Bilder im Kopf und – in diesem Fall – ein kleines Gläschen Bucheckernöl.

Die einzelnen Teile der Performance sind bis ins Detail geplant. So ist der Ort für das Pressen des Öls mit Absicht gewählt. Der Lidl ist für Scheibe und Güntzel Symbol für Identitätsverlust. „Sie sehen überall gleich aus. Bin ich drinnen, weiß ich nicht, ob ich in Horstmar oder Vaasa bin.“ In der finnischen Hafenstadt ist die Idee für diese insgesamt vierteilige Kunstreihe entstanden. Im Münsterland fühlen sich beide aber besonders wohl. Jan-Philip Scheibe kennt Horstmar und den Schöppinger Berg schon aus früheren Begegnungen. Unter den Windrädern steht sein Kunstwerk „Engel zu Winden.“

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