Höhen und Tiefen
„Zurzeit ist die Nachfrage riesig“

Horstmar -

Diese hat Josef Huesmann erlebt, der fast 20 Jahre lang das St.-Gertrudis-Haus in Horstmar geleitet hat. Dabei stand für den 63-jährigen gebürtigen Borghorster stets der Mensch im Mittelpunkt. Ihm kam es stets auf zufriedene Mitarbeiter und Bewohner an. Heute wird er in den Ruhestand verabschiedet.

Mittwoch, 05.08.2015, 23:08 Uhr

Fast 20 Jahre hat Josef Huesmann das St.-Gertrudis-Haus in Horstmar geleitet. Am heutigen Donnerstag wird der 63-Jährige in den Ruhestand verabschiedet. Der Heimleiter und Quartiersmanager blickt in einem Gespräch mit dieser Zeitung auf bewegte Jahre zurück.
Fast 20 Jahre hat Josef Huesmann das St.-Gertrudis-Haus in Horstmar geleitet. Am heutigen Donnerstag wird der 63-Jährige in den Ruhestand verabschiedet. Der Heimleiter und Quartiersmanager blickt in einem Gespräch mit dieser Zeitung auf bewegte Jahre zurück. Foto: abi

An den beschwerlichen Umzug von damals kann Josef Huesmann sich noch gut erinnern. Gemeinsam mit Hausmeister Paul Jungfermann und Zivildienstleistenden habe man das noch brauchbare Mobiliar per Rollbretter vom ehemaligen Altenwohnheim in den Neubau transportiert. Das ist 19 Jahre her, aber für den Heimleiter unvergessen. Der 63-jährige gebürtige Borghorster wird heute während eines feierlichen Gottesdienstes in der Hauskapelle und einem anschließenden Sektempfang in der Cafeteria in den Ruhestand verabschiedet.

Als langjähriger Einrichtungsleiter hat der dreifache Familienvater das St.-Gertrudis-Haus entscheidend geprägt und dabei sowohl positive als auch negative Erfahrungen gemacht, wie er in einem Gespräch mit dieser Zeitung berichtet.

Ein Hörsturz und ein Herzinfarkt zeugen davon, dass die Arbeit stets anstrengend und oft auch nervenaufreibend war. „Die Rahmenbedingungen in der Altenhilfe haben sich nicht verbessert“, gibt der ehemalige Polizist zu bedenken, dass der Personalschlüssel sich seit 1996 nicht verändert hat, aber der Aufgabenbereich immer größer geworden ist.

Für ihn habe stets der Mensch im Mittelpunkt gestanden, erklärt der ausgebildete Pastoralreferent und Diplom-Sozialarbeiter seine Prämisse. „Auf die Menschen, die vor Ort arbeiten, kommt es an“, setzt Huesmann nicht nur auf zufriedene Mitarbeiter, sondern auch auf glückliche Bewohner. Erst danach kämen die Verwaltung und die Finanzen. Dass diese oftmals den Pflegealltag bestimmen, stört den scheidenden Heimleiter, der es während seiner Amtszeit immerhin mit drei verschiedenen Trägern zu tun hatte. So wollten die Kirchengemeinde St. Gertrudis , die Katholische Altenhilfe im nordwestlichen Münsterland und die Domus-Caritas gGmbh stets ein Wörtchen mitreden, wenn es um die Geschicke des Altenwohnheims ging.

„Zurzeit ist die Nachfrage riesig“, freut Huesmann sich über die aktuelle Entwicklung. Nur ungern erinnert er sich noch an die Zeiten, als das nicht so war. Die nicht ausreichende Belegung des Hauses hat dem Heimleiter manche schlaflose Nacht beschert. Zudem hat er mit seinen Mitarbeitern immer wieder nach neuen Konzepten gesucht, um diese Durststrecke zu überwinden. Zu den Maßnahmen zählten beispielsweise die Erweiterung der Cafeteria und die Einrichtung von „Anders leben“. Diese besondere Abteilung gehört zum Wohnbereich „Fürstenwiese“.

110 Mitarbeiter – dabei handelt es sich nicht nur um volle Stellen – betreuen die Bewohner. Hinzu kommen noch 75 ehrenamtliche Kräfte.

Gerne erinnert sich Huesmann an die Zeit mit der Pflegedienstleiterin Cornelia Seitz. „Die sind wie ein altes Ehepaar“, hätte es oftmals über sie geheißen. Inzwischen hat Martina Potthoff ihre Nachfolge angetreten, Dabei handele es sich um ein „erfolgreiches Eigengewächs“, freut sich der Heimleiter nicht ohne Stolz.

Huesmann ist froh, ein gut bestelltes Haus mit zufriedenen Mitarbeitern und Bewohnern hinterlassen zu können. Probleme sieht er auf Dauer in der Kurzzeitpflege. Zudem mache es der Einrichtung zu schaffen, dass die Bewohner immer kürzer blieben und immer hilfs- und pflegebedürftiger seien, wenn sie kämen.

„Eine Verweildauer von drei Monaten ist keine Seltenheit“, gibt er zu bedenken, dass alle Beteiligten in jedem Fall zehn Stunden Zeit für einen Heimzugang investieren müssten, was ein ziemlich hoher Aufwand für die zu wenigen Mitarbeiter sei. Diese Sorge wird künftig seine Nachfolgerin Corina Blankenberg plagen.

„Lachen ist eine gute Medizin“, meint Huesmann, der dreifacher Opa ist und in seinem neuen Lebensabschnitt nicht nur von seinen Enkeln, sondern auch von seiner Ehefrau Monika gefordert werden wird, die noch berufstätig ist.

„Die Liste ist lang“, schmunzelt der passionierte Koch, der zunächst mit seinen Nachbarn einen Backofen bauen will, um danach gemeinsam mit ihnen Brot herzustellen. Doch zuerst werde er es genießen, nichts machen zu müssen, freut sich der Quartiersmanager auf seinen Ruhestand und die damit verbundene Freiheit und Freizeit.

„Es ist gut gewesen und das ist gut so“, bilanziert er zu seinem Abschied, dass er gerne in Horstmar gewesen und dort gut aufgenommen worden sei.

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