Wo liegt der Unterschied?
Keine Verschmelzung zur Superkirche

Horstmar -

„Was Katholiken und Protestanten heute verbindet und was sie noch trennt“.

Samstag, 28.01.2017, 10:01 Uhr

Professor Dr. Beintker (4.v.l.) erläuterte beim Gesprächsabend im Borchorster Hof das Trennende und das Verbindende der beiden großen christlichen Kirchen Deutschlands auf. „Ziel sei auf keinen Fall eine vereinte Superkirche“, so der Referent.
Professor Dr. Beintker (4.v.l.) erläuterte beim Gesprächsabend im Borchorster Hof das Trennende und das Verbindende der beiden großen christlichen Kirchen Deutschlands auf. „Ziel sei auf keinen Fall eine vereinte Superkirche“, so der Referent. Foto: Anton Janßen

Erfreulich gut besucht war der Vortrags- und Gesprächsabend von evangelischem Sozialseminar und katholischem Bildungswerk zum Thema „Was Katholiken und Protestanten heute verbindet und was sie noch trennt“.

Der Referent, Professor Dr. Michael Beintker , machte deutlich, dass inzwischen vieles gemeinsam geht oder zumindest gemacht werden kann, wenn es die Gemeinden vor Ort wollen.

Zunächst gab er allerdings einen Rückblick über die Reformationsjubiläen in den vergangenen 500 Jahren, deren Thematik je nach geschichtlicher Situation sehr unterschiedliche Schwerpunkte und Sichtweisen zur Reformation und zur Person Martin Luthers hatten.

In Vorbereitung auf das diesjährige Jubiläum gibt es seit zehn Jahren einen Beirat, dem er angehöre, und der beschlossen hat, nicht die Person Luther in den Mittelpunkt, sondern in ökumenischer Gemeinschaft den Bezug auf Christus in den Mittelpunkt zu stellen. Und dabei das Reformationsjubiläum als ein gemeinsames Christusfest zu feiern, denn das apostolische Glaubensbekenntnis ist Katholiken und Protestanten gemeinsam. Ebenso sind sie auch vereint im Sakrament der Taufe (Magdeburger Tauferklärung 2007). Er bedauerte, dass es immer noch keine Abendmahls-Gemeinschaft gibt.

Inzwischen ist ein deutlich spürbares Vertrauensverhältnis nicht nur in den Gemeinden an der Basis, sondern auch auf Leitungsebene gewachsen. Als Zeichen dafür werde es am 11. März (Samstag) in der Kirche St. Michael in Hildesheim einen ökumenischen Gottesdienst geben, als Signal der Versöhnung.

Und das Fest der Kreuzaufrichtung durch die Heilige Helena werde am 14. September (Donnerstag) von allen christlichen Kirchen in ganz Deutschland gefeiert.

Zur Person Martin Luthers führte Professor Beintker aus, dass dieser als Katholik seine Kirche eigentlich erneuern wollte und es erst durch die Abwehrreaktionen der Kirchenoberen zur Konfrontation und letztlich zur Trennung gekommen sei. Zudem sei Luther nicht der erste Reformator gewesen, sondern durch den gerade aufgekommenen Buchdruck der bekannteste. Älter seien die Hussiten und Waldenser, parallel habe sich die Reformation in der Schweiz entwickelt.

Trotz der inzwischen vielen Gemeinsamkeiten gebe es aber immer noch Trennendes zwischen Protestanten und Katholiken: So die Hierarchie, das Amtsverständnis, die Frage der Frauenordination, das Dogma der Unfehlbarkeit und ethische Fragen.

Ziel sei aber nicht, zu einer Superkirche zu verschmelzen, sondern als Kirche in der säkularisierten Gesellschaft wieder Einfluss zu gewinnen durch gemeinsames glaubhaftes Auftreten in Fragen Schöpfungsbewahrung, Friedenssicherung und soziale Gerechtigkeit.

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