Stummfilm in St. Gertrudis eindrucksvoll musikalisch untermalt
Das Drama der ewigen Jugend

Horstmar -

Um das faustische Drama der ewigen Jugend ging es während des Stummfilmkonzerts, zu dem der Konzertförderkreis St. Gertrudis am Freitagabend in die Horstmarer Pfarrkirche eingeladen hatte. An der Orgel saß Thorsten Maus, um das Schwarz-Weiß-Opus musikalisch zu untermalen. Der Kantor der Probsteikirche Recklinghausen und Regionalkantor im Bistum Münster glänzte mit seinen Improvisationen zum Murnau-Film „Faust – eine deutsche Volkssage“.

Sonntag, 05.05.2019, 14:00 Uhr
Thorsten Maus untermalte den Faust-Film mit eindrucksvollen Orgelimprovisationen. Das Publikum in der Pfarrkirche St. Gertrudis erlebte optisch und akustisch faszinierende Einrücke.
Thorsten Maus untermalte den Faust-Film mit eindrucksvollen Orgelimprovisationen. Das Publikum in der Pfarrkirche St. Gertrudis erlebte optisch und akustisch faszinierende Einrücke. Foto: Nix

Ob dem eindrucksvollen Stummfilm „Faust – eine deutsche Volkssage“ aus dem Jahre 1926 nun eine ebensolche philosophische Tiefe zugebilligt werden kann, wie etwa dem berühmten Faust-Drama des Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe sei dahingestellt. Die Kritik im 20. Jahrhundert stritt sich darüber. Auf jeden Fall war es ein ausgefallenes cineastisches Erlebnis, dieses Film-Werk des expressionistischen Regisseurs Friedrich Wilhelm Murnau am Freitagabend in der Pfarrkirche St. Gertrudis zu erleben. Zu diesem „Filmkonzert“ hatte der Konzertförderkreis St. Gertrudis Horstmar eingeladen.

Um das Schwarz-Weiß-Opus musikalisch zu untermalen, saß Thorsten Maus, Kantor der Probsteikirche Recklinghausen und Regionalkantor im Bistum Münster an der Orgel. Seine Improvisationen zum Murnau-Film mit seinen diabolischen, für die damalige Zeit spektakulären Szenen, setzten großartige Akzente.

Maus steigerte die Dramatik an vielen Stellen durch schrille, dissonante Orgelklänge, dann folgten harmonischere Passagen bis hin zu einem kleinen, düsteren Walzer. Immer schienen die Orgelimprovisationen die Handlung musikalisch voranzutreiben. Sie sorgten dafür, dass die Spannung auch akustisch nie nachließ.

In der Rolle des Mephisto glänzte der geniale Mime Emil Jannings. Der teuflische Verführer macht Faust die Jugend schmackhaft und überredet den Doktor zu einem unseligen Pakt. Dieser genießt, von Mephisto wieder jung gemacht, das Leben in vollen Zügen. Er verliebt sich in das unschuldige Gretchen und entehrt sie, so dass die junge Frau am Pranger endet. Als sie von Faust ein Kind bekommt, das erfriert, soll sie als Kindsmörderin den Tod auf dem Scheiterhaufen erleiden. Angesichts dieser Tragödie verflucht Faust die Jugend und wird wieder zum alten Mann. Gemeinsam mit Gretchen stirbt er und fährt gen Himmel. Mephisto, der mit dem Erzengel Michael um Fausts Seele wettete, wird durch die Macht der Liebe besiegt.

Bei der Uraufführung des Films stand Regisseur Murnau auf dem Zenit seines Ruhmes. Mit „Nosferatu“ eine Symphonie des Grauens, gelang ihm bereits 1922 ein wegweisendes Machwerk auf Zelluloid. Legendär ist seine ausgefeilte Kamera- und Tricktechnik, unter anderem arbeitete Murnau mit Doppelbelichtungen sowie dem für Schwarz-Weiß-Filme typischen Licht- und Schattenspiel.

Murnaus Faust ist nicht mit dem epochalen Drama aus der Feder Goethes identisch. Der Film gilt als eigenständiges Werk, das zentrale Motive des Volksbuches „Historia von Doktor Johann Fausten“ dem Zauberer und Schwarzkünstler aus dem Jahr 1587 verarbeitet. Der englische Renaissance-Schriftsteller Christopher Marlowe und Goethe dramatisierten diesen Stoff, woraus Murnau zentrale Elemente für seinen Film entnahm.

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