Jubiläumsfestivitäten schärfen das Geschichtsbewusstsein der Bürger
„Es hat Spaß gemacht“

Horstmar -

Eine positive Bilanz zieht Bürgermeister Robert Wenking über die Festivitäten

Mittwoch, 29.05.2019, 11:00 Uhr
Zu den gelungenen Jubiläumsfestivitäten gehörte am Freitagabend auch der Empfang am Borchorster Hof, den die zahlreichen Besucher bei gutem Wetter im Freien genießen konnten.Die Festrede von Hans-Peter Boer (kleines Foto) dürfte noch lange nachwirken. Fotos. Sabine Niestert
Zu den gelungenen Jubiläumsfestivitäten gehörte am Freitagabend auch der Empfang am Borchorster Hof, den die zahlreichen Besucher bei gutem Wetter im Freien genießen konnten.Die Festrede von Hans-Peter Boer (kleines Foto) dürfte noch lange nachwirken. Fotos. Sabine Niestert

Spätestens seit den Jubiläumsfestivitäten „750 Jahre Stadtrechte für Horstmar“ dürfte das Bewusstsein der Bürger für die eigenen Geschichte geweckt, beziehungsweise weiter geschärft sein. Schließlich gab es nicht nur das zweitägige Heerlager auf der Wallwiese, dass die Besucher in frühmittelalterliche Zeiten eintauchen ließ, sondern auch eine bemerkenswerte Festrede von Hans-Peter Boer in der Pfarrkirche St. Gertrudis (wir berichteten).

In dieser spannte der ehemalige Kulturdezernent in der Bezirksregierung einen weiten Bogen von der frühen Vergangenheit in die Gegenwart. So seien ihm die drei Bronzetafeln am Rathaus (Verwaltungsgebäude) aufgefallen. Eine erinnert an die in der NS-Zeit aus Horstmar vertriebenen und ermordeten jüdischen Mitbürger. Auf einer anderen Tafel bedanken sich die Bewohner der Dörfer Marienthal und Peucker, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Grafschaft Glatz in Oberschlesien vertrieben worden sind, für die Aufnahme in Horstmar und Leer.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ ist auf der dritten Tafel zu lesen. Dabei handelt es sich um den ersten Satz des Grundgesetzes, das gerade seinen 70. Geburtstag feiert.

Es sei bemerkenswert, dass die Stadt diese drei Bronzetafeln aufgehängt habe, meinte der Redner. Ihn erinnere dieses Verfahren ein wenig an die alten Römer, die ihre Gesetze im fünften Jahrhundert vor Christus in zwölf ehernen Tafeln auf dem Forum Romanun Jedermann zur Ansicht sowie Kenntnisnahme sowie zum Respekt vor der Verfassung aufgestellt hätten.

Ihm stelle sich die Frage nach „Ausgrenzung“ oder „Einladung“. Was überwiege? „Juden 1938 vertrieben, Glatzer Flüchtlinge 1946 aufgenommen.“ Diese Medaille habe – wie jede – zwei Seiten, denn sie sei beides: Versagen in dunklen Jahren und Menschlichkeit in Notzeiten. Beides habe viel mit dem Begriff Heimat zu tun. Kluge Zuwendung, Offenheit, Hilfe zur Selbsthilfe, Erziehung und Bildung in einer Heimat würden gewiss Sicherheit und Vertrauen schaffen, aber aus dieser Basis heraus müsse nicht automatisch Ausgrenzung des anderen, des Neuen, Ungewohnten oder Fremden folgen. „Sie darf es einfach nicht“, betonte der ehemalige Lehrer. „Die große Stadt hat nicht Zeit zum Denken, und was noch schlimmer ist, sie hat auch die nicht Zeit zum Glück“, zitierte Boer den Dichter Theodor Fontane. Dass die kleine Stadt Horstmar mit Leer zum Glück habe, glaube er dagegen schon.

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