Engagierte Podiumsdiskussion im Rahmen der Ausstellungswoche „Was bleibt?“ in der Gertrudiskirche
Vom Sterben und dem Ende des Tabus

Horstmar -

Vom Sterben und dem Ende des Tabus handelte die Podiumsdiskussion in der Gertrudiskirche, die im Rahmenprogramm der Ausstellungswoche „Was bleibt?“ angeboten wurde. Dabei stellten sich Sozialpädagogin Vera Hilder von der Hospizinitiative Steinfurt, Allgemein- und Palliativmediziner Dr. Reinhard Stahl sowie Theologe Professor Michael Beintker den Fragen des Prädikanten Alexander Becker.

Mittwoch, 04.03.2020, 16:40 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 17:14 Uhr
Prädikant Alexander Becker (2.v.r.) moderierte die Podiumsdiskussion in der Gertrudiskirche, an der Vera Hilder, Dr. Reinhard Stahl (2.v.l.) und Professor Michael Beintker teilnahmen.
Prädikant Alexander Becker (2.v.r.) moderierte die Podiumsdiskussion in der Gertrudiskirche, an der Vera Hilder, Dr. Reinhard Stahl (2.v.l.) und Professor Michael Beintker teilnahmen. Foto: Nix

Das Ende des Lebens ist unausweichlich. Viele Menschen blenden diese Erkenntnis lieber aus, doch die Ausstellung der Evangelischen Landeskirche „Was bleibt?“ in der Pfarrkirche St. Gertrudis thematisierte für eine Woche verschiedene Sichtweisen auf den Tod. Welcher Erinnerungen bleiben den Angehörigen, der Nachwelt? Welche Vorsorge sollte man für den Fall der Fälle treffen?

Viel beachtet

Am Dienstagabend stand eine vielbeachtete Podiumsdiskussion über ganz unterschiedliche Aspekte am Ende des Lebens auf dem Programm. Sozialpädagogin Vera Hilder von der Hospizinitiative Steinfurt, Allgemein- und Palliativmediziner Dr. Reinhard Stahl sowie der Theologe Professor Michael Beintker stellten sich Fragen des Prädikanten Alexander Becker.

Für Stahl, seit 25 Jahre Hausarzt in der Burgmannstadt, ist es wichtig, nah bei den Menschen zu sein. Er absolvierte eine Weiterbildung im Bereich der Palliativmedizin. Sterbebegleitung ist für ihn sehr bedeutsam. „Ich bin falls es gewünscht wird, auch für die Angehörigen da“, so der Arzt. Für ihn ist es selbstverständlich, erreichbar zu sein. Seine Erziehung war christlich geprägt, das „Christ sein“ lebt der Mediziner jeden Tag. Vor allem bedeutet es, sich umeinander zu kümmern, besonders eben auch in schweren Stunden, so Stahl.

Hilder blickt auf eine Kindheit im ländlichen Raum zurück, in der Tod kein Tabuthema war. So hat sie bis heute keine Berührungsängste. „Meine Oma nahm mich in die Leichenhalle mit und ich sah tote Menschen“, erinnert sich die Sozialpädagogin. Auch diese Erfahrung nahm bereits den Schrecken, den viele mit dem Ableben verbinden. Was bleibt? „Aus meiner bisherigen Hospizarbeit nehme ich viele wunderbare Erinnerungen an die Menschen dort mit“, betont Hilder. Es gibt ihr ein gutes Gefühl, sich um andere zu kümmern. Auch ein gelassenerer Blick auf das Leben hat sich bei ihr eingestellt.

„Was bleibt?“ „Wir Theologen würden lieber darüber reden, was kommt“, sagte Beintker. Wie bestimmt das, was kommt, das, was bleibt? Eine schwierige Frage. „Wir müssen im Laufe unseres Lebens ständig lernen loszulassen und Abschied zu nehmen“, hebt der Theologe hervor. „Sterbende brauchen Menschen, die bei ihnen sind“, stellte er entschieden fest. Allerdings sei in dieser Situation letztlich jeder rigoros auf sich selbst zurückgeworfen.

„Wenn uns ein geliebter Mensch genommen wird, zerreißt das ein ganzes Netz an Beziehungen“, erläuterte Beintker. Das Beziehungsgeflecht müsse sich dann neu ordnen. „Wir müssen von der Angst vor dem Thema loslassen und es in den Alltag zurückholen“, forderte der Theologe. Für viele sei der ideale Tod der, den man nicht merkt. Etwa im Fernsehsessel bei einem schönen Film.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7310607?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F171%2F
Nachrichten-Ticker