Sekundarschule zeigt Ausstellung zu 30 Jahre Wiedervereinigung
Plötzlich war ein Land weg

Horstmar/Schöppingen -

Mit der Ausstellung „Umbruch Ost – Lebenswelten im Umbruch“ erinnert die Sekundarschule Horstmar-Schöppingen, die auch viele Kinder aus der Burgmannstadt und der Gemeinde Laer besuchen, an die Wiedervereinigung Deutschlands. Am 3. Oktober trat die DDR offiziell der Bundesrepublik bei. Knapp ein Jahr zuvor fiel am 9. November die Mauer.

Sonntag, 04.10.2020, 14:31 Uhr aktualisiert: 05.10.2020, 16:52 Uhr
Lehrerin Alexandra Korten führte die Schüler in das Thema ein. Matthias Haase erzählte den Schülerinnen und Schülern von seinen Besuchen in der DDR.
Lehrerin Alexandra Korten führte die Schüler in das Thema ein. Matthias Haase erzählte den Schülerinnen und Schülern von seinen Besuchen in der DDR. Foto: Rupert Joemann

30 Jahre ist jetzt die Wiedervereinigung Deutschlands her. Am 3. Oktober 1990 trat die DDR offiziell der Bundesrepublik Deutschland bei. Knapp ein Jahr zuvor fiel am 9. November die Mauer.

„Obwohl die meisten Bürger diese Wiedervereinigung wünschen, werden die Alltagssorgen in der darauffolgenden Zeit größer. Insbesondere für die Ostdeutschen ändert sich enorm viel. Betriebe schließen und die Arbeitslosigkeit steigt auf 20 Prozent“, schildert Alexandra Korten, Lehrerin an der Sekundarschule, den Schülern in der Aula die damalige Situation. Die Sekundarschule will mit der Ausstellung „Umbruch Ost – Lebenswelten im Umbruch“ an diese Zeit erinnern.

„Auch mein Leben war ständig im Umbruch“, erzählt Sabine Sitte . Die Mitarbeiterin der Gemeindeverwaltung Schöppingen erlebte als junge DDR-Bürgern die Wendezeit. „Ich hätte gerne mein Land behalten. Wir wollten etwas verändern“, erzählt die gebürtige Brandenburgerin, die später mit ihren Eltern in der Nähe von Leipzig lebte. „Jetzt ist es aber gut so“, schiebt die 52-Jährige hinterher.

In den Monaten vor der Wende sei eine Aufbruchstimmung spürbar gewesen, so Sabine Sitte. Sie selbst habe eine gute Kindheit verlebt. Die Repressalien des Staates habe man als Kind nicht mitbekommen. „Wir sind in den Urlaub gefahren. Es ging uns nicht schlecht.“

Der Eintritt in die Pioniere in der ersten Klasse, später in die Thälmann-Pioniere (4. Klasse) sowie in die Freie Deutsche Jugend (FDJ) in der achten Klasse sei normal gewesen. „Uns Kindern ist die Uniform nicht so bewusst gewesen“, spielt Sitte auf die Halstücher bei den Pionieren und das blaue Hemd bei der FDJ an.

Zwei Tage nach dem Mauerfall ist Sabine Sitte nach West-Berlin gefahren. „Ich hatte Angst, dass man mich nicht zurücklässt.“

Den anschließenden wirtschaftlichen Niedergang der DDR erlebte sie auch am eigenen Leibe mit. Viele Betriebe seien sehr schnell geschlossen worden, so die gelernte Maschinenbauzeichnerin.

Sabine Sitte, die das Abitur besitzt, wollte damals mit einem Fernstudium der Volkswirtschaft anfangen. „Plötzlich gab es aber das Land nicht mehr und auch die Volkswirtschaft nicht“, erzählt Sitte. Auch die Hochschule für Ökonomie in Berlin sei kurze Zeit später abgewickelt worden. „Es ist alles weggebrochen.“

Einen anderen Blick auf die Deutsche Demokratische Republik hat Matthias Haase. Der Vater des 59-Jährigen stammte gebürtig aus dem Grenzgebiet zwischen Ost- und Westdeutschland. Während er Ende der 40er-Jahre in den Westen gegangen war, blieben die Verwandten auf dem Gebiet der späteren DDR.

Haase erinnert sich noch genau an seinen ersten DDR-Besuch 1973. „Wir hatten vorher gehört, wie schlimm der Überwachungsstaat sei“, sagt Haase. Deshalb sei auch bei der Einreise „kein Mucks“ gesprochen worden. „Ich hatte so eine Angst.“ Beim Grenzübertritt wurde mit einem Spiegel unter den Bus geschaut, um ihn zu kontrollieren. „Die Einreise hat zwei Stunden gedauert.“

Da das Elternhaus seines Vaters innerhalb der Sperrzone an der Grenze lag, durfte die Familie von Matthias Haase die Verwandten nicht zu Hause besuchen. Die Verwandten mussten vielmehr in die nächste Kreisstadt kommen.

Einmal nahm ihn aber sein Onkel auf dem Motorrad mit in die verbotene Zone, um Matthias das Haus der Familie zu zeigen. „Da war ich drei Stunden weg. Meine Mutter hat Blut und Wasser geschwitzt.“

Zehn Jahre später besuchte Haase Dresden. „Man sollte nicht viel sagen, weil der Feind mithört“, schildert der ehemalige SPD-Ratsherr die damalige Einstellung.

Der Schöppinger war wenige Monate vor dem Mauerfall noch einmal in der DDR. Man habe gespürt, „es brodelt was“. Kurz darauf fiel die Mauer und kein Jahr später feierten die Menschen in Ost und West die Wiedervereinigung.

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