Karnevalsveranstaltungen in Horstmar-Leer vor der Pandemie
Fasching ohne Einschränkungen

Horstmar-Leer -

Das Coronavirus schiebt den Karnevalsjecken einen Riegel vor der Tür. Fasching feiern, wie vor der Pandemie, ist aufgrund des zweiten Lockdowns nicht möglich. Im Horstmarer Ortsteil Leer hat der Karneval eine lange Tradition. Bereits in der Chronik des Schützenvereins Alst aus dem Jahr 1880 wird der Fasching erwähnt. Auch im Leerer Dorf wird seit vielen Jahrzehnten ausgiebig gefeiert.

Freitag, 12.02.2021, 19:52 Uhr aktualisiert: 12.02.2021, 20:00 Uhr
Szenen aus den vergangenen Karnevalssessionen aus Horstmar-Leer und der Bauerschaft Alst.
Szenen aus den vergangenen Karnevalssessionen aus Horstmar-Leer und der Bauerschaft Alst. Foto: Franz Neugebauer

Das Karnevalsfest im Ortsteil Leer hat eine lange Tradition, die durch die Corona-Pandemie und den zweiten harten Lockdown sang und klanglos unterbrochen wurde. Bereits in der Chronik des Schützenvereines Alst aus dem Jahr 1880 wird das Ereignis erwähnt. Dort heißt es: „Am 11. und 12. Februar 1880 wurde wie üblich Fastnacht gefeiert. Es waren fünf Musiker zum Ausüben der Musik und erhielten für zwei Abende zwölf Taler.“ Doch nicht nur in der Alst, auch im Dorf wird seit geraumer Zeit ausgiebig gefeiert, zunächst beim Sportverein Westfalia Leer und jetzt schwerpunktmäßig beim Schützenverein Leer-Dorf.

In den Annalen des Schützenvereines Alst heißt es, dass bis zum Jahr 1974 sonntags und montags vor dem eigentlichen Rosenmontag gefeiert wurde, da an den Karnevalstagen das 40-stündige Gebet stattfand. Seit 1974 ist dann auch in der Alst der Rosenmontag Höhepunkt der heimatlichen Fastnacht. Die Junggesellen basteln zwei Wochen vorher aus Stroh, Holz und alten Kleidungsstücken den „Karnevalskerl“, der an Aschermittwoch verbrannt wird. Die Junggesellen kommen am Rosenmontag zum Aufholen der Eier und Mettwürste zusammen. Zur Alst gehört auch das Heringsessen mit der berühmten grauen Suppe an Aschermittwoch.

Die Geschichte des Karnevals beim Sportverein Westfalia beginnt im Jahr 1964. Immer mehr entwickelt sich das Fest zu einem der am besten besuchten Karnevalsfeste im Ortsteil Leer. Es werden bis zu 300 Narren gezählt. Sitzungspräsident Anton Greive und später Bernhard Horstmann haben alle Mühe, das närrische Völkchen im Zaun zu halten. Der Reiz des Festes besteht im Auftritt der Aktiven, die sich ausschließlich aus eigenen Reihen rekrutieren und häufig das Lokalgeschehen aufs Korn nehmen. So ist es Heinz Greive , der 25 Jahre lang die kleinen und großen Macken der Mitbürger aufs Korn nimmt.

Den Elferrat stellen bis zum Jahr 1982 jeweils die Altherren-Fußballer, die dann durch die jüngeren Sportler abgelöst werden. Unvergessen sind die Auftritte der Geschwister Hanne Wilming und Annette Deitermann als „Wildei-Sisters“, die mit ihren Liedern zum Mitsingen und Mitschunkeln animierten. Die Narren erinnern sich an Ottilie Rotering als Geschiedene, an Frank Wenking mit einem original schottischen Dudelsack, die Volleyball-Gruppe als „Stubenfliegen“, die erste Fußballmannschaft beim Yankee-Doodle-Tanz oder Anni Füchter mit ihrem karnevalistischem Humor. Mit seinem Lied „Ich bin kein Lump“ prägt Franz Arning das Karnevalsfest ebenso wie Ludger Füchter und Walter Ahlers oder Gisela Müller mit Gesang. Die Wellen der Begeisterung schlagen stets hoch, wenn Jürgen Käthner angesagt wird oder Werner Feige. Letzterer hat die Fäden hinter den Kulissen in der Hand. Er wird später von Hartwig Thiele abgelöst.

Beim 25-jährigen Karnevalsfest des Sportvereines im Jahr 1989 führte Bernd Böller durch das Programm. Neben anderen gefielen in der Bütt Henrike Möllers als Schulmädchen, Tönne Eissing als Anstreicher, Hedwig Raue als Putzfrau und Hubert Hünteler mit eigener Parodie. Die Narren feiern so ausgelassen, dass sogar die Tapeten von den Wänden fallen. Während der Jubiläumsfeier werden besonders Rudi Toepper, Werner Büchel, Werner Feige, Bernhard Horstmann, Heinz Greive, Ludger Füchter, Walter Ahlers, Anni Füchter und Gisela Müller geehrt.

In die Liste der Prinzen reihen sich Anton Greive, Bernhard Horstmann, Klaus und Christel Klumps, Erich und Maria Mohn, Heinz und Anne Ernsting, Addi und Marianne Schmitz, Rudi und Mia Toepper, Josef und Gabi Ringkamp, Josef und Waltraud Overkamp, Günter und Doris Eweler sowie Erich und Maria Laurenz ein. Für die Bühnendekoration sorgt jeweils Jörg Anthe.

Der Schützenverein Leer-Dorf schließt Mitte der 1990er Jahre die entstandene Lücke. Sie legen auf Vorschlag von Ferdi Thiemann, Peter Bödding und Ludger Hummert die Sitzung von Karnevalssonntag auf den Samstag vor und haben damit großen Erfolg. Alle Vereinsgruppierungen sind beim Auftritt beteiligt, angefangen vom Vorstand bis hin zu den Junggesellen. Die Veranstaltung wird jeweils vom ersten Vorsitzenden des Vereins moderiert. Die Akteure kommen aus den eigenen Reihen. So auch der ehemalige Landrat Thomas Kubendorff, der Mitglied der Dörfer ist. Der Männer-Stammtisch Eckpoahl nimmt stets das lokale Geschehen aufs Korn. Auftritte der Leerer Blickband können stets begeistern.

Längst sind die Karnevalssitzungen im Saal des Gasthofes Vissing nicht mehr auf den eigenen Verein beschränkt. Die Junggesellen von Leer-Ostendorf treten ebenso auf wie zahlreiche Leerer Stammtische. Bewundert wird immer die Vielzahl der Kostüme, die besten werden prämiiert. Zum Karneval der Dörfer gehört am Rosenmontag auch das Sammeln der Würstchen und Eier, die eine Woche später gemeinsam vertilgt werden.

Der Leerer Cliquen-Karneval (LCC) hat seit fünf Jahren den Karneval mit den großen Umzügen auf die Straße gebracht – und wird das hoffentlich auch 2022 wieder machen können.

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