Stadt Horstmar muss viel Geld in die Hand nehmen
Kläranlage in Leer wird erweitert

Horstmar-Leer -

Die Stadt Horstmar muss viel Geld in ihre Gemeinschaftskläranlage stecken, die 1987 im Ortsteil Leer in Betrieb genommen worden ist. Alleine 3,6 Millionen Euro müssen in die Erweiterung der vierten Reinigungsstufe investiert werden. Ein Bewilligungsbescheid des Landes NRW über 2,5 Millionen Euro liegt für Planungs- und Investitionskosten vor. Hinzu kommen rund 98 000 Euro für Energiesparmaßnahmen.

Dienstag, 23.02.2021, 18:38 Uhr aktualisiert: 23.02.2021, 18:40 Uhr
Der Blick von oben zeigt, wie groß die im Jahr 1987 errichtete Gemeinschaftskläranlage ist.
Der Blick von oben zeigt, wie groß die im Jahr 1987 errichtete Gemeinschaftskläranlage ist. Foto: Wallkötter

Die Stadt Horstmar wird Viel Geld in die im Ortsteil Leer gelegene Kläranlage investieren müssen. Grund dafür sind die erhöhten Anforderungen an die Abwasserbehandlung, aber auch die überholte Technik. Die Kommune sieht eine Erweiterung der Anlage vor, insbesondere bei der vierten Reinigungsstufe, die der Elimination von Mikroplastik und Mikroschadstoffen und damit der Gewässerreinhaltung des Leerbaches dient. Die Maßnahme erfolgt auf Aktivkohlefilterbasis.

Gebaut werden soll eine Pulveraktivkohle-Adsorptionsstufe mit nachgeschalter Sedimentation und einer Tuchfiltration. Der abgelagerte Klärschlamm aus dem Sedimentationsbecken wird zurück in den Klärkreislauf geführt.

Die Gesamtkosten für die vierte Reinigungsstufe belaufen sich auf 3,6 Millionen Euro. Der Stadt Horstmar liegt ein Bewilligungsbescheid des Landes NRW über 2,5 Mio Euro für Planungs- und Investitionskosten vor. Hinzu kommen insgesamt rund 98 000 Euro für Energiesparmaßnahmen.

Zusätzlich muss das Schneckenpumpwerk im Zulauf der Kläranlage erneuert werden. Die Investitionskosten liegen in Höhe von rund 200 000 Euro.

„Mit diesen Investitionen sind wir auf dem neuesten Stand der Technik“, betont Bürgermeister Robert Wenking , dass die Stadt damit die gesetzlichen Vorgaben erfüllt.

Interessant in diesem Zusammenhang ist die Entwicklung der Abwasserklärung in den beiden ehemals selbstständigen Gemeinden. In Horstmar gab es früher eine Kläranlage an der heutigen Warnsveldallee. Sie wurde allerdings stillgelegt und in der Bauerschaft Niedern ein Zentralpumpwerk erbaut. Dieses sammelt die Horstmarer Abwässer und befördert sie in Richtung Ostendorf zur dortigen Kläranlage im Ortsteil Leer.

In Horstmar existiert ein Mischwassersystem, neue Baugebiete einschließlich der neuen Gewerbegebiete werden im Trennsystem (Trennung von Schmutzwasser und Regenwasser) angeschlossen. In der Regel wird das Oberflächenwasser in den Regenwasserkanälen über die Vorfluter in die Wirlok und weitere Gewässer in die Steinfurter Aa abgeführt.

Zur Eindämmung von Schadensereignissen bei Starkregen werden Regenrückhalteräume (Regenrückhaltebecken) als Abwasserbauwerke errichtet und betrieben. Sie dienen sowohl der Vermeidung von Überflutungen der Siedlungsbereiche sowie der sukzessiven Weiterleitung von Abwasser (Niederschlagswasser) in die nachgelagerten Gewässer I. und II. Ordnung.

In Leer existiert in den Baugebieten traditionell das Trennsystem, bestehend aus Schmutzwasser- und Regenwasserkanal. Das Oberflächenwasser wird teilweise in Wassergräben geleitet, die alle in den Leerbach münden. Die Gemeinschaftskläranlage in Leer ging im Oktober 1987 in Betrieb. Sie wurde damals noch mit einer erheblichen Investitionszuweisung gefördert und unter Berücksichtigung der damals noch existierenden Bleicherei und der diesbezüglichen Erwartung an erhöhte Schmutzfracht (Eintrag von Chemikalien) von der Leistungsfähigkeit deutlich größer dimensioniert, als es für die Größenordnung einer Kommune wie Horstmar erforderlich gewesen wäre. Es handelte sich zum damaligen Zeitpunkt um errechnete 18 600 Einwohnergleichwerte.

Nach der Betriebsaufgabe der Bleicherei war die Kläranlage erheblich überdimensioniert. Es ergaben sich gebührenrechtliche Probleme, die darin bestanden, dass zunächst einmal die Gebühreneinnahmen fehlten, aber auch besondere Belastungen durch die erhöhte Abschreibung der zu hoch dimensionierten Anlage entstanden. Man wollte (konnte) sie nicht auf die Gebührenpflichtigen abwälzen, der allgemeine Haushalt trug zur Finanzierung bei.

Die Kläranlage hat heute eine Leistungsfähigkeit, die der einer Kommune wie Horstmar unter Berücksichtigung von Wohnsiedlungsentwicklung und Gewerbegebieten mit Betrieben, die keine besonderen Schmutzwässer einleiten, entspricht und beträgt 11 000 Einwohnergleichwerte.

Die gesamte Abwasseranlage besteht neben der Kläranlage Horstmar-Leer aus neun Pumpwerken (ein Hauptpumpwerk und acht Schmutzwasserpumpwerke), einem Regenüberlaufbecken, zwölf Regenrückhaltebecken, einer Regenwasserbehandlungsanlage, drei Regenüberlaufbauwerken, rund 22 Kilometer Mischwasserkanälen, rund 18 Kilometer Schmutzwasserkanälen, rund 18 Kilometer Regenwasserkanälen, rund sechs Kilometer Druckentwässerungsleitungen und zirka 1500 Schachtbauwerken.

Die Aufgaben der Klärwärter Jan Austrup und Josef Ewering, der im Mai in den Ruhestand geht, sowie des neu hinzugekommenen Mitarbeiters Michael Wallkötter liegen in der Überwachung des ungestörten Betriebsablaufs der Kläranlage, die in einem sehr komplizierten Verfahren mit zurzeit drei Reinigungsstufen arbeitet. Es handelt sich um eine biologische Anlage, die mit Bakterien arbeitet, um die Schmutzfracht aus dem Abwasser zu klären. Teilweise ist die Zugabe von chemischen Stoffen erforderlich, um den Schlammanteil zu flocken. Dazu gibt es eine sogenannte Phosphorelimination durch chemische Zugaben. Die vollelektronische Steuerung der Anlage wird von den Klärwärtern überwacht, die Pumpwerke regelmäßig angefahren, um sie zu überprüfen sowie von Fremdstoffen, wie beispielsweise Feuchttücher zu befreien. Die Kanäle werden regelmäßig überprüft und gespült.

Aufgrund der beruflichen Vorbildung der Klärwärter (Elektriker/Systemelektroniker) ist die Überwachung der Steuerung einschließlich der Behebung von kleinen Störungen durch die Bediensteten selbst möglich. Darüber hinaus erfolgen regelmäßig Probenentnahmen, die im betriebseigenen Labor ausgewertet werden und mit den vorgeschriebenen Probenergebnissen aus Fachlaboren verglichen werden.

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