Betrugsfall geht ans Landgericht
Lehrer 365 000 Euro abgeluchst

Ibbenbüren/Münster -

Seine Tat wiegt so schwer, dass das Amtsgericht kein Urteil fällen wollte: Stattdessen wird der Fall des Betruges ans Landgericht abgegeben. Es geht um den Fall eines Betrügers, der einen Ibbenbürener Religionslehrer ausgesaugt hatte wie ein Vampir sein Opfer.

Donnerstag, 07.05.2015, 16:05 Uhr

 
  Foto: dpa

Der 47-jähriger Münsteraner hatte sein 65-jähriges Opfer moralisch so unter Druck gesetzt, dass dieser ihm von August 2008 bis zum 24. Januar 2013 insgesamt 365 000 Euro lieh, von denen er bis heute außer 50 Cent für eine Parkuhr nichts zurückbekam. Der inzwischen pensionierte und psychisch kranke Lehrer lebt mit 400 000 Euro Schulden in der Privatinsolvenz. Sein Betreuer erstattete 2013 Anzeige.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Frank Michael Davids sollte am Dienstag ein Urteil sprechen wegen 50 gewerbsmäßiger, besonders schwerer Betrugsfälle . Die Staatsanwaltschaft beantragte drei Jahre ohne Bewährung. Der Vertreter der Nebenklage forderte viereinhalb Jahre: „Mir fehlen die Worte für das, was Sie meinem Mandanten angetan haben“, sagte der Anwalt. Dennoch korrigierte er seinen Antrag auf vier Jahre, „weil das ja die Grenze des Strafmaßes am Amtsgericht ist“.

Nach 90 Minuten Beratung mit den Schöffen delegierte Davids den Fall an das Landgericht Münster. „Das Strafmaß am Amtsgericht reicht tatsächlich nicht für diese Taten“, begründete der Vorsitzende die Weitergabe. Richter Davids erklärte, dass die Verhandlung ihm das Ausmaß der betrügerischen Taten so deutlich vor Augen geführt habe, dass er mit einer Freiheitsstrafe von vier Jahren nicht auskomme.

Bereits im August 2014 war gegen den Betrüger am Amtsgericht Ibbenbüren verhandelt, das Verfahren aber ausgesetzt worden. Damals hatte der Angeklagte gesagt, dass er 60 Prozent des „geliehenen Geldes“ für Arztkosten in den USA ausgegeben habe und dem Gericht die Rechnungen präsentieren könnte. Zudem erwartete er angeblich die Erbschaft eines Verstorbenen, den er in den Vereinigten Staaten bis zum Tode begleitet habe. Mit dem Geld wollte er einen Teil des Schadens ausgleichen. Am Dienstag konnte er weder Belege noch Arztrechnungen vorlegen, ganz zu schweigen von einem Schadensausgleich, weil die Erbschaft geplatzt sei, wie er sagte.

Der Religionslehrer und er hatten sich im Internet kennengelernt. Ihm erzählte er traurige Geschichten von seiner Krankheit, zeigte ihm ein Röntgenbild mit Löchern in der Lunge und setzte ihn massiv unter Druck, dass er sterben werde, wenn der Lehrer ihm kein Geld gebe. „Und ich bin so erzogen, dass man Menschen hilft“, sagte der Pensionär als Zeuge vor Gericht. Immer wieder hatte er sich erweichen lassen, ihm alle Ersparnisse gegeben und zahlreiche Kredite für den Betrüger aufgenommen, von denen er jetzt monatlich 1100 Euro von seiner Pension abbezahlt. Sein einziger Wunsch sei es, zu erfahren, was mit dem ganzen Geld geschehen sei. Aber dazu schwieg der Angeklagte beharrlich, wenngleich er sich kleinlaut entschuldigte: „für alles, was ich dir angetan habe“.

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