Jugendschöffengericht verurteilt 20-Jährigen aus Guinea
Im Asylheim mit Marihuana gedealt

Westerkappeln/Ibbenbüren -

Das Jugendschöffengericht Ibbenbüren hat einen 21-jährigen Mann aus Guinea, der seit drei Jahren in einer Asylbewerberunterkunft in Westerkappeln lebt, wegen Drogengeschäften zu einer einjährigen Freiheitsstrafe verurteilt

Donnerstag, 21.07.2016, 18:07 Uhr

 
  Foto: Frank Klausmeyer

Das Jugendschöffengericht Ibbenbüren hat einen 21-jährigen Mann aus Guinea , der seit drei Jahren in einer Asylbewerberunterkunft in Westerkappeln lebt, wegen Drogengeschäften zu einer einjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt ist. Nach fünf Monaten in Untersuchungsunterhaft konnte der Dealer das Gericht somit ohne Handschellen verlassen.

Doch der Richter warnte ihn: „Sollten sie sich nicht an die Bewährungsauflagen halten, gehen sie wieder ins Gefängnis. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“ Auflagen hat der junge Mann nun einige nun zu erfüllen: 120 Stunden gemeinnützige Arbeit, Kontaktaufnahme mit der Suchtberatung, die Befolgung aller Weisungen des Bewährungshelfers und noch einiges mehr.

Zum Zeitpunkt der beiden Taten stand der vorbestrafte junge Mann noch unter Bewährung. Zur Last gelegt wurde ihm, mit Marihuana gehandelt, es sogar an Minderjährige verkauft zu haben. Konkret ging es um zwei Taten von Ende 2015 und Anfang dieses Jahres. „Wahrscheinlich war es noch zig mehr“, zeigte sich der Richter überzeugt. Bei der Durchsuchung der Asylunterkunft wurden bei ihm 300 Euro Dealgeld, 75 Gramm Marihuana und drei Handys gefunden.

Der Angeklagte gab an, dass seine Eltern beide tot seien und er seinen 16-jährigen Bruder, an den er oft denken müsse, in Guinea zurückgelassen habe, als er das Land aus wirtschaftlichen Gründen verlassen und übers Mittelemeer nach Europa gekommen sei. Da er zu einer ethnischen Minderheit gehöre, habe es in seiner Heimat für ihn keine Arbeit gegeben.

Sein Asylantrag haben die deutschen Behörden inzwischen abgelehnt. Da er aber keine Papiere hat, kann er nicht so einfach abgeschoben werden. Seine Verteidigerin sagte, es sei ihm sogar unmöglich, freiwillig auszureisen. Sie kritisierte am Rande des Verfahrens, dass Deutschland viele Flüchtlinge ohne Papier aufnehme, ihnen dann aber keine Perspektive biete.

Ob es dem Angeklagten auf eine solche bislang überhaupt ankam, daran hatte das Gericht große Zweifel. Der Vorsitzende Richter nutzte die Gelegenheit, dem Angeklagten mal ordentlich ins Gewissen zu reden: „Jetzt sind sie seit Jahren hier und sprechen nicht einmal Deutsch.“ Er könne nicht erkennen, dass der Angeklagte in dieser Zeit überhaupt etwas getan habe, um seine Situation zu verbessern. Angesichts über einer Million Flüchtlinge, die im vergangenen Jahr gekommen seien, stehe Deutschland vor großen Herausforderungen. Der Richter wurde noch deutlicher: „Entweder sind sie faul oder krank. Auf jeden Fall kriegen sie ihren Arsch nicht hoch. Vielleicht sollten sie sich mal überlegen, wenn sie schon nicht in ihre Heimat zurück wollen, ob sie dann nicht in einen anderen Staat gehen, der ihnen kulturell näher steht als Deutschland, um sich dort eine Perspektive aufzubauen.“

Wohl auch unter dem Eindruck der hinter ihm liegenden fünfmonatigen Untersuchungshaft zeigte sich der Angeklagte geständig und gab sich kleinlaut. Er, der selbst abhängig sei, sehe ein, dass er sein Leben mit Drogen nicht in den Griff bekomme könne.

Der Mann ist bereits wegen gefährlicher Körperverletzung vorbestraft, hatte aber die ihm seinerzeit aufgebrummten Sozialstunden – nach eigenen Angaben wegen permanenter Kopfschmerzen – aber nur zur Hälfte absolviert. Überhaupt habe er in letzter Zeit viel gelitten, in der Untersuchungshaft und wegen der Situation, in der sich sein Bruder befinde.

Vor der Urteilsverkündung fand der Richter noch einmal deutliche Worte: „Wenn sie hier nur abhängen und kiffen, helfen sie ihrem Bruder damit kein bisschen weiter. Stattdessen befeuern sie nur Vorurteile, dass Afrikaner kiffen und kriminell sind. Und das sollten gerade sie nicht tun.“

Selbst wenn der Angeklagte dieses Mal gewillt und auch in der Lage sein sollte, seine Sozialstunden abzuleisten, dürfte das für ihn mit einigem Aufwand verbunden sein. Denn wie der Vertreter der Jugendgerichtshilfe erläuterte, gibt es in Westerkappeln in Ermangelung an Stellen dazu kaum noch Gelegenheit. „Und beim Bauhof will man ihn nicht mehr sehen. Diese Chance hat er bereits vertan.“ Eine weitere Bewährungsauflage lautete deshalb, sich bei einem Fahrradwerkstatt-Projekt für Asylbewerber legal ein Fahrrad zu besorgen, um die eigene Mobilität zu steigern.

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