Streifenwagen sind für viele Szenarien ausgestattet
Mit Zollstock und EC-Kartenleser

Tecklenburger Land -

Unfälle, Verletztenversorgung, Messerstechereien: Für sehr viele Einsätze müssen Polizeibeamte heutzutage gerüstet sein. Polizeihauptkommissar Michael Börger zeigt, welche Ausrüstung Polizisten dafür tagtäglich im Streifenwagen dabei haben.

Montag, 29.08.2016, 16:08 Uhr

Allerlei Ausrüstung haben Polizeibeamte in ihren Streifenwagen dabei. Polizeihauptkommissar Michael Börgel erklärt, wofür die Dinge gebraucht werden.
Allerlei Ausrüstung haben Polizeibeamte in ihren Streifenwagen dabei. Polizeihauptkommissar Michael Börgel erklärt, wofür die Dinge gebraucht werden. Foto: Daniel Lüns

Unfälle, Verletztenversorgung , Messerstechereien: Für sehr viele Einsätze müssen Polizeibeamte heutzutage gerüstet sein. „Häufig sind wir auch die ersten Einsatzkräfte vor Ort, noch vor der Feuerwehr “, erklärt Polizeihauptkommissar Michael Börger . Vor der auch für Westerkappeln und Lotte zuständigen Polizeiwache Ibbenbüren zeigt er, welche Ausrüstung Polizisten dafür tagtäglich im Streifenwagen dabei haben.

Das vorweg: Jeden Winkel des neuen Polizei-3er-BMW darf Börger dabei nicht zeigen. „Aus einsatztaktischen Gründen“, wie er sagt. Dafür ist das Bild, das Betrachter vom ausgeräumten Dienstwagen haben, austauschbar. Denn die Ausrüstung der Autos ist landesweit weitestgehend genormt – somit ist geregelt, was mitgeführt wird und wo das Teil im Auto verstaut wird.

Und das ist eine ganze Menge. Den Anfang macht Michael Börger mit dem Bereich Verkehr. Vier Verkehrskegel etwa helfen dabei, Autos umzulenken. Zum Beispiel nach einem Unfall. „Die sperren die Fahrbahn ab und dienen übrigens nicht dazu, umfahren zu werden“, sagt Börger. „Das sehen wir von Verkehrsteilnehmern auch immer wieder...“

Bei Dunkelheit können auch vier Blitzlampen, die sogenannten Nissenleuchten, zusätzlich für Aufmerksamkeit sorgen. Dafür kann auch der ganze Streifenwagen eingesetzt werden, sorgsam auf der Fahrbahn positioniert. Flatterband hingegen, auch davon ist eine Rolle an Bord, wird zum Regeln des Verkehrs eher nicht benutzt. „Das dient eher dazu, um Tatorte abzusperren.“

Bandmaß, Zollstock, Sprühfarbe: Diese Gegenstände helfen etwa beim Vermessen eines Tatortes.

Bandmaß, Zollstock, Sprühfarbe: Diese Gegenstände helfen etwa beim Vermessen eines Tatortes. Foto: Daniel Lüns

Weiter geht es mit dem Bereich Unfallaufnahme. Michael Börger zieht dafür den obersten Kasten eines mittig verbauten Schubladensystems heraus. Mit Sprühkreide und (wasserfester) Ölkreide werden Unfallstellen gekennzeichnet. „Damit markieren wir Endstände der Fahrzeuge oder auch Unfallspuren“, erklärt er.

„Das sind die Markierungen auf der Straße, die vor allem dann, wenn es nicht regnet, lange sichtbar sind.“ Gelb-schwarze Metallplättchen, „Pointer“ heißen die Gegenstände, unterstützen während der Unfallaufnahme. Zum Vermessen der Unfallstellen werden ein Bandmaß, Zollstock oder auch ein Rollrad eingesetzt, das im Kofferraum liegt.

Einen Schubladenkasten tiefer liegen vor allem Hygieneartikel. „Für die Verletztenversorgung“, sagt der Polizeihauptkommissar. Wie gesagt: Manchmal sind die Beamten die ersten Helfer vor Ort, die zur Seite stehen können. Ergänzt wird der Schubladeninhalt durch einen Verbandskasten.

Flatterband wird zum Abgrenzen von Tatorten verwendet.

Flatterband wird zum Abgrenzen von Tatorten verwendet. Foto: Daniel Lüns

Beim Herausziehen von Kasten Nummer drei muss Börger schmunzeln. „Das hier dürfte der unliebsamste für den Bürger sein“, sagt er. „Hier geht‘s ans Geld.“ Zum Einzug von Gebühren oder Sicherheitsleistungen liegt dort ein EC-Kartengerät parat. Direkt daneben: Ein Gerät, welches den Atem-Alkohol misst. Der im Volksmund als „Pusten“ bekannte Test ist freiwillig - und kann auch abgelehnt werden. „Dann kann aber durchaus eine Blutprobe anstehen, das wird dann mit Staatsanwalt und Richter besprochen.“

Blaulicht, LED-Anzeige, US-Sirene

Zu einem Polizeiauto gehören, neben der oben genannten Ausstattung unter anderem auch Navi, Funkgerät und eine „Rundum-Ton-Kombination“ auf dem Dach. Die beinhaltet Blaulicht und Extra-Blinker, erklärt Polizeihauptkommissar Michael Börger.Ein vorausfahrendes Auto machen Beamte seit zwei Jahren mit einem roten, hellen Blinklicht auf sich aufmerksam. „Das sollte eigentlich jedem auffallen...“ Zudem können Polizisten den „Yelp“ zuschalten. Der laute Ton erinnert an die Sirene eine US-Polizeiautos. Über eine LED-Anzeige können außerdem vorgegebene Texte aufgezeigt werden, wie „Gefahr“, „Stau“ oder „Stopp Polizei“. In der Kofferraumklappe sind zusätzliche kleine Blaulichter verbaut.

...

Auch für diverse Hilfeleistungen vor Ort sind die Beamten ausgestattet. Mit einem Brecheisen etwa können eingeklemmte Personen gerettet werden. Ein kleiner Feuerlöscher an Bord „reicht aus, um kleine Brände zu löschen. So ein Modell sollte übrigens jeder im Auto haben“, sagt Michael Börger. Auch Löschdecke und Beatmungsmaske sind an Bord. Ebenso ein Auszieh-Besen für die grobe Reinigung eines Unfallortes.

Auch ein Feuerlöscher ist ein Bord.

Auch ein Feuerlöscher ist ein Bord. Foto: Daniel Lüns

Unter dem Schubladensystem geht‘s um das Thema Sicherheit. „Dort lagern unsere taktischen Schutzwesten für die Besatzung des Streifenwagens.“ Die Stücke sind sehr schwer – retten im Notfall aber Leben. Messern und Kugeln halten sie nämlich stand. Die Westen werden etwa bei Amokläufen getragen. Alles Einsätze, für die Polizeibeamte gerüstet sein müssen.

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