Bedarf für Rettungsdienst in der Diskussion
Stellungnahme mit Sprengkraft

Westerkappeln/Mettingen/Ibbenbüren -

Bis Ende 2018 möchte der Kreis Steinfurt in Westerkappeln eine neue Rettungswache an der Mettinger Straße in Betrieb nehmen. Geraten diese Pläne jetzt doch noch ins Wanken ? Eine gemeinsame Stellungnahme aus Ibbenbüren und sechs anderer Städte zum Bedarfsplan für den Rettungsdienst im Kreis Steinfurt könnte jedenfalls eine gewisse Sprengkraft haben.

Donnerstag, 23.03.2017, 15:03 Uhr

Der Rettungsdienst soll im Kreis Steinfurt neu aufgestellt werden. Dass ein Notarztfahrzeug nach Mettingen verlagert und Westerkappeln eine neue, größere Rettungswache bekommen soll, stößt in Ibbenbüren an anderen Stationskommunen auf Kritik.
Der Rettungsdienst soll im Kreis Steinfurt neu aufgestellt werden. Dass ein Notarztfahrzeug nach Mettingen verlagert und Westerkappeln eine neue, größere Rettungswache bekommen soll, stößt in Ibbenbüren an anderen Stationskommunen auf Kritik. Foto: Jens Keblat

Bis Ende 2018 möchte der Kreis Steinfurt in Westerkappeln eine neue Rettungswache an der Mettinger Straße in Betrieb nehmen. Geraten diese Pläne jetzt doch noch ins Wanken ? Die Städte Ibbenbüren , Rheine, Greven, Lengerich, Emsdetten, Ochtrup und Steinfurt schießen jedenfalls quer. In einer gemeinsamen Stellungnahme stellen die neun Stationskommunen die Sinnhaftigkeit einer neuen, größeren Wache in Westerkappeln erheblich in Frage.

In der kommenden Woche soll der Kreisausschuss den Bedarfsplan für den Rettungsdienst im Kreis Steinfurt endgültig beschließen. Im Februar hatte die Kreisverwaltung den entsprechenden Entwurf vorgelegt. Dieser resultiert aus einer im vergangenen Herbst abgeschlossenen Untersuchung eines externen Gutachterbüros.

Und hier setzen die sieben Stationskommunen mit ihrer Kritik an: Denn der Untersuchung zugrunde gelegt hätten die Einsatzzahlen aus dem Jahr 2015. Diese seien nicht mehr aktuell, heißt es in der Stellungnahme. Bereits vergangenes Jahr hätten die tatsächlichen Einsatzzahlen um elf Prozent höher gelegen, ein weiterer Anstieg sei zu erwarten. Eine bedarfsgerechte Vorhaltung von Rettungsmitteln erfordere auch eine Prognose der künftigen Einsatzzahlen, wird argumentiert.

Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer und ihre Mettinger Kollegin Christina Rählmann , die sich in einer eigenen gemeinsamen Stellungnahme für die schnelle Umsetzung des Rettungsdienstbedarfsplanes ausgesprochen haben (WN berichteten), können diesen Einwand nicht nachvollziehen. „Die Zahlen von heute sind morgen auch schon wieder alt“, meint Rählmann. „Wenn wir jetzt anfangen, einzelne Punkte aufzuweichen, ist niemandem geholfen.“

Große-Heitmeyer findet die Einwände aus Ibbenbüren und den anderen sechs Städten anmaßend. „Bloß weil man mit dem Ergebnis eines Gutachtens nicht zufrieden ist, muss man sich ja nicht so auf die Hinterbeine stellen.“

Konkret lehnen die Stationskommunen in ihrer Stellungnahme ab, dass eines von zwei in Ibbenbüren stationierten Notarzteinsatzfahrzeugen (NEF) künftig in Mettingen seinen Standort haben soll. Dass sie sich dabei auf Zahlen von 2015 berufen, sei an dieser Stelle nur als Randnotiz vermerkt.

Hilfsfristen

Die sieben Stationskommunen (Ibbenbüren, Rheine, Greven, Lengerich, Emsdetten, Ochtrup und Steinfurt) kritisieren in ihrer Stellungnahme zum Entwurf des Rettungsdienstbedarfsplanes auch die dort genannten sogenannten Hilfsfristen. Bislang werde einer Empfehlung des Landesfachbeirates für den Rettungsdienst gefolgt, wonach das erste Hilfsmittel – Notarzt oder Rettungswagen – in städtischen Gebieten nach Eingang des Notrufes spätestens nach acht Minuten vor Ort sein soll, in ländlichen Gebieten nach spätestens zwölf Minuten. Der Entwurf sehe eine einheitliche Festlegung auf zwölf Minuten vor, was eine deutliche Verschlechterung für die Ballungsgebiete bedeute. Die bestehende Hilfsfrist solle deshalb beibehalten werden, heißt es in der Stellungnahme. Die Westerkappelner Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer sieht das anders. Die geplante Neuordnung des Rettungsdienstes resultiere ja aus der Feststellung der Gutachter, dass die Hilfsfristen im ländlichen Raum nicht gewährleistet werden könnten.

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In dem Jahr habe das zweite NEF 200 Einsätze gehabt, davon 138 in Ibbenbüren und Hörstel, aber nur 47 in Mettingen, Recke und Westerkappeln. Eine Verlegung des Notarztwagens sei deshalb nicht nachvollziehbar. „Eine immer größer werdende Dezentralisierung des Rettungsdienstes in Richtung Norden schwächt den Erreichungsgrad in den Städten Ibbenbüren und Hörstel“, heißt es in der Stellungnahme.

Und die Stationskommunen gehen noch einen Schritt weiter. Wenn schon – wie vorgeschlagen – eine neue Wache für das NEF in Mettingen gebaut werden solle, sei es ebenso unverständlich, dass tagsüber in Westerkappeln ein zweiter Rettungswagen stehe. Die Fahrzeiten dieses RTWs zu Einsätzen seien dann verhältnismäßig lang, die Einsatzzahlen würden entsprechen niedrig sein. Sinnvoll sei es deshalb, den zusätzlichen RTW ebenfalls in Mettingen zu stationieren, zumal jeder Einsatz des Notarztes den Einsatz eines Rettungswagens erfordere.

Überdies empfehlen die Stationskommunen, den Krankentransportwagen (KTW), der laut Rettungsdienstbedarfsplan ebenfalls in der neuen Wache in Westerkappeln angesiedelt werden soll, auch in Mettingen zu stationieren, da Westerkappeln aufgrund der Nähe häufig von Osnabrück aus mit einem KTW versorgt werde.

Dass die Gemeinde Mettingen sich angesichts dieser Argumente plötzlich auf die Seite der Stationskommunen schlagen könnte, steht wohl nicht zu erwarten. Man werde sich mit Westerkappeln „auf keinen Fall“ auseinanderdividieren lassen, versichert Rählmann. Fachlich wolle sie die Stellungnahme der Stationskommunen gar nicht beurteilen. Dafür gebe es ja die Experten. Und die Gutachter seien zu einem anderen Ergebnis gekommen.

Auch Große-Heitmeyer pocht darauf, dass der Rettungsdienstbedarfsplan so wie im Entwurf beschlossen wird, zumal Westerkappeln mit dem Kauf eines großen Grundstücks an der Mettinger Straße schon in Vorleistung getreten sei und der Neubau der Wache schon mit dem Kreishaushalt beschlossen sei. Der Kreis habe beim Rettungsdienst einen Flächenauftrag. Die Gutachter hätten für den ländlichen Raum eine erhebliche Unterversorgung festgestellt. Dies müsse korrigiert werden.

Das Verhalten insbesondere der Stadt Ibbenbüren findet sie befremdlich. Deren Bürgermeister, Marc Schrameyer, versuche offenbar, „die anderen Städte gegen uns zu mobilisieren.“

Zusammenarbeit mit dem DRK

In Westerkappeln hat der Kreis Steinfurt das Deutsche Rote Kreuz mit dem Rettungsdienst beauftragt. Zunächst geschah dies in Form eines Probebetriebes, seit knapp einem Jahr mit einem festen Vertrag. Diese Zusammenarbeit scheint den sieben Stationskommunen (Ibbenbüren, Rheine, Greven, Lengerich, Emsdetten, Ochtrup und Steinfurt) nicht so recht zu passen, wie ihrer Stellungnahme zum Entwurf des Rettungsdienstbedarfsplanes zu entnehmen ist. Denn der Vertrag sei nicht mit dem DRK Kreisverband Tecklenburger Land geschlossen worden, sondern mit dessen hundertprozentiger Tochter, der DRK Bürgerservice Tecklenburger Land gGmbH. Bei der Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen – Johanniter-Unfallhilfe und Malteser – seien keine Tochtergesellschaften beteiligt. In diesem Zusammenhang weisen die Stationskommunen darauf hin, „dass in NRW die technische und medizinische Rettung seit bestehen des Landes in der Hand der Feuerwehr liegt und durchweg als positiv zu bewerten ist.“

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