„Anonyme Beschwerde“
Freie Schule in Ibbenbüren im Visier der Schulaufsicht

Ibbenbüren -

Ruhe ausstrahlen, das entspricht dem Naturell von Hermann Stubbe. Auch das macht ihn wohl zum richtigen Mann, jetzt, wo das Damoklesschwert der Schließung über der Freien Schule Tecklenburger Land schwebt. Seit Kurzem führt der Mitbegründer wieder als Vorsitzender des Vorstandes den gleichnamigen Verein an und setzt sich für den Erhalt der seit acht Jahren bestehenden Schule ein.

Donnerstag, 07.06.2018, 15:52 Uhr

Hermann Stubbe: Wir erwarten von der Bezirksregierung, dass auch hinter uns positiv gestanden wird
Hermann Stubbe: Wir erwarten von der Bezirksregierung, dass auch hinter uns positiv gestanden wird Foto: privat

Für Eltern, Schüler und Lernbegleiter wäre die Schließung „eine Katastrophe“, und natürlich bringe die derzeitige Situation „Unruhe ins System“, so Stubbe . Aber gleichzeitig strahlt er Zuversicht aus. Der Gesamtschullehrer aus Saerbeck, vielen besser bekannt als Grünen-Kreistagsabgeordneter, ist überzeugt von der Freien Schule, die er als eine „Nischenschule“ beschreibt, deren Credo es sei, dass jeder Schüler seine Individualität leben darf.

Und er sagt, dass nicht die ganze Zeit Sand im Getriebe zwischen der Freien Schule und der Bezirksregierung (obere Schulaufsicht) gewesen sei. In den ersten Jahren – nachdem die Genehmigung der Schule juristisch erstritten worden war – sei die Zusammenarbeit sehr gut gewesen, so Stubbe. Die ersten Bewertungen durch die Bezirksregierung „waren vorbildlich“, so Stubbe. Gewendet habe sich das Blatt vor etwa zwei Jahren. „Anonyme Beschwerden“ sind laut Stubbe der Grund, warum vonseiten der Bezirksregierung „plötzlich ein anderer Ton“ geherrscht habe. Bei einer Regelschule stelle sich die Bezirksregierung bei einer anonymen Beschwerde gewiss zunächst hinter die Schule, meint Stubbe. „Wir erwarten von der Bezirksregierung, dass auch hinter uns positiv gestanden wird“, sagt Stubbe. Aber: „Da sind wir sehr enttäuscht.“ Stubbe ist dennoch optimistisch, dass sich die Zusammenarbeit wieder bessert.

Zwar geht er davon aus, dass die Bezirksregierung der Schule die Genehmigung entziehen wird, rechnet aber gleichzeitig damit, dass eine Klage für die Schule positiv ausgehen wird. Wenn jetzt ein negativer Bescheid kommt, werde die Schule postwendend eine einstweilige Verfügung erwirken, die den Weiterbetrieb bis zum Entscheid des Gerichts sicherstellen soll.

Im Grundsatz gehe es bei der Mängelliste der Schulaufsicht um die fachliche und formale Gleichstellung. Die Mängelauflistung enthalte „teils sachliche Fehler, also Falschaussagen“, teils sei sie „einseitig formuliert“, und es gebe „ein paar Dinge, wo man sich auseinandersetzen muss“, so Stubbe.

Dazu gehört wohl auch der Vorwurf, es werde Schulgeld erhoben. „Die Ersatzschule muss grundsätzlich von allen Eltern und Schülern ohne Rücksicht auf ihre wirtschaftliche Lage in Anspruch genommen werden können“, lautet ein Erlass des Schulministeriums zum Schulgesetz NRW. Daher werden Ersatzschulen zu 87 Prozent vom Land finanziert. Die restlichen 13 Prozent müssen Ersatzschulen aus eigener Kraft aufbringen. Dazu tragen an der Freien Schule die Eltern bei. Aber: „Wir nehmen die Schüler auf, ohne zu wissen, wie viele Beiträge die Eltern zahlen“, so Stubbe. Die Beiträge seien nach Einkommen gestaffelt, und es gebe auch Eltern, die keinen Beitrag zahlen. Schulgeld oder Beitrag, letztendlich könnte man es Wortklauberei nennen. Wenn die Schulaufsicht nun Fördergeld zurückfordern sollte („es geht um drei Jahre, die anders bewertet werden sollen“), dann habe das auch Auswirkungen auf andere Schulen in freier Trägerschaft, die sich durch Elternbeiträge finanzieren, meint Stubbe.

Derzeit laufen noch die Anmeldungen zur Freien Schule. Die 14 Schüler der Primarstufe werden im kommenden Jahr deutlich mehr, so Stubbe. Zwölf feste Anmeldungen lagen bereits vor, aber wegen der aktuellen Situation seien einige abgesprungen.

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