Firma Reichenbach bereitet sich seit Jahren auf Kohle-Ausstieg vor
Ibbenbürener Unternehmen hat Berge versetzt

Ibbenbüren -

Die Firma Reichenbach hat in den vergangenen Jahrzehnten Berge versetzt. Jeder Meter, den die Bergehalden auf dem Dickenberg wuchsen, wo die Gesteinsreste aus der Kohleförderung lagern, ist auf einem Reichenbach-Lkw dorthin befördert worden. Oben haben die Mitarbeiter der Firma mit Planierraupe und Bagger den Halden die Form gegeben, die sie heute haben. Doch diese Arbeit endet nun. Die Firma schließt dieses Kapitel.

Sonntag, 16.09.2018, 17:11 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 16.09.2018, 17:11 Uhr
Die Rudolfhalde auf dem Dickenberg wird noch bis Ende des Jahres genutzt. Zeitgleich wird sie nach und nach bepflanzt, damit sie sich möglichst in Landschaftsbild einpasst und der Natur wieder Raum gibt.
Die Rudolfhalde auf dem Dickenberg wird noch bis Ende des Jahres genutzt. Zeitgleich wird sie nach und nach bepflanzt, damit sie sich möglichst in Landschaftsbild einpasst und der Natur wieder Raum gibt. Foto: Linda Braunschweig

60 Jahre war die RAG beziehungsweise zuvor die Preussag der einzige Kunde des Fuhrunternehmens. Angefangen hat alles mit einem Lkw und einem Bus. Reichenbach fuhr zunächst vor allem die Bergleute: In den 1950er Jahren hatte kaum einer von ihnen ein eigenes Auto. Der Reichenbach-Bus brachte sie zur Zeche.

Nach und nach wurde der Abtransport der Waschberge – so werden die Gesteinsreste genannt, die bei der Kohlenförderung unvermeidlich sind – das Hauptgeschäft. „Das ist kontinuierlich gestiegen“, erklärt Jochen Maug, der die Firma heute zusammen mit Christina Reichenbach führt. In der Hochphase, als im Jahr 1,9 Millionen Tonnen Kohle gefördert wurden, war Reichenbach mit 45 Mitarbeitern und im Zwei-Schicht-Betrieb auch nachts im Einsatz.

Fünf Tage in der Woche lief die Kohlenwäsche, die mit viel Wasser die Kohle vom restlichen Gestein löst, in dieser Zeit. Später wechselte der Betrieb auf vier Wochentage. Immer mit dabei: Die Lkw von Reichenbach, die jeder kennt, der öfter mal die Osnabrücker und Rheiner Straße passiert.

Wöchentlich brachten sie um die 50 000 Tonnen Waschberge auf die Halde. Seit 2014 ging die Förderung dann langsam zurück – bis auf 800 000 Tonnen in diesem Jahr. Entsprechend gesunken war zuletzt die Zahl der Berge-Fahrten. Inzwischen ist die Kohlenförderung beendet, die Kohlenwäsche liegt trocken. Jetzt sind die Reichenbach-Fahrer für neue Auftraggeber unterwegs.

Schon früh, 2010, hat die Firma, damals noch unter Leitung des im vergangenen Jahr verstorbenen Geschäftsführers Axel Reichenbach, begonnen, auch für andere Firmen zu fahren und diesen neuen Kundenmarkt immer weiter ausgebaut. „Damit sind wir jetzt in der glücklichen Lage, dass das die Zukunft für unser Unternehmen ist“, erklärt Prokurist Jochen Maug. „Die Nachfrage ist groß.“ Um 20 auf 25 Mitarbeiter hat sich die Mannschaft verringert, ohne betriebsbedingte Kündigungen, das ist den Geschäftsführern wichtig. Manche Mitarbeiter hätten sich umorientiert, andere gingen in Rente. „Diesen Stamm möchten wir jetzt halten.“ Das Transportunternehmen hatte Zeit sich vorzubereiten. Ein paar neue Maschinen sind dazu gekommen, damit die Firma auf ihrem neuen Geschäftsfeld mithalten kann: Abbrüche abfahren, Flächen planieren. Aufträge gibt‘s genug. Die alten Fahrzeuge von der Halde haben neue Aufgaben bekommen. „Die Kapazitäten wurden frei und wir haben uns auf dem Markt umgeschaut“, erklärt Maug. Und: Die Zusammenarbeit mit der RAG soll nicht komplett enden. „Wir sind da in positiven Verhandlungen“, sagt Maug.

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