Freie Schule Tecklenburger Land
Pädagogisches Konzept überarbeitet und neu strukturiert

Tecklenburger Land -

„Wir bekommen widersprüchliche Signale“, sagt Hermann Stubbe, Vorstandsvorsitzender des Vereins Freie Schule Tecklenburger Land e.V. (FSTL). Mehrfach waren während der vergangenen Monate Vertreter der Bezirksregierung in der Freien Schule in Ibbenbüren. Nachdem die Bezirksregierung Münster als Genehmigungsbehörde im April Mängel gerügt und mit der Schließung gedroht hatte, hatte sie nach einem Anhörungstermin im Juni das Anhörungsverfahren bis Ende Januar 2019 verlängert und der Freien Schule bis dahin Gelegenheit gegeben, in einigen strittigen Punkten nachzubessern.

Montag, 26.11.2018, 12:20 Uhr
Hermann Stubbe, Vorstandsvorsitzender des Vereins Freie Schule Tecklenburger Land, im Gespräch mit einer Schülerin. „Wir haben tüchtig gearbeitet“, sagt er über die Anstrengungen zur Überarbeitung des pädagogischen Konzeptes.
Hermann Stubbe, Vorstandsvorsitzender des Vereins Freie Schule Tecklenburger Land, im Gespräch mit einer Schülerin. „Wir haben tüchtig gearbeitet“, sagt er über die Anstrengungen zur Überarbeitung des pädagogischen Konzeptes. Foto: Cornelia Ruholl

Das sei inzwischen geschehen und werde noch weiter fortgesetzt, so Hermann Stubbe . Ein Besuch der Primarstufe vor einigen Wochen sei sehr gut verlaufen. „Da sind wir mit einem sehr guten Gefühl `rausgegangen und haben gedacht, wir hätten den Durchbruch geschafft und man könnte mit Perspektive weiterarbeiten.“ Dagegen sei es beim Besuch der Sekundarstufe wieder gewesen, „wie wir es von Anfang an erlebt haben.“

Positive Signale habe es auch bei einem „Meilensteingespräch“ mit der Bezirksregierung im Oktober gegeben, ein zweites Meilensteingespräch sei vorgesehen. Er hoffe, dass dies noch vor den Weihnachtsferien folgen werde, so Stubbe. Unterm Strich aber sei er mit Blick auf die Zukunft der Schule nach wie vor „sehr zuversichtlich“. Die Entwicklung sei „sehr positiv aufgenommen“ worden.

Vor allem die Umsetzung pädagogischer Konzepte und das Fehlen von Schulleitungen an Grund- und Realschule hatte die Bezirksregierung moniert. Daneben gab es den Vorwurf, die Elternbeiträge kämen der Erhebung von Schulgeld gleich. Ein weiterer Kritikpunkt war die zu kleine Schulgröße. In den letzten Monaten habe die Schule sehr intensiv gearbeitet, ganz besonders hinsichtlich der pädagogischen Konzepte, so Stubbe. Es wurde ein neues Curriculum geschrieben. „Es ist nicht so, dass bis dahin alles falsch war, aber wir haben alles noch einmal auf den Prüfstand gestellt“, sagt der erfahrene Pädagoge. In dieser Richtung wolle man auch bei der weiteren Entwicklung arbeiten. Stubbe betont: „Wo Fachleute uns beraten, wollen wir uns nicht verschließen. Wenn die Bezirksregierung uns Hilfe anbietet, sind wir dafür sehr offen.“

Zum Thema Schulgröße sagt Stubbe, dass die Zielmarke bei 200 Schülern liege (derzeit hat die Schule 86 Schüler), wobei er einen Zuwachs von zehn Schülern jährlich als realistisch ansehe. „Das hätten wir dieses Jahr auch mindestens gehabt, wenn wir nicht diese Schwierigkeiten gehabt hätten.“ Deshalb brauche die Schule im Januar ein klares Signal für die Zukunft.

Das pädagogische Konzept

Das neue pädagogische Konzept der FSTL zeigt eine klarere Struktur des vernetzten Unterrichts, der ein Drittel des wöchentlichen Stundenplans an der Freien Schule ausmacht. „Wir haben ja nicht die klassischen Schulfächer. Aber die Inhalte der Kernlehrpläne wollen wir erfüllen“, sagt Hermann Stubbe. Gelernt wird jeweils ausgehend von gesellschaftlich-naturwissenschaftlichen Themen, die im Rahmen von vierwöchigen Epochen erarbeitet werden. Die Hauptfachthemen werden angegliedert, haben eine Hilfsfunktion. Alles, was in den Kernlehrplänen vorgegeben ist, finde sich im Unterricht auch wieder, so Stubbe. Ein Schüler durchläuft zehn Themenepochen je Schuljahr und jede im Lehrplan geforderte Kompetenz sei einem der Themen zugeordnet. Der zweite große Block im Stundenplan ist die Freiarbeit, wobei die Schüler an selbst gewählten Themen arbeiten. Zur besseren Strukturierung der Freiarbeit wurde ein Kompetenzraster entwickelt, ein Instrument, das aus der Montessori-Pädagogik bekannt ist. Der Stoff der Hauptfächer wurde in einzelne Kompetenzen aufgeteilt, welche als Bausteine in dem Raster zu finden sind. Das erleichtert die Übersicht über Lernstoff, -ziele und -fortschritt.Zu jedem Baustein aus dem Kompetenzraster gibt es eine Lernwegeliste zur Erarbeitung der einzelnen Module. Und natürlich könnten die Schüler sich stets von ihren Lernbegleitern Hilfe holen. Zudem dokumentieren die Schüler die Freiarbeit in einem Logbuch. Die Schule arbeitet nach dem Mentorenprinzip, wobei jeweils zehn bis zwölf Schüler zu einer Mentorengruppe gehören. Dort könne man dann sehen, wie weit die einzelnen Schüler im Lernprozess fortgeschritten sind, so Stubbe.

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Sowohl für die Grundschule wie auch für die Realschule werde es demnächst einen formellen Schulleiter geben. Für die Realschule werde das wahrscheinlich schon zum Beginn des nächsten Schuljahres gelingen. Bei der Frage der Finanzierung gehe es letztlich um ein rechtliches Konstrukt, über das eigentlich eine politische Entscheidung nötig wäre, meint Stubbe. „Privatschulen brauchen klare Aussagen darüber, was wir machen müssen, dass es rechtssicher ist.“ Aber: „Um Druck aus dem Kessel zu nehmen“, werde die FSTL einen neuen Verein, einen reinen Förderverein gründen, über den dann die Elternbeiträge laufen, wobei es natürlich keine zwangsläufige Verbindung mit dem Schulbesuch gebe. Das solle künftig dadurch gewährleistet werden, dass das Aufnahmegespräch getrennt von einem Gespräch über Elternbeiträge (nach Selbsteinschätzung) geführt werde. Und zwar von zwei verschiedenen Personen.

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