PCB-Pilotstudie
Die Gewissheit, die Sorgen und Ängste

Ibbenbüren -

Der eine Teil der Anfang Januar vorgestellten PCB-Studie der RAG bestand aus Wissenschaft. Eine geeignete Methode finden, um PCB überhaupt nachzuweisen, Probanden finden, Blutproben nehmen, Laborarbeit. So fand Professor Thomas Kraus von der RWTH Aachen heraus, dass 96 von 210 Probanden erhöhte PCB-74-Werte haben. Doch es gab da noch einen anderen Ansatz, den die RAG-Verantwortlichen nicht müde wurden, zu betonen. Einen ethischen.

Montag, 28.01.2019, 11:48 Uhr
Auch im Ibbenbürener Bergwerk waren viele Bergleute bis in die Achtzigerjahre PCB-Belastungen ausgesetzt. Vier von acht Probanden weisen noch heute erhöhte PCB-74-Werte auf, studienweit waren es 96 von 210.
Auch im Ibbenbürener Bergwerk waren viele Bergleute bis in die 1980er Jahre PCB-Belastungen ausgesetzt. Vier von acht Probanden weisen noch heute erhöhte PCB-74-Werte auf, studienweit waren es 96 von 210. Foto: Heinrich Weßling

„Eine entscheidende Frage war: Ist es ethisch vertretbar, ehemalige Bergleute mehr als 30 Jahre, nachdem die Verwendung von PCB unter Tage endete, mit der Frage zu konfrontieren, ob sie heute möglicherweise erhöhte PCB-Belastung aufweisen?“, wird Kraus im RAG-Mitarbeitermagazin zitiert. Denn das löse natürlich Sorgen und Ängste aus. „Das, was wir gemacht haben, wäre bei einer Routineuntersuchung nie aufgefallen“, sagt Kraus.

Mit der Frage befasste sich die Ethikkommission der RWTH Aachen . Ein Steuerkreis aus vielen Beteiligten klärte datenschutzrechtliche Fragen, beauftragte das Studienkonzept. Und es galt auch abzuwägen, ob der Erkenntnisgewinn höher wiegt als eine mögliche Verunsicherung der Bergleute – Mitarbeiter aus den Jahrgängen 1947 bis 1968, die längst im Ruhestand sind, wie Joachim Löchte , Zentralbereichsleiter Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz der RAG , betonte.

Die Ethikkommission der RWTH Aachen kam letztlich zu dem Schluss, die Studie anzugehen. Ein Schluss, den auch der Gesamtbetriebsrat unterstützte: „Wenn wir Erkenntnisse erhalten, dann gehen wir diesen Weg mit“, sagte Gesamtbetriebsratsvorsitzende Barbara Schlüter. Und: „Wir bieten die Teilnahme an Untersuchungen an, um mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit auf ein Mindestmaß zu reduzieren.“

Das medizinische Betreuungsangebot richtet sich an die Studienteilnehmer. Es sollen mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit erkannt werden. Dabei werden spezielle Blutwerte und Organe untersucht, die bei PCB-bedingten Erkrankungen Veränderungen aufweisen können, schreibt die RAG im Mitarbeitermagazin.

Steuerkreis

Der Steuerkreis der Pilotstudie zur PCB-Belastung (polychlorierte Biphenyle) setzt sich zusammen aus vielen Akteuren und Institutionen:

...

Ob es eine Folgestudie gibt, die einen Zusammenhang zwischen der PCB-Belastung der Bergleute und auftretenden Erkrankungen belegt, darum kümmert sich wieder der Steuerkreis. Er steckt erneut die Machbarkeit und die Rahmenbedingungen für eine Folgestudie mit tausenden Probanden ab. Diese Menge braucht es laut Kraus, da – wie berichtet – die durch PCB ausgelösten Krankheiten, etwa Hautkrebs, auch ohne PCB-Einfluss häufig in der Bevölkerung auftreten.

Ob sich genug Teilnehmer in dem etwa 30 000 Bergleute umfassenden Personenkreis finden, steht in den Sternen. „Wir haben uns schon gemüht, diese 210 Bergleute zusammenzubekommen“, hatte RAG-Vorstandsvorsitzender Peter Schrimpf bei der Präsentation der Ergebnisse der Studie gesagt. Angeschrieben hatte die RAG 1000 Bergleute.

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