34-Jähriger wegen Körperverletzung verurteilt
Partnerin geschlagen und gewürgt

Westerkappeln/Ibbenbüren/Tecklenburg -

639 Fälle von häuslicher Gewalt hat die Polizei im vergangenen Jahr im Kreis Steinfurt registriert. Einer davon, der sich im Sommer vergangenes Jahres in Westerkappeln ereignet hat, ist nun vor dem Amtsgericht Tecklenburg aufgearbeitet worden. Der Angeklagte, ein 34-Jähriger Mann, der jetzt in Ibbenbüren lebt, hatte seine Lebensgefährtin schwer verletzt.

Montag, 18.02.2019, 15:30 Uhr aktualisiert: 19.02.2019, 22:04 Uhr
Ein 34-jähriger Ibbenbürener hat vergangenes Jahr seine Lebensgefährtin in der damals gemeinsamen Wohnung in Westerkappeln schwer misshandelt.
Ein 34-jähriger Ibbenbürener hat vergangenes Jahr seine Lebensgefährtin in der damals gemeinsamen Wohnung in Westerkappeln schwer misshandelt. Foto: dpa

Es war ein gemütlicher Sommerabend. Wie es zu der Eskalation kommen konnte, weiß das Opfer noch genau. Eifersucht sei der Anlass für den Ausraster des Mannes gewesen, der eigentlich „ein herzensguter Mensch“ sei, sagt die 33-Jährige in der Verhandlung aus. Zudem hätten sie beide viel Wein getrunken.

Partnerin schließt sich in Bad ein

Es gab zunächst einen verbalen Streit in der gemeinsamen Wohnung in Westerkappeln. Dann ohrfeigte der Angeklagte seine Partnerin. Als diese sich im Bad eingeschlossen hatte, trat der 34-Jährige die Tür ein, nahm die Frau in den Schwitzkasten und würgte sie. Anschließend schleuderte er sie durch den Flur auf das Bett im Schlafzimmer, wo sie mit der Stirn gegen die Wand stieß und kurz bewusstlos wurde. Danach nahm er sie erneut in den Schwitzkasten und zerrte sie am Zopf.

Geschlagene Frau und Angeklagter wieder ein Paar

All das räumt der Mann vor Gericht ein. „Wenn sie das so sagt, wird es so gewesen sein“, erklärt er. Erinnern kann er sich an das Geschehen nicht so gut. Noch drei Stunden nach der Tat lag sein Blutalkoholspiegel bei 2,3 Promille.

Die damalige Lebensgefährtin und heutige Freundin – die beiden sind wieder ein Paar, leben aber in getrennten Wohnungen – trug eine Gehirnerschütterung, Quetschungen an Armen, Hals und Kopf, Prellungen am Oberkörper und am Knie sowie Schnittverletzungen durch auf dem Boden liegende Scherben davon.

Bewährung für den Angeklagten

Das Amtsgericht hat gegen den Ibbenbürener eine Freiheitsstrafe von einem Jahr verhängt – ausgesetzt zur Bewährung. Der 34-Jährige war ursprünglich wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. In der Hauptverhandlung erteilt das Gericht jedoch den rechtlichen Hinweis, dass auch einfache Körperverletzung in Betracht komme. Der Verteidiger hat zuvor deutlich gemacht, dass die Verletzungen, die sein Mandant seiner Lebensgefährtin zufüge, nicht lebensgefährdend gewesen seien.

Es war nicht sein erster Angriff

Es war nicht der erste Angriff des 34-Jährigen auf seine Lebensgefährtin, „aber ich weiß, dass er das nicht wollte“, nimmt die Frau ihren Peiniger in Schutz. Ihr Freund wisse selbst, dass er schnell aggressiv werde und habe deshalb bereits eine Therapie gemacht, fährt sie fort.

Der Angeklagte hat ein langes, auch einschlägiges Vorstrafenregister. „Alkohol, Konflikte, Gewaltausbrüche, wenn ich das so sehe, gibt mir das zu denken“, wendet sich der Richter an den Angeklagten, der vor mehr als zwölf Jahren – ebenfalls unter Alkoholeinfluss – seiner damaligen schwangeren Freundin auf den Bauch geschlagen hatte. Jetzt redet sich der Mann damit heraus, dass er damals erst 21 Jahre alt und in schlechter Gesellschaft gewesen sei.

Verteidiger: Mandant habe die Frau zwar gewürgt, aber wohl nicht durch Druck auf die Halsschlagader oder den Kehlkopf

„Der Strafrahmen bleibt“, stellt das Gericht klar, dass eine vom Verteidiger angesprochene Strafmilderung nicht in Frage kommt. Dieser hat ausgeführt, dass sein Mandant die Frau zwar gewürgt habe, aber wohl nicht durch Druck auf die Halsschlagader oder den Kehlkopf. Ihre Bewusstlosigkeit könne demnach auch eine Folge des erheblichen Alkoholkonsums gewesen sein. Zudem habe es sich um „eine Konfliktsituation in einer speziellen Partnerschaft“ gehandelt. Er fordert für den seiner Meinung nach „vermindert schuldfähigen und geständigen“ Mann eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 25 Euro.

Wenn Sie wegen eines ähnlichen Vorfalls noch einmal vor mir sitzen, gibt es keine Bewährung mehr.

Richter

Darauf lässt sich der Richter nicht ein. „Das ist nicht mehr mit einer Geldstrafe zu ahnden“, stellt er klar. Für eine Bewährung spreche auch nicht allzu viel. Da der 34-Jährige Arbeit habe, das Anti-Aggressionstraining gemacht habe und das Paar inzwischen in getrennten Wohnungen lebe, setzt er die Freiheitsstrafe zur Bewährung aus, für eine Dauer von vier Jahren. Außerdem muss der Mann eine Geldbuße von 2000 Euro zahlen und erhält die Weisung, „übermäßigen Alkoholkonsum zu vermeiden“.

„Wenn Sie wegen eines ähnlichen Vorfalls noch einmal vor mir sitzen, gibt es keine Bewährung mehr“, warnt der Richter. Der Staatsanwaltschaft hat eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren gefordert.

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