Schwerer Raub in Westerkappeln
Kein Prozess ohne Strafverteidiger

Westerkappeln/Ibbenbüren -

Für den 42-Jährigen geht es um viel. „Nehmen sie das nicht auf die leichte Schulter“, ermahnt ihn Richter Frank Michael Davids. Sollten sich die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit einer Raubstraftat in Westerkappeln bestätigen, drohen dem Osnabrücker mehrere Jahre Gefängnis. Doch am Freitag ist er erst einmal ungeschoren davon gekommen. Denn der Prozess wurde gar nicht erst eröffnet.

Sonntag, 24.03.2019, 15:00 Uhr
 
  Foto: dpa

Das hatte seinen Grund: Der 42-Jährige erschien zur angesetzten Hauptverhandlung vor dem Schöffengericht in Ibbenbüren ohne Verteidiger. Sein Anwalt hatte das Mandat aus unbekannten Gründen niedergelegt. Weil der Osnabrücker nach eigener Darstellung vier Wochen dienstlich in Portugal gewesen ist, habe er es versäumt, sich rechtzeitig um einen neuen Beistand zu kümmern. „Ich habe das verpasst, weil ich mich mit dem Termin um eine Woche vertan habe“, erzählt der Angeklagte.

Er muss sich wegen schweren Raubes, gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung eines anderen vor Gericht verantworten. Am 22. Januar vergangenen Jahres wollte der 42-Jährige offenbar Schulden bei einem Westerkappelner eintreiben, wie Richter Davids zum Fall kurz skizziert, um dem Angeklagten den Ernst seiner Lage deutlich zu machen. Der Osnabrücker soll dem Westerkappelner Geld weggenommen und diesen dabei ins Gesicht geschlagen haben. „Wenn man jemanden mit Gewalt etwas wegnimmt, ist das ein Raub“, klärt der Richter auf. Und wenn dann noch eine Waffe im Spiel ist, handele es sich um schweren Raub. Laut Aktenlage hatte der 42-Jährige mit einem Motorradhelm und dem Knauf eines Messers zugeschlagen. Weitere Details zu dem Geschehnis wurden nicht genannt.

Für so einen schweren Raub sieht § 250 des Strafgesetzbuches eine Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren vor. Da wunderte es selbst den Beschuldigten, dass er nicht vor dem Landgericht angeklagt ist, das bei Haftandrohungen von mehr als vier Jahren zuständig ist. Der zuständige Staatsanwalt, der die Anklage geschrieben hat, geht aber offensichtlich von einem minderschweren Fall aus, der bei einer Verurteilung mit Freiheitsstrafen von einem bis zu zehn Jahren belegt wird. Richter Davids zieht mit Blick auf den Auszug des Bundeszentralregisters, der die Vorstrafen auflistet jedoch in Zweifel, „ob es sich hier noch um einen minderschweren Fall handelt.“

So oder so: Ohne Verteidiger kommt der 42-Jährige nicht zurecht. „Sie können und dürfen das nicht alleine machen, weil hier ein Verbrechen angeklagt ist“, erklärt der Richter zu den Spielregeln der Strafprozessordnung. Davids und die beiden gerade vereidigten Schöffen ziehen sich zunächst ins stille Kämmerlein zurück. Der Versuch, den früheren Rechtsbeistand des 42-Jährigen zu kontaktieren, scheitert. Der Anwalt ist nicht erreichbar.

Also bietet Davids dem Angeklagten an, einen Pflichtverteidiger zu bestellen, „und zwar einen, der Ahnung von Strafrecht hat“, betont der Richter. „Ich arbeite ungern mit Amateuren.“

Der Osnabrücker ist damit einverstanden. Jetzt soll ein neuer Hauptverhandlungstermin angesetzt werden. Spätestens dann dürfte feststehen, wie schwer die Vorwürfe gegen den 42-Jährigen tatsächlich wiegen.

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