„Trust-Buddys“ am Ibbenbürener Kepler-Gymnasium
Ansprechpartner für ein heikles Thema

Ibbenbüren -

Es ist ein ganz heikles Thema, für das die „Trust-Buddys“ am Johannes-Kepler-Gymnasium ihren Mitschülern als Ansprechpartner zur Verfügung stehen: sexuelle Gewalt oder Missbrauch. Zurzeit lässt sich ein Dutzend Schülerinnen als neue „Buddys“ ausbilden. Aus einer ersten Ausbildungsrunde im Schuljahr 2016/17 sind bereits zwei Schülerinnen als Ansprechpartner qualifiziert. Die Schüler sollen Hilfe vermitteln, nicht selbst beraten.

Donnerstag, 06.06.2019, 11:06 Uhr
Die Trust-Buddys am Kepler-Gymnasium stehen als Ansprechpartner für Mitschüler zur Verfügung, die sexuelle Gewalt erlebt haben. Leonie Runde, Greta Stallforth, Basma Yassine, Amelie Baune, Doreen Verfürth (hinten, von links) sowie Altje Wolters, Hannah Huilmann, Amelie Heeke und Clara Peitzmann (voorne von links) absolvieren gerade eine Ausbildung.
Die Trust-Buddys am Kepler-Gymnasium stehen als Ansprechpartner für Mitschüler zur Verfügung, die sexuelle Gewalt erlebt haben. Leonie Runde, Greta Stallforth, Basma Yassine, Amelie Baune, Doreen Verfürth (hinten, von links) sowie Altje Wolters, Hannah Huilmann, Amelie Heeke und Clara Peitzmann (voorne von links) absolvieren gerade eine Ausbildung. Foto: Linda Brauschschweig

Jungen sucht man in dem Projekt, das Sozialpädagogin Bärbel Gövert 2015 angestoßen hat, allerdings vergebens. „Da haben wir Nachholbedarf“, sagt Gövert, die sehr froh ist, dass sich zur aktuellen Ausbildung so viele Interessierte gemeldet haben. Doreen Verfürth ist eine von ihnen. „Es ist wirklich ein heikles Thema, über das viele nicht reden können oder Angst haben, darüber zu reden. Es ist wichtig, dass sie jemanden haben, der ihnen zuhört, sich in sie hineinversetzt und behutsam damit umgeht“, sagt die 15-Jährige.

Wie ihre Mitschülerinnen lernt sie bei Bärbel Gövert sowie den Kooperationspartnern der Beratungsstelle Zartbitter aus Münster und des Kinderschutzbundes unter anderem Gesprächsführung, aber auch, die Dinge nicht zu nahe an sich heran zu lassen.

„Es ist interessant zu sehen, wie man helfen kann“, sagt Altje Wolters (15). „Wir lernen zum Beispiel wie man aktiv zuhört“, ergänzt Basma Yassine . Für Betroffene sei es am besten, wenn sie jemanden hätten, der ihnen zuhört. „Wenn es etwas gibt, das wir tun können, dann das“, findet Basma, die sich auch früher schon gefragt hat, wie sich die Betroffenen wohl fühlen mögen, und gerne helfen möchte.

Noch nicht ganz fest steht derzeit, wie die „Buddys“ am besten kontaktiert werden können. Ein Büro wäre schwierig, da ist sich die Gruppe einig. Schließlich ist Anonymität bei dem Thema alles. „Das ist nun mal was anderes als bei den Streitschlichtern“, sagt Gövert. Da können sich die Schülerinnen erst einmal nur darauf verlassen, dass ihre Mitschüler sich trauen, sie einfach anzusprechen.

Aber auch darüber hinaus will Gövert mit der Gruppe auf das Thema aufmerksam machen. Zuletzt hatte sie die Ausstellung „Echt krass! Wo hört der Spaß auf?“ dazu an die Schule geholt (wir berichteten). „Die Ausstellung hat polarisiert, einige fanden sie super, andere völlig am Thema vorbei“, bilanziert Gövert.

Die „Trust-Buddys“ sind neben den Streitschlichtern, den „Cyber-Buddys“, den Klassenpaten für die Fünfer, den Sporthelfern und den Sprachenmentoren ein Baustein zur Prävention am Kepler. Die Ausbildung ist auf eineinhalb Jahre ausgelegt. Etwa alle vier Wochen treffen sich die Schülerinnen mit Bärbel Gövert.

Das Projekt wird vom Förderverein des Gymnasiums und des MgK (Menschen gegen Kindesmissbrauch) finanziert.

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