50 Jahre Caritasverband Tecklenburger Land
Ein Spiegelbild der Gesellschaft

Ibbenbüren/Tecklenburger Land -

Das Portfolio des Caritasverbandes Tecklenburger Land zeigt sich vielschichtig. Es umfasst Angebote und unterstützende Dienste für Jung und Alt. Als großer Zweig stellt sich der Bereich Beratung dar: Von Beginn an vor 50 Jahren stand der Einsatz für Menschen mit Suchtproblemen sowie die Familienpflege auf der Agenda.

Montag, 17.06.2019, 17:30 Uhr
Im Jahr 1974 bezog der Caritasverband das ehemalige Finanzamtsgebäude an der Klosterstraße in Ibbenbüren.
Im Jahr 1974 bezog der Caritasverband das ehemalige Finanzamtsgebäude an der Klosterstraße in Ibbenbüren. Foto: Caritasverband

„Am Anfang stand die Suchtberatung“, erklärt Johannes Rott , Abteilungsleiter Sucht, Kinder, Jugend und Familie sowie Fachberater der Gemeindecaritas. Im Laufe der Zeit zeigte sich der Bedarf für weitere Beratungs- und Unterstützungsangebote wie die Familienpflege, die Kurberatung, den psychiatrischen Dienst oder die Gemeindecaritas.

Sechs Beratungsstellen sind heute bei dem Caritasverband angesiedelt. Hinzu kommen „ehefamilieleben“, ein Angebot des Bistums Münster im Haus des Caritasverbandes in Ibbenbüren und die Sozialberatung für Schwangere der Caritas Rheine.

Gegründet hat sich der Caritasverband Tecklenburger Land 1969. Im gleichen Jahr wurden die Suchtberatung und die Ehe-, Familie- und Lebensberatung angeboten. Als ehemalige Fachdienstleiterin der Beratungsstelle Eltern, Jugendlichen und Kinder, die 34 Jahre für den Verband gearbeitet hat, weiß Christiane Fließ, welche Entwicklungen und Veränderungen die Beratungsarbeit genommen hat. „Die Methoden haben sich verändert“, erklärt sie.

Früher sei in ihrem Bereich, der Beratung von Eltern, Jugendlichen und Kindern, mehr Kindertherapie durchgeführt worden. Viel länger dauernde Prozesse konnten begleitet werden. Es entwickelte sich aber immer mehr dahin, dass „wir unsere Aufgabe als Beratungsstelle heute in dem Sinne wahrnehmen, dass wir ziemlich schnell handeln und vor allem lösungsorientierter arbeiten müssen“, so Fließ.

Verändert haben sich aber auch die Menschen, die einen Beratungsdienst aufsuchen. Es geht nicht mehr vorwiegend um die Begleitung, sondern oftmals darum, Lösungen auf Fragen zu finden. Insgesamt sei die Schwelle, einen Beratungsdienst aufzusuchen, deutlich niedriger als früher. „In einen Dienst reinzugehen, zur Caritas zu gehen, das war früher sehr schwierig für die Menschen“, weiß Fließ.

Als Grund sieht sie mitunter das veränderte gesellschaftliche Bild. Jeder kenne es, in eine Krise zu kommen, mal eine Frage oder Schwierigkeiten zu haben. Vor 30 Jahren, so Fließ, haben es die Menschen eher geheim gehalten. Hinzu kommt, dass die Mitarbeiter in den Beratungsdiensten nicht mehr nur im eigenen Haus tätig sind, sondern zu den Rat- und Hilfesuchenden fahren oder Sprechzeiten außerhalb des Caritashauses anbieten. „Dadurch haben wir auch Zugang zu anderen Klienten, die sonst den Weg nicht zu uns finden würden“, sagt Christiane Fließ.

„Wir versuchen immer, auf Bedarfe zu reagieren, die uns bekannt werden“, erklärt Rott. Diese werden unter anderem aus den Gemeinden an den Caritasverband herangetragen oder sind Wahrnehmungen des Jugendamtes. Es entstehen dann nicht nur Einzel-, sondern auch Gruppenangebote wie zum Beispiel die „Ego fit“- Gruppe für Kinder und Jugendliche, die das Thema Mobbing gezielt aufgreift. Oder im Bereich der Frühen Hilfen die Unterstützung von jungen Müttern. Denn auch das familiäre Bild hat sich verändert. Generationsübergreifend werden Erfahrungen nicht mehr weitergeben, die Familien leben nicht mehr mit mehreren Generationen unter einem Dach.

„Die Landschaft der Beratung hat sich sehr verändert“, stellt Johannes Rott klar. Früher seien auf eine Vollzeitstelle zwei Familien gekommen. Heute sind es bis zu zehn. Grund: ein höherer Bedarf und eine veränderte Arbeitsweise in der Beratung. „Wir können die Entwicklung in der Beratung nicht unabhängig der gesellschaftlichen Entwicklung sehen“, sagt Fließ. Die gesellschaftlichen Veränderungen spiegeln sich in den Beratungen wider.

Kinder hätten zum Beispiel heute in ihrer Freizeit schon Zeitmangel, stünden unter Druck. Offener Ganztag und anderweitige Aktivitäten gestalten einen extrem engen Zeitplan. Das veränderte Zeitfenster wirkt sich auch auf die Beratungsarbeit bei der Caritas aus. „Wir können heute die meisten Gruppenangebote erst ab 16 Uhr anbieten“, erklärt Fließ. Das Zeitfenster, um zum Beispiel mit Familien arbeiten zu können, schrumpft.

Ein weiteres Phänomen ist auch die Digitalisierung, die neue Suchterkrankungen wie die Internetsucht mitbringt. Auf solche neuen Entwicklungen und Bedarfe müssen sich die Mitarbeiter einstellen und sich entsprechend schulen. So herrscht kein Stillstand, auch nicht nach 50 Jahren Caritasverband Tecklenburger Land.

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