Gemeinsame Strategie der Kohleregion
Warum es mit den Gewerbeflächen knirscht

Tecklenburger Land -

Es knirscht in Sachen Gewerbeflächen in der Kohleregion. Eigentlich sind genügend Grundstücke vorhanden in den Kommunen. Dennoch lautet die Meldung unisono, dass es mit der Versorgung irgendwie hapert. Da stellt sich die Frage nach dem Warum.

Mittwoch, 10.07.2019, 11:04 Uhr aktualisiert: 10.07.2019, 11:06 Uhr
Uwe Manteuffel ist Geschäftsführer der Schnittstelle Kohlekonversion und Baudezernent in Ibbenbüren. Der Bildschirm neben ihm zeigt Luftansichten der Stadt Ibbenbüren aus dem städtischen Geoinformationssystem.
Uwe Manteuffel ist Geschäftsführer der Schnittstelle Kohlekonversion und Baudezernent in Ibbenbüren. Der Bildschirm neben ihm zeigt Luftansichten der Stadt Ibbenbüren aus dem städtischen Geoinformationssystem. Foto: Tobias Vieth

Rein rechnerisch sind schon heute genügend Gewerbeflächen vorhanden in der Kohleregion rund um Ibbenbüren. Ganz unabhängig von den rund 87 Hektar zusätzlicher Fläche, die sich künftig durch die ehemaligen Schachtanlagen Nordschacht in Mettingen und „von Oeynhausen“ in Ibbenbüren ergeben. Und auch unabhängig von den 75 Hektar Gewerbefläche, die der Regionalplan den sechs Kommunen der Kohleregion in seiner jüngsten Fassung zugesteht. Zusätzlich, um die wegfallenden Arbeitsplätze des Bergwerks kompensieren zu können.

Doch die rechnerische Größe der im Regionalplan, aber zum Beispiel auch in Flächennutzungsplänen erlaubten Gewerbeflächen, ist in vielen Fällen eine theoretische. „Wir haben zwar Flächen ausgewiesen, aber es sind nicht alle im Zugriff“, erklärt Uwe Manteuffel , Geschäftsführer der Schnittstelle Kohlekonversion in Ibbenbüren. Über jene Schnittstelle sind nun Fördermittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung („Regio.NRW – Wirtschaftsflächen“) beantragt worden – insgesamt rund 1,3 Millionen Euro, inklusive eines Eigenanteils von gut 500.000 Euro für die sechs Kommunen und den Kreis. Ein wesentlicher Teil davon dreht sich um eine gemeinsame Gewerbeflächenstrategie der beteiligten Städte und Gemeinden.

Knackpunkt der ganzen Sache: Um die planerisch zusätzlich erlaubten 75 Hektar in der Region überhaupt erschließen zu dürfen, muss der Bedarf nachgewiesen werden. Bislang haben die Beteiligten schon ihre bestehenden Gewerbegebiete bewertet, haben überprüft, welche einen eher lokal bedeutsamen Charakter haben, welche einen regionalen. Dabei kam heraus, dass es eigentlich mehr Reserveflächen gibt, als nötig. „Theoretisch müssten wir auskommen. Trotzdem klagen alle Kommunen darüber, dass sie nicht vorankommen“, bilanziert Manteuffel. Da stellt sich die Frage des Warums.

Flächen, die in Planwerken als künftige Gewerbegebiete herhalten könnten, sind heute noch gar nicht als solche zu erkennen. Der Regionalplan zeigt nur Möglichkeiten auf. Diese aber in Nutzung zu bringen, ist oft gar nicht so einfach. „Es gibt Hemmnisse“, sagt Manteuffel. In den meisten Fällen seien es Eigentumsfragen. So ist zum Beispiel eine Fläche in Nutzung durch die Landwirtschaft – und um daran zu kommen, muss man dem Besitzer im Regelfall andere Flächen anbieten. Gängig sei, dass es in Verhandlungen dann immer gleich um die dreifache Größe gehe. Andere Flächen dienen laut Manteuffel zum Beispiel als Überschwemmungsräume. Und nicht zuletzt gibt es Flächen, die für mögliche Erweiterungen von bestehenden Betrieben herhalten sollen. Auch die sind noch nicht verkauft, aber oft sind den Unternehmen Optionen eingeräumt, sie bei Bedarf erwerben zu können. Auch diese Flächen sind also rechnerisch zwar vorhanden – aber gar nicht nutzbar.

Wie es sich genau mit diesen Fragen verhält, das soll im Rahmen des Förderprogramms nun durch ein Büro geklärt werden. Ab 2020 soll die Arbeit dafür beginnen, mit Ergebnissen rechnet Manteuffel etwa zum Jahresbeginn 2021. In diesem Zeitraum wird es sowohl eine abstrakte Bewertung der Katasterwerke, aber auch Gespräche mit Akteuren, Behörden, Wirtschaftsförderern und auch Ortstermine geben. Aufgrund der Daten soll dann eine gemeinsame Gewerbeflächenstrategie entstehen, um die zusätzlichen 75 Hektar in der Region zu entwickeln.

„Um die 75 Hektar wird es kein Windhundrennen geben“, sagt Manteuffel. „Wir sind eine Musterregion.“ Und diese Region will die Flächen in einer konzertierten Aktion planen. Am Ende sei es doch egal, sagt Manteuffel, ob zusätzliche Flächen nun in Ibbenbüren oder Westerkappeln entstünden. Hauptsache, die Ansiedlungen blieben in der Region –die dann profitiert.

Entsprechend dem Slogan der Kohleregion heißt das Projekt „Gute Aussichten – Gewerbeflächen regional gedacht.“ Das Konzept begreift letztlich die Bedarfe zur Gewerbeflächenentwicklung – und auch die davon unabhängige Aktivierung der Konversionsflächen – als interkommunale Aufgabe. Dazu wird ein auf die Bedürfnisse der Region zugeschnittenes, interkommunales Gewerbeflächenmanagement und -marketing entwickelt. Einen hohen Stellenwert haben dabei innovative Beratungsangebote für kleine und mittelständische Unternehmen und ihre ausreichende Versorgung mit Wirtschaftsflächen zur Stärkung der lokalen Wirtschaft.

Welches Konstrukt der regionalen Zusammenarbeit, welche Lasten und welche Erträge der einzelnen Kommunen für gemeinsam entwickelte Gewerbeflächen am Ende dabei herauskommt, dazu kann Manteuffel heute noch keine Aussagen machen. Sicher ist aber, dass am Ende – und das wünscht sich auch der Gesetzgeber – das Gewerbe und seine Ansiedlungen in einem regionalen Kontext betrachtet wird. Manteuffel: „Losgelöst vom Kirchturmdenken.“

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