Nacktwanderer sorgten für Irritationen
Begegnungen im Adamskostüm

Tecklenburger Land -

Autofahrer und Spaziergänger in Riesenbeck und Umgebung mochten vor wenigen Tagen ihren Augen kaum trauen: Am helllichten Tag kamen ihnen rund 20 Männer und Frauen im Adamskostüm auf dem Riesenbecker und Birgter Berg, am Nassen Dreieck oder auch in Loismanns Garten entgegen.

Donnerstag, 05.09.2019, 13:22 Uhr
Kurz vorm Nassen Dreieck, am Mittellandkanal, gab es ein Gespräch der Gruppe mit der Polizei.
Kurz vorm Nassen Dreieck, am Mittellandkanal, gab es ein Gespräch der Gruppe mit der Polizei. Foto: IVZ

Rainer ist einer der Initiatoren dieser Nackt-Wanderungen. Seinen vollen Namen will er hier nicht lesen, nur so viel: Der Frührentner ist 59 Jahre alt, kommt aus Dortmund und ist überzeugter Naturist, wie er im (Telefon-)Gespräch mit Redaktionsmitglied Stephan Beermann erläutert.

Hallo Rainer, was war das für eine Gruppe, die in unserer Region für Aufsehen gesorgt hat?

Rainer: Das waren Männer und Frauen jeden Alters aus allen Teilen Deutschlands und dem angrenzenden Ausland. Wir sind keine feste Gruppe, sondern alles Individualisten, teilweise bekannt und befreundet. Es gibt keine Organisation, aber es gibt lockeren Kontakt zum Deutschen Verband für Freikörperkultur. Einige machen spontan mit und melden sich über unseren Nacktivitäten-Kalender an.

An welche Begegnungen erinnern Sie sich?

Rainer: Über den Waldauenweg im Teutoburger Wald kamen wir zum DA Kunsthaus in Gravenhorst, wo wir einem Brautpaar begegnet sind, das uns in einem alten Magirus Leiterwagen entgegenkam. Die haben uns zugewunken.

Sind Sie auch ins Kunsthaus gegangen?

Rainer: Nein, wir sind in der Natur unterwegs. Wenn wir das vorhätten, würden wir uns vorher etwas anziehen oder fragen, ob wir nackt kommen dürfen.

Wir reagieren andere bei Begegnungen?

Rainer: Wir verhalten uns so, wie wir uns verhalten, wenn wir bekleidet sind: Wir sind rücksichtsvoll, grüßen andere, die uns begegnen, und sind für Gespräche bereit. Die meisten Menschen, die uns begegnen, erwidern unseren Gruß. Seit Jahren erleben wir zunehmend, dass andere uns zuerst grüßen, zum Teil stehenbleiben, um nach unserer Motivation für unseren naturistischen Lebensstil zu fragen.

Sie hatten auch Kontakt mit der Polizei. . .

Rainer: Ja, ab und zu gibt es jemand, der meint, das geht doch gar nicht, oder der das vielleicht missversteht. Es kamen Freitag am Mittellandkanal zwei sehr junge Polizeibeamte vorbei, die das nicht kannten. Die sagten: „Sie können hier nicht nackt herumlaufen.“ Da haben wir erklärt, dass das durchaus möglich und in Ordnung ist. Dann telefonierte einer mit seinem Chef und sagte dann: „Ja, ist alles in Ordnung. Wir wünschen noch eine schöne Wanderung.“

Sie selber sprechen hier von einem Missverständnis.

Rainer: Ja, denn manche verwechseln Nacktheit mit sexuellen Aktivitäten oder Absichten. Aber darum geht es uns überhaupt nicht. Nacktheit wird auch manchmal mit Exhibitionismus verwechselt. Das hat aber mit nacktem Wandern gar nichts zu tun. Es gibt kein Verbot, nackt zu sein. Wichtig fürs Ordnungsrecht ist, dass bei Verstößen objektive Kriterien gelten. Dazu gehört zum Beispiel Ruhestörung oder Verschmutzung der Landschaft. Die Befindlichkeit Einzelner zählt nicht zu den objektiven Kriterien.

Haben Sie für den Notfall Kleidung dabei?

Rainer: Manchmal ja, ganz oft nein.

Sie sagten, Sie hätten in Birgte auch eine Gaststätte besucht.

Rainer: ...drinnen halt bekleidet. Wir haben uns angezogen, bevor wir aus dem Auto gestiegen sind. Aber es kommt ab und zu mal vor, dass wir in einer Gaststätte nackt sein dürfen.

Verstehe ich das richtig: Sie fahren nackt Auto?

Rainer: Doch selbstverständlich. Warum sollte ich denn im Auto etwas anhaben? Gerade im Sommer. Das ist nackt einfach schöner und bequemer.

Dass das irritieren kann, verstehen Sie aber, oder?

Rainer: Ja, das kommt vor, wird aber immer weniger.

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