Bewährungsstrafe wegen schwerer sexueller Nötigung
Übergriffe bei der Autofahrt

Ibbenbüren/Hörstel/Tecklenburg -

Die 22-jährige Frau aus Ibbenbüren wollte im April des vergangenen Jahres nicht, dass der 30 Jahre ältere Mann aus Hörstel ihr auf einer Autofahrt von Tecklenburg nach Ibbenbüren mehrfach in den BH und einmal zwischen die Beine griff. Obwohl sie immer wieder „Nein“ oder „Hör auf damit“ sagte und seine Hand wegstieß, ließ er nicht locker. Am Dienstag verurteilte das Schöffengericht Ibbenbüren den 52-Jährigen wegen schwerer sexueller Nötigung.

Mittwoch, 30.10.2019, 16:12 Uhr
 
  Foto: dpa

Seit knapp drei Jahren gilt das neue Sexualstrafrecht mit dem Grundsatz „Nein heißt Nein“. Seitdem spielt es für die Strafbarkeit eines sexuellen Übergriffs keine Rolle mehr, ob Gewalt angedroht oder angewendet wurde. Entscheidend ist, dass die oder der Geschädigte die sexuelle Handlung nicht gewollt hat.

Auch die heute 22-jährige Frau aus Ibbenbüren wollte im April des vergangenen Jahres nicht, dass der 30 Jahre ältere Mann aus Hörstel ihr auf einer Autofahrt von Tecklenburg nach Ibbenbüren mehrfach in den BH und einmal zwischen die Beine griff. Obwohl sie immer wieder „Nein“ oder „Hör auf damit“ sagte und seine Hand wegstieß, ließ er nicht locker.

Am Dienstag verurteilte das Schöffengericht Ibbenbüren den 52-Jährigen wegen schwerer sexueller Nötigung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Er muss zudem 1000 Euro an den Verein Opferhilfe in Münster zahlen.

Die Vorwürfe der Anklage hatte der verheiratete Vater von sechs Kindern über seinen Verteidiger unumwunden eingeräumt. Demnach hatten sich der Angeklagte und die Geschädigte, die sich aus ihrem beruflichen Kontext kannten und mehrfach via Chat miteinander geflirtet hatten, zum Kaffeetrinken in Tecklenburg getroffen. Wegen seiner sexuellen Anzüglichkeiten im Café bat die junge Frau den Mann, sie nach Hause zu bringen. Auf der Fahrt nach Ibbenbüren kam es im Auto des Angeklagten zu den Übergriffen.

„Er bereut, dass er auf dem völlig falschen Dampfer war“, versuchte der Verteidiger das Verbrechen, dessen sich sein Mandant schuldig gemacht hat, zu erklären. Der 52-Jährige hatte sich im Vorfeld bei der 22-Jährigen entschuldigt und im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs 1000 Euro als Wiedergutmachung gezahlt.

„Hat er öfter Probleme damit, dass er Frauen falsch versteht“, fragte die Vorsitzende Richterin mit Blick auf eine Akte aus dem Jahr 2015. Gegen den Mann hatte es eine Strafanzeige gegeben, weil er eine Frau auf die Wange geküsst hatte. Das Verfahren gegen ihn war eingestellt worden.

Er habe gedacht, dass die 22-jährige sich ziere, dass ihre Abwehr nicht ernst gemeint gewesen sei, gab der Verteidiger zu bedenken, dass der Kosovare in Bezug auf das Verhältnis zwischen Frauen und Männern anders sozialisiert sei. „Es handelt sich um eine klassische sexuelle Nötigung, das ist keine Frage“, fuhr der Jurist fort.

Bei der Strafzumessung müsse aber berücksichtigt werden, dass sein Mandant das Flirtverhalten der Frau falsch verstanden habe, führte er in seinem Plädoyer aus. Er hielt eine Bewährungsstrafe von acht Monaten für angemessen.

Die Staatsanwältin hatte sich zuvor für eine Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren ausgesprochen. Eine Chance der Bewährung sah sie für den 52-Jährigen nicht. Das Amtsgericht Osnabrück hatte ihn im Juni 2017 wegen gefährlicher Körperverletzung im Rahmen eines Familienstreits zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt. Während der Tat im April 2018 hatte er deshalb unter laufender Bewährung gestanden.

Das sah das Gericht anders. Da er in stabilen Verhältnissen mit Familie und Arbeit lebe, bescheinigte es ihm eine gute Sozialprognose. Zudem wertete es das Geständnis zu seinen Gunsten. Der Geschädigten sei eine Aussage vor Gericht deshalb erspart geblieben.

Der vom Verteidiger ins Spiel gebrachten Option eines minderschweren Falls folgte das Gericht ebenfalls nicht. Auch wenn der Mann die junge Frau nur angefasst habe und sein „Nachtat-Verhalten“ mit Entschuldigung und Wiedergutmachungszahlung positiv zu werten sei, „möchte man das, was die Geschädigte auf der 20-minütigen Autofahrt zwischen Tecklenburg und Ibbenbüren erlebt hat, nicht haben“, stellte die Richterin klar. Sie räumte aber ein, dass die Geschädigte in ihren Chat-Nachrichten mit Liebesbekundungen und Heiratsangeboten „nicht sehr glücklich agiert“ habe.

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