Bioenergiepark Saerbeck in Betrieb
Ein Leuchtturm für das ganze Land

Saerbeck/Kreis Steinfurt -

Volksfeststimmung beim Schautag auf dem Gelände der Bioenergieanlage in Saerbeck. Zehntausende kamen, um zu bestaunen wie eine kleine Gemeinde die Energiewende im großen Stil umsetzt. Umweltminister Johannes Remmel nahm das erste Windrad und den Gesamt-Park symbolisch in Betrieb.

Sonntag, 15.09.2013, 18:09 Uhr

Inmitten allerbester Volksfeststimmung nahm am Sonntag NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) symbolisch die Windkraftanlage der Gemeinde Saerbeck und den gesamten Bioenergiepark des Orts in Betrieb. Nach Schätzungen wohl weit mehr als die erwarteten 10 000 Besucher strömten zum Schautag auf das Gelände des ehemaligen Bundeswehrdepots. Dort wird zurzeit noch an weiteren sechs der modernsten und größten Binnen-Windräder in NRW gebaut. Der Solarpowerpark einer örtlichen Bürgergenossenschaft und die Biogasanlage eines Zusammenschlusses von Landwirten sind bereits in Betrieb. Demnächst soll das neue Kompostwerk des Kreises Steinfurt aus Biomüll Wärme und Strom erzeugen.

„Das Land ist stolz auf Saerbeck, der Ort ist etwas Besonderes in NRW“, sagte Remmel: „Sie gehen hier schon voran, wo andere noch hintergehen müssen.“ Der Bioenergiepark und das dahinter stehende Gesamtkonzept der NRW-Klimakommune Saerbeck seien „ein klimapolitischer Leuchtturm, der auf ganz Deutschland strahlt.“ Eine Woche vor der Bundestagswahl griff der Minister der rot-grünen Landesregierung gleichzeitig die schwarz-gelbe Bundesregierung scharf an. „Bei einer Wiederwahl „stehen wir vor einer Nacht der langen Messer, in der das Erreichte wieder zerstört werden soll“, sagte er voraus. Die Energiewende müsse aber weiter gehen.

Remmel forderte Investitionssicherheit beim Ausbau der erneuerbaren Energien und einen Systemwechsel hin zu dezentralen Systemen. Mit Blick auf steigende Strompreise für Verbraucher stellte er gleichzeitig fest, dass „der Energiemarkt nicht mehr funktioniert“ und umgestaltet werden müsse. „Hier muss gehandelt werden, nicht das EEG abgeschafft werden“, hielt er Kritikern des Erneuerbare-Energie-Gesetzes entgegen. Bei allem gehe es neben dem Klimaschutz um Wertschöpfung, Geld verdienen und Innovationen. „Sie machen das richtig, machen sie weiter so“, rief Remmel den Schautag-Besuchern zu, die seine Rede mehrfach mit Applaus unterbrachen.

Saerbecks Bürgermeister Wilfried Roos hatte seine zwei Enkel mit auf die Rednertribüne gebracht. „Die Beiden stehen symbolisch für die nachfolgenden Generationen“, sagte er, „aber schon jetzt profitieren alle Altersgruppen in Saerbeck vom Bioenergiepark“. Das für 2030 gesteckte Ziel, in der Gemeinde mehr Energie zu erzeugen als zu verbrauchen, sei binnen zweieinhalb Jahren bereits an diesem Sonntag erreicht. Der Park mit einem aktuellen Investitionsvolumen von 65 Millionen Euro auf 70 Hektar liefere zudem Gewinne an die Gemeindekasse ab. Roos betonte, dass mit Ausnahme der Anlagen des Kreises Steinfurt alle Investitionen in der Hand von Bürgern seien, nicht von Konzernen. Mit dem Gesamtkonzept, dem gemeindeeigenen Stromnetz und den Pläne für große Energiespeicher bis 2014 „ist Saerbeck weltweit in den Blick geraten“, so Roos.

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