„Tag der Archive“
Operettenstoff und Liebesgaben

Ochtrup/Kreis Steinfurt -

Elf Gemeinden im Kreis Steinfurt und das Kreisarchiv selbst präsentieren am 9, März in der Stadthalle Ochtrup zum bundesweiten „Tag der Archive“ eine große Gemeinschaftsausstellung. Es geht um das spannende wie zeitlose Thema „Frauen, Männer, Macht“.

Montag, 24.02.2014, 16:02 Uhr

„Archive sind staubig und grau“? Vor wegen! Bürgermeister Kai Hutzenlaub ist sicher: Für den „ Tag der Archive “, zu dem zum dritten Mal zwölf Archive im Kreis Steinfurt gemeinsam einladen, trifft das nicht zu. Im Gegenteil: Das – bundesweit vorgegebene – Thema „Frauen, Männer, Macht“ verspricht am 9. März in der Stadthalle Ochtrup (11 bis 17 Uhr) eine spannende und bunte Auseinandersetzung mit einem zeitlosen Thema.

Es liegt in der Natur der Sache, dass beim „Tag der Archive“ eher die Aspekte des Themas beleuchtet werden, die in der Vergangenheit liegen. Doch kann man das Heute und Morgen überhaupt verstehen, ohne das Gestern zu kennen? Die Archivare haben da so ihre Zweifel – und greifen tief in die Kisten, um so manchen Schatz hervor zu zaubern.

Achim Becker vom Stadtarchiv Steinfurt konzentriert das Thema rund um den Ersten Weltkrieg. Ein altes Fotoalbum zeigt Kriegsgefallene aus Steinfurt – Schicksale, die Becker mit Standesamtsakten verbindet. Der „Vaterländische Frauenverein“ kommt in seiner Präsentation genauso vor wie die Liebesgaben-Kommission“, die Pakete mit Wollsachen, Zigarren und Seife an die Front schickte.

Dr. Stefan Schröder vom Stadtarchiv Greven hat Dokumente rund um die Gründung des Grevener Krankenhauses zusammengetragen. Sie erzählen die Geschichte, warum lange Zeit der falsche Mann als Gründer des Hospitals galt. Und quasi als Zugabe gibt`s Einblicke in die schwierige Arbeit der ersten Standesbeamtin in Greven.

Dr. Thomas Gießmann vom Stadtarchiv Rheine schöpft aus einer neuen Foto-Sammlung, aus der er vornehmlich Bilder von Frauen aus der Arbeitswelt präsentiert, aber auch Modebilder. Ein anderes Thema erzählt davon, wie die Adelsfamilie Looz-Corswarem Anfang des 19. Jahrhunderts das Kloster Bentlage übernahm und zum Schloss umbaute, und wie sich daraus 1805 die letzte Reichsexekution des Heiligen Römischen Reiches ergab: „Stoff für eine Operette“.

Karin Schlesiger vom Stadtarchiv Ochtrup nutzt ihren Heimvorteil mit einer Sonderausstellung (11.30 – 17 Uhr) in der Villa Winkel. Dort werden „starke Frauen in ihrer Zeit“ vorgestellt, wie die Äbtissin Gräfin Westerholt zu Lembeck, die „Laurenz“-Frauen des Textilunternehmers Laurenz, und es werden „Lieder starker Frauen“ zu hören sein.

Das sind nur vier Beispiele für die Vielfalt des Archiv-Tages. Die Stadtarchive Emsdetten, Hörstel, Lengerich, Metelen, Mettingen, Neuenkirchen, Wettringen und das Kreisarchiv werden nicht minder Spannendes präsentieren. Kreis-Archivarin Ute Langkamp, zusammen mit Karin Schlesiger federführend in der Organisation, freut sich, dass jedes Archiv mit einem 0,9 X 1,2 Meter großen Plot-Druck in der Ausstellung vertreten ist . Neben der Ausstellung zum Thema „Frauen, Männer, Macht“ zeigen die zwölf Archive auch weitere Dokumente und Karten. Historische Fotos, viele davon noch unveröffentlicht, sind ein einer Beamer-Projektion zu sehen; es gibt einen Bücherflohmarkt, Mitmachaktionen im Töpfermuseum und nicht zuletzt ein Archivcafé das durch „Happens Hof“ betrieben wird. Ein dickes Lob heimsten die Kreis-Archivare gestern von Hans-Jürgen Höötmann ein, dem Leiter des LWL-Archivamtes für Westfalen. „Bundesweit einmalig“ und „fast schon sensationell“, sei dieses Team-Konzept „Zwölf Archive unter einem Dach“. Gut möglich also, dass der bisherige Rekord (1850 Besucher in Rheine 2010) fallen wird.

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