Anteil Übergewichtiger im Kreis Steinfurt über NRW-Schnitt
Darf’s ein bisschen mehr sein?

Kreis Steinfurt -

Wer kennt die Frage beim Metzger oder an der Theke im Supermarkt nicht: Darf’s ein bisschen mehr sein? Im Kreis Steinfurt lautet die Antwort vielleicht zu oft „ja“. Denn beim Körpergewicht dürfte es hier bei (zu) vielen Menschen gut und gerne etwas weniger sein.

Mittwoch, 28.01.2015, 18:01 Uhr

Zu viel auf den Rippen: Im Kreis Steinfurt bringt mehr als jeder zweite erwachsene Einwohner mehr auf die Waage, als es für seine Gesundheit gut ist.
Zu viel auf den Rippen: Im Kreis Steinfurt bringt mehr als jeder zweite erwachsene Einwohner mehr auf die Waage, als es für seine Gesundheit gut ist. Foto: colourbox

Laut der letzten Mikrozensus-Befragung hat die Zahl der übergewichtigen Erwachsenen im Kreis Steinfurt binnen acht Jahren jedenfalls nicht nur deutlich zugenommen, sondern liegt auch über dem NRW-Schnitt von 52,8 Prozent.

„2013 waren 55,5 Prozent der über 18-jährigen Einwohner im Kreis übergewichtig, 2005 waren es dagegen nur 46,7 Prozent“, berichtet Karin Jöhring , Regionalgeschäftsführerin der IKK classic, nach der Auswertung der Daten. Deutliche Unterschiede gebe es zwischen Frauen und Männern. Waren 2013 schon 64,7 Prozent (2005: 56,9 Prozent) der Männer übergewichtig, so waren es bei den Frauen lediglich 45,7 Prozent (2005: 36,6 Prozent).

Warum im Kreis Steinfurt überdurchschnittlich viele Menschen mit Übergewicht zu kämpfen haben, ist allerdings schwer zu erklären. „Valide Daten dazu liegen uns nicht vor“, betont Stefanie Weiser (Pressestelle IKK Classic). Und auch Dr. Freerk Barth, Ernährungsmediziner aus Steinfurt, will über Gründe, warum es für den Kreis besonders dicke kommt, nicht spekulieren. Er nennt aber die allgemein häufigste Ursache für Übergewicht: „Wir essen zu viel, zu fettig und zu süß.“ Dazu kommen veränderte Berufsformen. „Viele Menschen müssen nicht mehr schuften wie früher ein Bergmann, ernähren sich aber, als ob sie unter Tage arbeiten.“

Dass immer mehr Sitzen und weniger Bewegung – auch durch wachsende Motorisierung – Übergewicht mit verursacht und fördert, steht außer Frage. Dem entgegen stehen wiederum Zahlen des Kreissportbundes Steinfurt. Demnach ist die Zahl der Mitglieder in den Sportvereinen im KSB-Gebiet seit 1997 (rund 133 000) deutlich gestiegen und lag 2014 bei gut 152 000 – wobei dazu allerdings auch passive Mitglieder zählen.

Trösten kann sich der Kreis Steinfurt damit, dass er nicht an die negativen Top-Quoten des Landes in Herne (61,1 %) und Gelsenkirchen (58,7 %) sowie des Kreises Warendorf (58,7 %) heranreicht. Markant ist allerdings auch der Unterschied zur Stadt Münster mit „nur“ 39,4 Prozent Übergewichtigen .

Ein anderes Bild zeigt sich im Kreis Steinfurt bei den Erstklässlern. Bei den Schuleingangsuntersuchungen 2005 bis 2014 lag die Quote übergewichtiger Kinder jeweils um zehn Prozent (davon rund vier Prozent adipös, also stark übergewichtig), wie Dr. Anke Bösenberg (Sachgebietsleiterin Kinder- und Jugendgesundheitsdienst im Kreis-Gesundheitsamt) zu berichten weiß. Mit 10,1 Prozent laut aktuellster Auswertung liege Steinfurt hier sogar unter dem NRW-Schnitt (11,1). Bei den Gründen kann die Ärztin ebenfalls nur mutmaßen: „Vielleicht liegt es daran, dass die Kinder hier noch bessere Bewegungsmöglichkeiten haben als anderswo. Hier können sie noch auf Bäume klettern und auf den Straßen Inliner fahren.“

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