Landratswahlkampf
Punkten mit Person und Politik

Wettringen/Kreis Steinfurt -

Gut zwei Stunden Politik, Persönliches und unterschiedliche Positionen: In der gemeinsamen „Wahlarena“ von Radio RST und unserer Zeitung in der Wettringer Bürgerhalle schenkten sich die drei Kandidaten für die Landratswahl im Kreis Steinfurt nichts. Besonders umstritten: Ein kommunales Integrationszentrum.

Montag, 07.09.2015, 17:09 Uhr

Gut aufgelegt  waren die drei Landratskandidaten (v.l.) Dr. Klaus Effing (CDU), Dr. Stefan Giebel (SPD) und Hermann Stubbe (Grüne), hier flankiert von RST-Chefredakteurin Andrea Stullich und Kreiskorrespondent Achim Giersberg, die gemeinsam durch die Veranstaltung führten.
Gut aufgelegt  waren die drei Landratskandidaten (v.l.) Dr. Klaus Effing (CDU), Dr. Stefan Giebel (SPD) und Hermann Stubbe (Grüne), hier flankiert von RST-Chefredakteurin Andrea Stullich und Kreiskorrespondent Achim Giersberg, die gemeinsam durch die Veranstaltung führten. Foto: Theresa Gerks

Es war ein spannender Spagat zwischen Rendezvous und Gladiatorenkampf, den die drei Landratskandidaten Dr. Klaus Effing (CDU), Dr. Stefan Giebel ( SPD ) und Hermann Stubbe (Grüne) am Sonntagnachmittag in der Wettringer Bürgerhalle ablieferten: Für die politischen Ziele fighten und gleichzeitig ein gutes, charakteristisches Bild bei allen Wählerinnen und Wählern hinterlassen. „Was sind das für Typen, Politiker, Menschen?“ Das war die Masterfrage des Abends, die sich RST-Chefredakteurin Andrea Stullich und Zeitungs-Kreiskorrespondent Achim Giersberg als Moderatorenduo stellten.

Zunächst gab es eine kurze, knackige Vorstellungrunde. Effing ist in Emsdetten geboren und aufgewachsen und seit über 25 Jahren im Kreis Steinfurt tätig. Der Kreis Steinfurt als Familienkreis – das hat sich der zweifache Vater auf die Fahne geschrieben. „Ich bin fachlich bestens aufgestellt. Ich wäre ein Landrat mit Herz und Verstand.“ Auf eine einsame Insel würde er einen großen Sack voll Lego-Technik mitnehmen.

SPD-Kandidat Giebel kommt aus Wolfhagen in Hessen und sein Steckenpferd ist das Thema Integration. Das liegt auch daran, dass der dreifache Doktor teils in Griechenland aufgewachsen und oft international unterwegs ist. „Ich bin in der Lage, über den Tellerrand hinwegzuschauen“, sagt Giebel über sich selbst. „Man muss Projekte lieben – dann setzt man sie auch um.“ Am liebsten isst er Grünkohl mit Mettwurst.

Das kommt für Landratskandidat Nummer 3, Hermann Stubbe, nicht infrage, da er seit 23 Jahren Vegetarier ist. Stubbe ist Gesamtschullehrer der Fächer Geographie, Sozialwissenschaften, Physik und Mathematik und hat vorher eine IT-Berufsausbildung gemacht: „Ich habe eine breite theoretische Ausbildung in ganz unterschiedlichen Bereichen.“ Der dreifache Familienvater wohnt seit elf Jahren in Saerbeck und mag heimwerken, hat beispielsweise einen mobilen Freifunkknoten selbst gelötet. Sein Wahlkampfschwerpunkt ist ganz klar: „Ich will den Kreis grüner machen.“

Nach dem informativen Warm-Up stiegen die drei Kandidaten in den Ring und diskutierten über Kreis-Themen wie die Flüchtlingssituation, Gesundheit und Krankenhäuser, den FMO und das kommunale Integrationszentrum – gerade in letzterem Punkt gingen die Meinungen auseinander. Während sich Stubbe und Giebel klar für die Einrichtung aussprachen (Giebel: „Wir kommen nicht an einem kommunalen Integrationszentrum vorbei“, Stubbe: „Wir brauchen dringend mehr als 5,5 Stellen – professionelle Stellen, um die vielen ehrenamtlichen Helfer zu entlasten“), nahm Effing Abstand vom Landeskonzept, weil es nicht individuell zum Kreis Steinfurt passe. Vielmehr würde er zwei Stellen befürworten und gerne die anderen dreieinhalb Stellen als finanzielle Mittel ausgezahlt bekommen, um Sprachkurse anbieten zu können und den Ehrenamtlichen unter die Arme zu greifen.

Aufgelockert wurde die „Wahlarena“ durch kleine Assoziationsspiele, in denen die Landratsanwärter Gegenstände zogen und ihre Kreativität spielen ließen. Dabei stellte sich unter anderem heraus, dass Effing mit seiner Familie gerne Urlaub in Deutschland an der See macht, Giebel seine Doppelkopf-Fertigkeiten noch auf den Münsterland-Standard bringen will und Stubbe zu Hause nur fair gehandelten Kaffee trinkt.

Und auch an die jungen Wähler hatten die Veranstalter gedacht. Marc-André Kruppa (RST-Volontär) und Nicolas Schilgen (Freier RST-Mitarbeiter) stellten Fragen rund um WLAN, Social Media, Ausgehen und Mobilität im Kreis Steinfurt, Internationalität und das Wahlalter 16. Und ließen sich auch die Handys der Kandidaten zeigen. Effing hat beispielsweise eine Sonne als Whatsapp-Status, Stubbe ist unter anderem bei Twitter aktiv und Giebel hat die Facebook-Auszeichnung „Hohe Reaktionsfreude bei Nachrichten“.

Zum Schluss durften die drei potenziellen Landräte nochmals in die Bütt und ihr abschließendes Statement wieder direkt an die Wählerinnen und Wähler formulieren. Direkt danach luden die Veranstalter Radio RST und die Zeitungsgruppe Münsterland zur Probewahl ein. Mit folgendem, natürlich nicht repräsentativem Ergebnis: 153 Stimmzettel wurden abgegeben. Davon waren zwei ungültig. Von den 151 gültigen Stimmen entfielen auf Dr. Klaus Effing: 60,3 % (91 Stimmen); auf Dr. Stefan Giebel: 27,8 % (42 Stimmen) und auf Hermann Stubbe: 11,9 % (18 Stimmen). Das ist natürlich nur eine Momentaufnahme und noch leicht zu ändern – man muss am Sonntag nur wählen gehen.

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