Kreis bestätigt sechs Fälle
Abwasserpilze bedrohen Gewässer

Kreis Steinfurt -

Unsachgemäßer Umgang mit Sickerwasser aus Silagen gilt als Hauptgrund für die Verunreinigung von Gewässern mit Abwasserpilzen.Der Kreis Steinfurt kündigte jetzt mehr Kontrollen an, setzt aber gleichzeitig auf die Kooperation der Landwirte.

Donnerstag, 17.03.2016, 17:03 Uhr

Zwei negative Beispiele hatte Dr. Niepagenkemper an den Anfang seines Vortrags gestellt. Sickerwasser und Gärsäfte aus unsachgemäß bewirtschafteten Silagen gelten als eine der Hauptursachen für die Verbreitung der Abwasserpilze.
Zwei negative Beispiele hatte Dr. Niepagenkemper an den Anfang seines Vortrags gestellt. Sickerwasser und Gärsäfte aus unsachgemäß bewirtschafteten Silagen gelten als eine der Hauptursachen für die Verbreitung der Abwasserpilze. Foto: Moritz/Nabu

Der Kreis Steinfurt reagiert auf zunehmende Hinweise auf Gewässerverschmutzungen durch Abwasserpilze im Umfeld von Biogasanlagen und landwirtschaftlichen Betrieben. Kreis-Baudezernent Franz Niederau kündigte am Mittwochabend vor dem Umweltausschuss an, der Kreis werde „verstärkt Gewässerschauen und Kontrollen“ durchführen und setze damit auch einen Erlass des NRW-Umweltministeriums vom 19. Februar um.

Seit Anfang dieses Jahres, so die Antwort der Verwaltung auf eine Anfrage der Grünen, wurden im Kreis Steinfurt im Rahmen einer Kontrolle der Gewässer im Umfeld von 48 Biogasanlagen Gewässerverunreinigungen durch Abwasserpilze in sechs Fällen festgestellt: In Steinfurt (Hollich), Recke (Steinbeck), Greven (Schmedehausen), Altenberge (Wesenfeld, Kümper) sowie Laer (Aabauerschaft). Bislang wurde nur in Recke die Verunreinigung eindeutig einer Biogasanlage zugeschrieben; in diesem Falle wurde auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, denn Gewässerverunreinigung, so Niederau, sei ein Straftatbestand. Mehr als um eine strafrechtliche Verfolgung ginge es dem Kreis jedoch darum „Missstände abzustellen“, sagte Niederau.

Was Abwasserpilze sind und was sie so gefährlich macht, erläuterte dem Ausschuss Dr. Olaf Niepagenkemper , vom Landesfischereiverband NRW, der auf die Abwasserpilz-Problematik im Münsterland, insbesondere im Kreis Borken, aufmerksam gemacht hatte. Abwasserpilze seien eigentlich eine Kolonie verschiedener Bakterienarten, die in dauerhaft verschmutzten Gewässern gedeihen, führte er aus. Kalte Temperaturen und ein hoher Nährstoffzufluss sorgten für einen niedrigen Sauerstoffgehalt im Wasser – Umstände, die das Bakterien-Wachstum begünstigten.

In den meisten Fällen seien die Verschmutzungen auf den unsachgemäßen Umgang mit Silage zurückzuführen; aber auch der nicht ordnungsgemäße Umgang mit Gülle, Festmist, Kompost und Jauche könne als Ursache in Betracht kommen. Betroffen seien hauptsächlich sehr kleine Gewässer, die nicht von der Wasserrahmen-Richtlinie erfasst würden, und deshalb bisher nicht so im Fokus gestanden hätten, meinte Niepagenkemper. Beeinträchtigt werde vor allem der Fisch-Nachwuchs in diesen Jungfisch-Habitaten. sowie Kleinlebewesen im Wasser. Zu einem Fischsterben im eigentlichen Sinne komme es nur selten, aber die Fische zögen sich zurück und die Artenvielfalt verarme.

Auch der Landwirtschaft sei mittlerweile das Problem bewusst, meinte Niederau. Die Landwirte müssten rund um die Silagen „öfter den Besen zur Hand“ nehmen. Ideal sei eine Pflanzenkläranlage für Niederschlags-Abwässer. Die koste zwar ca. 30 000 Euro, aber das sei eine Investition, die man gut verkraften könne, angesichts der Verdienstmöglichkeiten mit Biogas, meinte der Dezernent.

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