Naturschutzstiftung macht aus einem Euro fünf
Ganz schön effizient

Kreis Steinfurt -

Für Projekte zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie gibt es reichlich Geld vom Land. Das Problem: Den Kommunen fehlen die erforderlichen Eigenmittel. Hier springt jetzt die Naturschutzstiftung des Kreises Steinfurt mit ihrem „Effizienzmodell“ ein.

Donnerstag, 29.12.2016, 16:12 Uhr

Großbaustelle „Neue Vechte Metelen“:  Mit Unterstützung der Naturschutzstiftung entsteht im Rahmen dieses Effizienzprojekts eine Fischtreppe, bei der erstmals im Kreis Holzstämme statt Beton für die Aufsteigestufen eingesetzt werden. Das kleine Foto zeigt den Stiftungs-Geschäftsführer Udo Schneiders.
Großbaustelle „Neue Vechte Metelen“:  Mit Unterstützung der Naturschutzstiftung entsteht im Rahmen dieses Effizienzprojekts eine Fischtreppe, bei der erstmals im Kreis Holzstämme statt Beton für die Aufsteigestufen eingesetzt werden. Das kleine Foto zeigt den Stiftungs-Geschäftsführer Udo Schneiders.

Der Name kommt recht sperrig daher: „ Effizienzmodell zur Umsetzung von Maßnahmen nach der EG-Wasserrahmenrichtlinie, WRRL, und nach dem Fließgewässerentwicklungsprogramm Kreis ST (FEP).“ Franz Niederau , Kreis-Baudezernent und Kuratoriumsvorsitzender der Naturschutzstiftung des Kreises, malt fünf aufeinander gestapelte Rechtecke auf ein Blatt Papier. „5 x 20 Prozent = 100 Prozent“ ist die Formel dazu. Zu 100 Prozent würde im Normalfall eine Kompensationsmaßnahme (das ist der ökologische Ausgleich, der für eine Baumaßnahme geschaffen werden muss) als Basisprojekt von der Stiftung getragen. Jetzt kommt der „Trick“: Niederau malt die fünf Rechtecke nebeneinander. Statt 5 x 20 Prozent Eigenmittel für ein Basisprojekt auszugeben, verteilt die Stiftung diese Mittel auf fünf „Effizienzprojekte“, mit jeweils einer 20-Prozent-Finanzierung als Grundstock. Und – Niederau malt auf jedes Grundrechteck vier weitere obendrauf – die jeweils fehlenden 80 Prozent ergänzt das Land als Fördermittel. Es ist ein echter Coup, dem die Bezirksregierung hier zugestimmt hat. Möglich wird er, weil das Land für die Umsetzung der WRRL jede Menge Geld hat, aber feststellen muss, dass den Kommunen „an allen Ecken und Enden die erforderlichen Eigenmittel fehlen“, sagt Niederau und Udo Schneiders , Geschäftsführer der Naturschutzstiftung, freut sich, dass so aus 100 000 Euro 500 000 Euro werden.

„Basis und Effizienzmodelle müssen in einem sinnvollen wasserwirtschaftlichen Zusammenhang stehen“, erklärt Schneiders. Projektskizze und Finanzplan müssen der Bezirksregierung zur Prüfung und Zustimmung vorgelegt werden. Über den Umweg des Effizienzmodells könne die Stiftung die Hauptverantwortlichen für die Umsetzung der WRRl, die Kommunen und die Unterhaltungsverbände, gezielt unterstützen. Für die Wasserbehörden habe das Modell den Vorteil, Planungssicherheit nicht nur für das Basis-Projekt, sondern ebben auch für eine Reihe von Effizienzprojekten herzustellen – eine Win-win-Situation für alle.

In 2016 habe die Stiftung die Zustimmung der Bezirksregierung für zwei Effizienzprojekte erhalten und damit Projekte im Umfang von rund 4,3 Mio. Euro angeschoben.

Auch darüber hinaus sei 2016 ein gutes Jahr für die Stiftung gewesen, resümiert Schneiders. Für eine Million Euro habe sie Kompensationsflächen erworben und damit rund 23 Hektar dauerhaft für den Naturschutz gesichert. Der Stiftungs-Flächenpool sei damit auf 440 ha angewachsen. 130 000 Euro seien für Pflege und Entwicklungsmaßnahmen aufgewandt worden. 20 000 Euro wurden für die Förderung von Naturschutzprojekten wie etwa der Neuerrichtung von Weideschuppen ausgezahlt. Auch die Naturschutzjugend des ANTL und das Engagement von Hubert Ortmann für den Schutz des Steinkauzes wurden gefördert. Stark gefragt gewesen sei die Stiftung als Dienstleister für Dritte zur Übernahme von Kompensationsmaßnahmen, sagt Schneiders. Mit 40 Gewerbetreibenden, landwirtschaftlichen Betrieben und auch Kommunen habe sie Ablösevereinbarungen im Umfang von rund 80 000 Euro abgeschlossen. In den kommenden Jahren werden Pojekte zum Schutz der Gewässer der Arbeitsschwerpunkt der Stiftung bleiben, sagt Schneiders. Aktuell liefen 15 Projekte, darunter „Neue Vechte Metelen“ mit einem Umfang von einer Million Euro, bei dem die Stiftung den zehnprozentigen ( 10 statt 20 Prozent, weil Metelen in der Haushaltssicherung ist) Eigenanteil trage. 2017 soll zudem das Leader-Projekt „Blühende Säume im Tecklenburger Land“ in Trägerschaft der Bio-Station des Kreises starten. Die Stiftung werde 60 000 Euro, 35 Prozent der Gesamtkosten) übernehmen.

„Die Gründung der Naturschutzstiftung war eine unserer besten Ideen“ habe Franz Niederau zum zehnjährigen Jubiläum der Stiftung gesagt, erzählt Schneiders. Und ist überzeugt, dass dieser Satz heute mehr denn je Gültigkeit hat.

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