Handwerk 2.0
Von akademischem Wert

KREIS STEINFURT -

347 Prüflinge in 20 Handwerksberufen haben die Gesellenprüfung beziehungsweise Abschlussprüfung bestanden. Ihre Arbeit wurde auch von Festredner Armin Laschet gewürdigt. Auf der Lossprechungsfeier in Rheine.

Mittwoch, 01.02.2017, 16:02 Uhr

Kreishandwerksmeisterin Erika Wahlbrink (l.), Armin Laschet (Mitte), Vorsitzender CDU-NRW, und der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf Frank Tischner sprachen auch diese sieben prüfungsbesten Gesellen frei.
Kreishandwerksmeisterin Erika Wahlbrink (l.), Armin Laschet (Mitte), Vorsitzender CDU-NRW, und der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf Frank Tischner sprachen auch diese sieben prüfungsbesten Gesellen frei. Foto: Peter Sauer

„Wer repariert die Heizung, wenn sie bei diesen frostigen Temperaturen ausfällt?“, fragte Kevin Beermann die Besucher der Lossprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf am Dienstag in der Stadthalle Rheine . „Die Antwort: Der Handwerker!“ Der Sprecher der Gesellen unterstrich einmal mehr den Wert seiner Branche – quer durch alle Gewerke: „Ich bin stolz, ein Handwerker zu sein.“ Beermann legte seine Prüfung als Fleischergeselle ab.

Insgesamt haben 347 Prüflinge in 20 Handwerksberufen die Gesellenprüfung beziehungsweise Abschlussprüfung bestanden.

Kreishandwerksmeisterin Erika Wahlbrink spielte in ihrer Festrede auf das „Wort des Jahres“ an: „Ich bin froh, dass es im Handwerk keinen Platz für ´Postfaktisches` gibt“. Das Handwerk bevorzuge echte Fakten und Werte. Diese Philosophie gab sie den frisch gebackenen Gesellen mit auf den Weg. „Die Berufsausbildung im Handwerk sollte deshalb nicht nur die Vermittlung fachlicher Fertigkeiten und Kenntnisse bedeuten, sondern eben auch Werte wie Respekt, Ehrlichkeit und Verantwortungsgefühl beinhalten.“ Wahlbrink lobte daher auch jene Handwerker, die sich ehrenamtlich engagieren, ob in der Jugendarbeit der Vereine, bei der Feuerwehr oder bei Bürger-Projekten.

Festredner Armin Laschet bescheinigte den Absolventen, einen beruflichen Weg gewählt zu haben, der es mit einer akademischen Laufbahn aufnehmen könne. Der Vorsitzende der CDU-NRW und Oppositionsführer im Landtag lobte den großen wirtschaftlichen Gewinn des Handwerks und nannte Zahlen. Demnach erwirtschaften 112 000 Handwerksbetriebe in NRW 110 Milliarden Euro im Jahr. „Das ist genauso viel wie das Bruttoinlandsprodukt von ganz Ungarn.“ Im Handwerk seien viele Arbeitsplätze entstanden: „Berufliche Bildung im Handwerk ist ein echter Pluspunkt.“

Damit die jungen Gesellen und „Meister von morgen“ auch in der Region bleiben, wo Fachkräfte händeringend benötigt werden, müsste, so Laschet weiter, auch der ländliche Raum attraktiver gemacht werden. Digitalisierung und schnelles Internet sollten daher schnellstmöglich ausgebaut werden, so seine Forderung an die NRW-Landesregierung.

Da Berufslehrer fehlen, möchte Laschet die Idee des früheren NRW-Kultusministers Paul von Mikat übertragen, dass Handwerker zu Lehrern weitergebildet werden. Mikat bekämpfte in den 1960-er Jahren den Lehrermangel durch Sonderkurse zur Ausbildung von Hilfslehrerinnen.

Laschet stellte besonders heraus, dass Handwerksbetriebe die ersten in der Wirtschaft gewesen seien, die Flüchtlingen Praktika und Jobs verschafft haben.

Landrat Dr. Klaus Effing dankte Laschet für dessen Bekenntnis zur dualen Ausbildung als „gute Verbindung von Theorie und Praxis“. Effing rechnet im Kreis Steinfurt nach sieben aufstrebenden Jahren in der Wirtschaft mit einem weiteren erfolgreichen achten Jahr: „Wir haben mehr als 150 000 sozialversicherungspflichtige Beschäftige im Kreis.“ Bei 440 000 Einwohnern sei dies bisheriger Rekord. Effing führte weiter aus: „Wir haben den zweitstärksten Anwachs an Auszubildenden in ganz NRW zu verzeichnen.“ Der Landrat betonte: „Es gibt für Handwerker immer gute Aussichten im Kreis.“

Rheines Bürgermeister Dr. Peter Lüttmann lobte die Nachhaltigkeit: „Im Handwerk geht es nicht von Quartal zu Quartal, sondern von Generation zu Generation.“ Kreisdechant Markus Dördelmann erinnerte daran, dass 2016 ein junger Mann, der von seiner Gemeinde betreut wird, den Gesellenbrief bekommen hatte. Auf seine Frage, was das Beste daran sei, antwortete ihm dieser: „Da bekommt man mehr Geld aufs Konto!“

Dördelmann rief die frisch gebackenen Gesellen dazu auf, es zunächst einmal „richtig krachen“ zu lassen, sich dann beruflich aufzustellen und sich gegen Populismus, Trump & Co. zu engagieren. Wenn man nichts dagegen unternehme sieht der Kreisdechant düster: „Dann gnade uns Gott.“ Darum rief er die Gesellen auf: „Bitte geht daher wählen!“ In England hätten die jungen Briten das Brexit-Referendum verschlafen und hätten nun den Salat, „plötzlich raus aus der EU“ zu sein.

Für motivierende Töne sorgte auch die Big Band des Arnold-Janssen-Gymnasiums Neuenkirchen (etwa mit „Eye of the Tiger“ aus dem Boxerfilm „Rocky III“).

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