Exerzitien im Gertrudenstift
Die Brille des Alltags abnehmen

Kreis Steinfurt/Rheine -

Exerzitien hinter Klostermauern oder in anderen abgeschlossen Räumen – diese Vorstellung dürfte eng mit dem Begriff „Exerzitien“ verbunden sein. Im Gertrudenstift gilt das nicht. Dort treffen sich die Teilnehmer gar nicht.

Freitag, 24.02.2017, 22:02 Uhr

Online-Exerzitien  bieten Martin Limberg (links) und Frank Nienhaus jeweils in der Advents- und Fastenzeit im Gertrudenstift in Rheine an.
Online-Exerzitien  bieten Martin Limberg (links) und Frank Nienhaus jeweils in der Advents- und Fastenzeit im Gertrudenstift in Rheine an. Foto: Gudrun Niewöhner

Die meisten schauen morgens direkt nach dem Aufstehen rein, einige aber auch erst am Abend, wenn der Tag langsam zur Ruhe kommt. „Letztendlich kann jeder für sich entscheiden, wann es ihm am besten passt“, sagt Frank Nienhaus . Seit 2013 bietet der Diplom-Theologe und Leiter des Exerzitien- und Bildungshauses Gertrudenstift in Rheine , Online-Exerzitien in der Fastenzeit an. Los geht es immer am Aschermittwoch – in diesem Jahr also am 1. März.

Wer mitmachen möchte, muss im Vorfeld nicht viel tun. Eine Mail genügt. Rund 50 Teilnehmer melden sich erfahrungsgemäß an. Das gilt auch für die Adventszeit. In den vier Wochen vor Weihnachten kümmert sich Spiritual Martin Limberg um die geistlichen Impulse. So haben es sich die beiden Hauptamtlichen des Gertrudenstifts aufgeteilt.

Die Exerzitienteilnehmer, von denen nach Nienhaus´ Einschätzung die Mehrheit eher nahe dem Rentenalter ist, finden früh morgens eine Nachricht in ihrem elektronischen Postfach. „Diese soll sie durch den Tag begleiten“, erläutert Nienhaus den Ablauf.

Mit der ersten Mail verschickt er eine kurze Einweisung und gibt ein paar Tipps: „Am besten ist es, wenn man die Impulse immer an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit liest.“ So entstehe eine Art Ritual, das guttue. Eine Auswahl an Gebeten hängt der Leiter des Gertrudenstiftes ebenfalls an.

Viele schreiben im Laufe der Wochen zurück, teilen mit, was sie bewegt, welche Gedanken ihnen gekommen sind. „So entsteht eine Form von geistlicher E-Mail-Begegnung“, sagt Limberg. Die Namen der Teilnehmer kennen nur die Exerzitienleiter. Ein Treffen der Gruppe ist nicht vorgesehen, obwohl Teilnehmer gelegentlich danach fragen. Doch die allermeisten haben sich gerade deshalb für das individuelle Onlinebesinnungsangebot entschieden, weil sie anonym bleiben können, niemand zuschaut und keine Gesprächsrunden dazugehören. Wer an einem der Tage keine Zeit findet, verschiebt den Impuls. „Jeder kann jeden Tag ein- oder aussteigen“, betont Limberg die besondere Flexibilität dieses Angebotes.

Die Impulse sind sehr unterschiedlich gestaltet: Mal gibt es ein Gedicht, mal ein Bild, mal eine Bibelstelle – und mal auch nur eine Aufforderung, Dinge der alltäglichen Umgebung bewusster zu betrachten.

Nienhaus und Limberg, für die die Exerzitien ein geistlicher Prozess sind, haben zu Beginn längst nicht alle Impulse fertig in der PC-Ablage: „Ich schreibe sie meistens zwei, drei Tage im Voraus“, berichtet der Leiter des Gertrudenstiftes. So lässt sich bei Bedarf Aktuelles einbringen.

Die Brille des Alltags abnehmen, den Raum weiten - Ziel ist es, die Teilnehmer der Exerzitien in die Welt zu führen, in der sie Gott begegnen können. Und das auf eine moderne Weise, ganz individuell, sagen die beiden Leiter: „So, wie es in unsere heutige Zeit passt.“

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Interessenten können sich bis Dienstag, 28. Februar, per Mail an gertrudenstift@bistum-muenster.de melden.

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