Gesundheit
Nichtrauchen verlängert das Leben

KREIS STEINFURT -

Der in Greven, Saerbeck und Emsdetten tätige Internist und Palliativmediziner Dr. Joachim Kamp kämpft bundesweit gegen die Tabakwerbung. Mit Selfie-Aktionen, Demos vor der Tabakmesse und als Sprecher von „Rauchfrei NRW“, als Vorstandsmitglied im Ärzteverband Tabakprävention. Und nicht zuletzt als Familienvater.

Donnerstag, 06.04.2017, 16:04 Uhr

Mit Raucherlungen hat es Dr. Joachim Kamp immer häufiger zu tun.
Mit Raucherlungen hat es Dr. Joachim Kamp immer häufiger zu tun. Foto: Peter Sauer

Früher ritt ein markiger Cowboy durch die Prärie. Mit dem Anzünden seiner Zigarette nach der harten Arbeit als Viehtreiber wollte er sich nicht nur eine Belohnung gönnen, sondern auch ein Gefühl von Freiheit, Coolness und gute Laune verbreiten. In der Tabakwerbung . Auch wenn nach Angaben der Los Angeles Times mindestens vier der Darsteller des „Marlboro-Mannes“ an den Folgen des Rauchens in die ewigen Jagdgründe eingegangen sind und heutzutage Bilder von Krebskranken die Zigarettenpackungen „schmücken“, wird immer noch für Zigaretten geworben.

„Ein Unding“ findet Dr. Joachim Kamp . Der Emsdettener Internist und Palliativmediziner kämpft seit Jahren für ein Verbot der Tabakwerbung, auch um vor allem junge Generationen erst gar nicht mit dem blauen Dunst einzunebeln und zum Rauchen zu bringen. Kamp weiß wovon er spricht, betreut er doch immer häufiger Menschen, deren Gesundheit durch das Nikotin ruiniert wurde. Eine der bekanntesten Folgen ist Lungenkrebs.

„Rauchen ist Körperverletzung , sagt Kamp. Er ist Sprecher von „Pro Rauchfrei“ in NRW und Vorstandsmitglied im Ärzteverband Tabakprävention, vertritt die Hausärzte: „Ich bin Arzt geworden, um langes Leben, Gesundheit, Vitalität und Attraktivität zu fördern. Hier sind Zigaretten der größte Gegenpol“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Der 51-Jährige Vater von vier Kindern (zwischen 14 und 23 Jahren) richtet sich auch immer wieder an die Politik: „Die Einnahmen der Tabaksteuer decken in Deutschland nicht die Kosten des Rauchens. „Die Folge: Der Steuerzahler müsse das Rauchen über seine Sozialabgaben bezahlen. Kamp zitiert eine Berechnung der Deutschen Krebshilfe: „Eine Zigarettenschachtel verursacht 40 Euro Sozialschaden, durch Behandlungskosten und Verdienstausfälle.“ Für den Arzt ist es auch nicht erklärbar, dass Deutschland neben Bulgarien das einzige Land in Europa ist, „das es zulässt, dass an fast jeder Bushaltestelle minderjährige Schüler mit Tabakwerbung konfrontiert werden, die sie zum Rauchen verführen soll“. Die Folgen erfährt der Hausarzt vor Ort: „Da kommen schon Zehnjährige in meine Praxis, die rauchen.“

Laut Kamp fangen rund 70 000 Jugendliche durch die Tabakwerbung auf Plakaten jedes Jahr mit dem Rauchen an. Ihre Lebens-Perspektive ist keine Schöne, prognostiziert der Mediziner: „Von diesen 70 000 Jugendlichen wird die Hälfte im Laufe ihres Lebens an ihrer Sucht sterben.“

Und zwar frühzeitig und elendig, wie Kamp betont. Die Folgen des Rauchens sind Immunschwäche, Infekte und Beschwerden beim Sehen und Gehen, Osteoporose, Bypass. „Viele von ihnen müssen betreut werden“, weiß Kamp aus eigener Erfahrung. Er engagiert sich im Palliativmedizinischen Konsiliardienst (PKD) Emsdetten - Greven - Saerbeck und im Hospiz „Haus Hannah“.

Öfters trifft man den Emsdettener auch am Stand seiner Initiative „www.sportler-fuer-rauchfrei.de, bei dem auch Olympioniken wie der Riesenbecker Springreiter Ludger Beerbaum mitmachen oder auf Sportplätzen, als Trikotsponsor gleich mehrerer Jugendmannschaften im Kreis, darunter die Frauenmannschaft FC „Stella“ 1911 Bevergern oder SC Falke Saerbeck 1924. Oder er ruft die Facebook-Gemeinde auf, Selfies zu machen mit dem Schild „Tabakwerbeverbot jetzt!“ Mit bundesweitem Erfolg.

Unterstützung bekommt der Emsdettener durch eine Emsdettenerin im Bundestag. MdB Kathrin Vogler ist gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke. Die Politikerin nennt klare Zahlen: „Jedes Jahr sterben 120 000 Menschen an Gesundheitsschäden, die durch das Rauchen verursacht werden.“ Für Vogler ist es ein Trauerspiel, dass der Wirtschaftsflügel der CDU/CSU-Fraktion – nach ihrer Meinung auf Betreiben der Tabak- und Werbewirtschaft – das eigentlich längst überfällige Tabakwerbeverbot blockiere. Und das obwohl sich alle Gesundheits-, Ernährungs- und Landwirtschaftspolitiker sowie Verbraucherschützer einig seien, „dass wir ein entsprechendes Gesetz dringend brauchen“.

Dr. Kamp kämpft jeden Tag für die Gesundheit seiner Patienten und ehrenamtlich für den Nichtraucherschutz. Dafür demonstriert er auch regelmäßig in Dortmund vor der Messe „Inter-Tabac“. „Es geht nicht um eine Bevormundung der Raucher“, macht der 51-Jährige deutlich. Angesichts der verheerenden Wirkungen auf Kinder und Jugendliche dürfe man dem Tabak-Marketing aber nicht so ein großes Forum wie einer jährlichen Messe mit Besuchern aus dem In- und Ausland bieten. Doch Dortmunds Bürgermeister Ulrich Sierau will weiter an dieser „für den Messestandort Dortmund wichtigen Messe“ festhalten.

Bei der Demo vor dem Messeeingang wollte die Tabak-Lobby Kamp & Kollegen von der Polizei vertreiben lasen. „Die Tabakindustrie wird langsam nervös“, sagt Kamp, „aber die Polizei nahm nur die Personalien auf. Wir werden weiter kämpfen!“ Zum Weltnichtrauchertag am 31. Mai plant er weitere Aktionen. Und der Jugend rät der Mediziner: „Lasst es einfach! Denn rauchen turnt ab, weil man stinkt, unattraktiv und krank wird.“

Erkannt haben das schon einige Schüler. Beim AOK-Wettbewerb „Be Smart – Don`t Start“ beteiligten sich 2016 im Kreis 112 Klassen. 89 davon haben durchgehalten und blieben von November 2015 bis April 2016 an ihrer Schule rauchfrei. Das macht Hoffnung auf weniger blauen Dunst und mehr blauen Himmel.

Zum Thema

  | www.aerzteverband.de/forderungen;   | www.sportler-fuer-rauchfrei.de;   | www.facebook.com/joachim.kamp

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