Kreishandwerkermeisterin Erika Wahlbrink wird verabschiedet
Am Puls der Zeit

Kreis Steinfurt -

Sie hat nie großes Aufsehen darum gemacht, dass sie eine von ganz wenigen Frauen an der Spitze einer Handwerksorganisation in Deutschland war. „Natürlich gab es das Thema Männerdomäne. Aber ich wollte immer inhaltlich arbeiten. Mit guter Vorbereitung und am Puls der Zeit – das schafft Vertrauen“, sagt Erika Wahlbrink. Nach zehn Jahren an der Spitze der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf tritt die Friseur-Meisterin aus Ibbenbüren zum Monatsende als Kreishandwerksmeisterin ab.

Dienstag, 27.06.2017, 16:06 Uhr

Zehn Jahre hat Erika Wahlbrink als Kreishandwerksmeisterin dem Handwerk in den Kreisen Steinfurt und Warendorf ein Gesicht gegeben.Morgen gibt sie ihr Amt ab.
Zehn Jahre hat Erika Wahlbrink als Kreishandwerksmeisterin dem Handwerk in den Kreisen Steinfurt und Warendorf ein Gesicht gegeben.Morgen gibt sie ihr Amt ab. Foto: privat

Sie hat nie großes Aufsehen darum gemacht, dass sie eine von ganz wenigen Frauen an der Spitze einer Handwerksorganisation in Deutschland war. „Natürlich gab es das Thema Männerdomäne. Aber ich wollte immer inhaltlich arbeiten. Mit guter Vorbereitung und am Puls der Zeit – das schafft Vertrauen“, sagt Erika Wahlbrink . Nach zehn Jahren an der Spitze der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf tritt die Friseur-Meisterin aus Ibbenbüren zum Monatsende als Kreishandwerksmeisterin ab. Bei der turnusgemäßen Wahl am morgigen Donnerstag (29. Juni) in Ostbevern kandidiert sie nicht mehr. Wahlbrink, so sind ihre Wegbegleiter überzeugt, hat die Kreishandwerkerschaft nicht zuletzt als Verfechterin von Handwerk mit hohem Qualitätsanspruch geprägt.

„Ich hatte immer zwei Anliegen: Ich wollte den Menschen Handwerk zum Anfassen nahebringen und ich habe darum geworben, Handwerk als Dienstleistung zu verstehen“, sagt sie. Ersteres gelang ihr zum Beispiel, indem sie ihre Gesprächspartner aus Politik und Gesellschaft nahe ans Geschehen brachte. „Wann immer es ging, habe ich Rundgänge durch Werkstätten oder durch die Fertigung gemacht und die Gäste aufgefordert, ihre Sinne zu nutzen: ,Riechen Sie mal, wie das Holz riecht. ,Schauen Sie mal, wie filigran diese Arbeit ist’.“ Dabei habe sie den Gesprächspartnern immer vor Augen geführt, was die einzelnen Gewerke leisten. Ganz gleich, ob es um passgenaue Einbaumöbel aus dem Tischlerhandwerk, von Malerhand geschmackvoll gestaltete Räume oder um knifflige Lösungen aus Metall ging.

Auch in ihrem eigenen Betrieb, den sie inzwischen an ihre Nachfolgerin Tanja Hartmann weitergegeben hat, hält sie das bis heute so. Gleiches verlange sie auch von Meistern anderer Gewerke: „Sie müssen erklären, warum sie so arbeiten und dadurch zeigen, über welchen ausgeprägten Sachverstand sie verfügen.“ An der ein oder anderen Stelle habe das Handwerk in diesem Bereich Nachholbedarf, räumt sie ein.

Nach all den Jahren in vielen Gremien auf Kreis-, Landes- und Bundesebene ist Wahlbrink noch immer fasziniert, wie Handwerk Tradition und Moderne verbindet. „Ich wollte immer ein Handwerk, das modern und innovativ ist“, sagt sie. Dabei habe das Handwerk auch in Zeiten der Globalisierung eine besondere Bedeutung. „Die Menschen möchten ein Alleinstellungsmerkmal, und das kann das Handwerk bieten.“

Mit Sorge sieht Erika Wahlbrink, dass die berufliche Bildung heute immer mehr in den Hintergrund trete. „Ich bin froh, dass ich mich vor 50 Jahren gegen meine Eltern durchgesetzt und ein Handwerk gelernt habe“, sagt sie selbstbewusst. Das habe ihr vielfältige Möglichkeiten geboten. „Wenn wir uns selbst von diesen Möglichkeiten begeistern lassen, dann können wir auch andere in der Region begeistern“, ist sie überzeugt.

Dazu leiste auch die Kreishandwerkerschaft großen Anteil. „Wie nur wenige Kreishandwerkerschaften in Deutschland trägt die KH Steinfurt-Warendorf durch ihr besonderes Engagement in der beruflichen Bildung zur Versorgung der Unternehmen mit qualifizierten Fachkräften bei – und dies mittlerweile auch international“, fügt Wahlbrink an. Den Austausch in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kreishandwerkerschaften schätzt sie: „Ich habe immer geschaut, was man für unsere Region übernehmen kann.“

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