NRW-Minister Laumann besucht Denkmalpflege-Werkhof in Steinfurt
Neue Chancen für Langzeitarbeitslose

Kreis Steinfurt -

NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann hat sich am Montag mit Vertretern aus Wirtschaft und Verwaltung auf dem Denkmalpflege-Werkhof in Steinfurt über die anstehenden Neuerungen bei der Förderung von Langzeitarbeitslosen ausgetauscht. Laumann möchte weniger in Einzelprojekte und vielmehr in Programme investieren.

Dienstag, 04.09.2018, 14:56 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 03.09.2018, 15:28 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 04.09.2018, 14:56 Uhr
Dr. Klaus Effing (l.) und Rainer Brömmelhaus nutzen den Besuch von Karl-Josef Laumann (r.), dem NRW-Minister den Denkmalpflege-Werkhof bei einem Rundgang noch einmal vorzustellen.
Dr. Klaus Effing (l.) und Rainer Brömmelhaus nutzen den Besuch von Karl-Josef Laumann (r.), dem NRW-Minister den Denkmalpflege-Werkhof bei einem Rundgang noch einmal vorzustellen. Foto: Drunkenmölle

Die Wirtschaft boomt. Die Arbeitslosigkeit geht zurück. Und dennoch gibt es relativ viele Menschen, die, weil sie jahrelang keinen Job bekommen und absehbar auch wenig realistische Chancen besitzen, eine Beschäftigung aufzunehmen, nur von sogenannten Hartz IV-Leistungen leben müssen. Der Kreis Steinfurt bildet da keine Ausnahme. Und obwohl er im Vergleich zu den Ballungsgebieten im Land nicht so stark von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen ist, will er die arbeitsmarktpolitischen Instrumente nutzen, damit sich diese Situation nicht verschärft.

Wie das gelingen kann, stand gestern im Mittelpunkt eines Gesprächs mit Karl-Josef Laumann in Steinfurt. Der NRW-Arbeits- und Sozialminister hat sich auf dem Denkmalpflege-Werkhof mit Vereinsmitgliedern, Kooperationspartnern, Unternehmens- und Verwaltungsmitgliedern, Spitzen der Kreishandwerkerschaft und der Agentur für Arbeit an einen Tisch gesetzt. Dort ging es insbesondere um die von der Bundesregierung eingeleitete Änderung des Zweiten Sozialgesetzbuches und im Kern darum, wie die wirksame Förderung von Langzeitarbeitslosen weiter verbessert werden kann.

Etwa 11 000 Personen sollen in NRW davon profitieren. Zielgruppe sind Menschen, die seit mindestens sieben Jahren nicht aus der Grundsicherung kommen. 120 könnten es nach Angaben von Thomas Ostholthoff vom Jobcenter im Kreis Steinfurt sein, die in der Region an dem Programm teilnehmen. Rainer Brömmelhaus , Geschäftsführer des Trägervereins, erhoffte sich natürlich, dass der Denkmalpflege-Werkhof berücksichtigt wird. Landrat Dr. Klaus Effing, zugleich Vorsitzender des Trägervereins, bezeichnete die Einrichtung als wichtige Komponente des Sozialsystems im Kreis Steinfurt.

„Langzeitarbeitslosigkeit hat sich verstetigt“, erklärte Brömmelhaus mit Blick auf die Möglichkeit, die betroffene Personengruppe statt wie bisher zwei, zukünftig mindestens fünf Jahre zu beschäftigen, inklusive einer intensiven sozial-pädagogischen Betreuung der Klientel. Die Förderung soll sich dabei am Mindestlohn orientieren.

Laumann selber war es allerdings auch sehr wichtig, Langzeitarbeitslose dort, wo es geht, wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Betriebe seien die beste Schule für das Leben. Es gelte, sozialen Sprengstoff zu entschärfen. Laumann warnte: „Wenn wir das nicht tun, wird es immer schlimmer.“

Voraussetzung sei natürlich, dass die Unternehmen bereit sind, Menschen mit Defiziten eine echte Chance zu geben: „Wir brauchen Arbeitgeber, die sich dieser Menschen annehmen.“ Das setze umgekehrt aber auch den Willen der Arbeitssuchenden voraus, unbedingt Leistung zeigen zu wollen.

Der Minister machte darüber hinaus deutlich, dass er zukünftig weniger in Einzelprojekte und vielmehr in Programme investieren will. Dazu möchte er auch dem Bildungsscheck wieder mehr Bedeutung schenken und das Werkstattjahr aufleben lassen. Parallel will er Verwaltungspersonal einsparen. Laumann sah darüber hinaus auch eine Chance, die Effektivität der Arbeit in den unterschiedliche Stellen (Jobcenter, Arbeitsagentur, Jugendhilfe) zu erhöhen, in dem sie enger miteinander vernetzt werden. Ziel müsse es sein, wieder mehr räumliche Nähe zu den Betroffenen zu schaffen.

Die weitere Diskussion beschäftigte sich allerdings nicht nur mit dem Problem, wie Langzeitarbeitslosigkeit abgebaut und den betroffenen Menschen und Familien wieder eine Perspektive gegeben werden kann. Es ging auch darum, wie im Kreis Steinfurt die duale Ausbildung gestärkt und dem Mangel von Nachwuchskräften begegnet werden kann. Digitalisierung und Mobilität waren weitere Diskussionspunkte. Laumann machte klar, dass er bestehende Förderprogramme auf den Prüfstand stellen will. Es gehe ihm darum, die aus Steuergeldern bereitgestellten Mittel effektiver einzusetzen.

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